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Ernährung & Gesundheit

Irre Behauptung: Avocado, Kürbis und Mandeln sind nicht vegan? - das steckt dahinter

Butternut-Kürbis, Avocado und Mandeln sollen nicht vegan sein. Das behauptet zumindest eine britische TV-Sendung. Der Grund: Für die Kultivierung müssen Tiere leiden. Doch was ist dran an der Behauptung?

Avocados sind nicht vegan? Was zunächst für den ein oder anderen wie ein Scherz klingt, ist laut der britischen BBC-Quizshow "QI" Fakt - zumindest streng genommen. Denn für die Kultivierung der auch in Deutschland beliebten Frucht werden Tiere auf "unnatürliche Weise" benutzt, wie es in der Quizsendung hieß. 

Doch der Reihe nach. In der Quizsendung wurden vier Kandidat*innen gefragt, welche der folgenden Lebensmittel für strikte Veganer*innen infrage kommen, ohne dass dafür Tiere leiden müssen: Kiwis, Melonen, Butternut-Kürbisse, Mandeln oder eben Avocados. Die Kandidat*innen waren sich einig und antworten: alle. Doch dann die überraschende Antwort: Streng genommen ist keines der Lebensmittel 100 Prozent vegan.

Avocado: Diese Tiere leiden für den Anbau 

Die Erklärung der Quizmasterin Sandi Toksvig: Für die Zucht und Kultivierung dieser Pflanzen würden Tiere auf "unnatürliche Weise" benutzt. Weil es schwierig ist, die Pflanzen auf natürliche Weise zu kultivieren, werden Bienen zur Bestäubung mit Lastern quer durch die Länder gefahren, nach getaner Arbeit wieder in Kisten verpackt und zum nächsten Feld transportiert.

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Die Tierschutzorganisation Peta weist seit Jahren darauf hin, wie dramatisch der Umgang mit diesen sogenannten Honigbienen ist - vor allem im Ausland. Bienen werden in Massenzucht gehalten, ausgebeutet, oft verletzt oder sogar getötet. Auch der Film "More than honey" widmet sich dem Thema und blickt unter anderem in die USA. Dort werden rund 2,4 Millionen Bienenstöcke jedes Jahr tausende Kilometer quer durch die Staaten transportiert. Um zum Beispiel die Mandelbäume in Kalifornien zu bestäuben, da diese Bäume nicht selbst bestäubend sind.

Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass Bienen für die Zucht der Pflanzen leiden müssen. "Vegane Menschen meiden die Nutzung von Tieren oder tierischen Produkten in allen Lebensbereichen", schreibt die Tierschutzorganisation Peta. Streng genommen sind Avocados, Butternut-Kürbisse und Co. also keine Option für strikte Veganer*innen. Aber trifft das nicht auf die meisten scheinbar veganen Lebensmittel zu? Ja, sagt die Veganer-Organisation Vegan Society. 100 Prozent vegan zu leben, sei fast unmöglich. Das heiße aber nicht, dass man sich nun überhaupt nicht mehr um das Wohlergehen von Tieren kümmern sollte.

Wie groß ist der ökologische Fußabdruck von Avocados?

Problematisch sind Avocados vor allem aufgrund ihres ökologischen Fußabdruckes. Denn wegen der hohen Nachfrage kommt es immer wieder zu illegalen Abholzungen der Wälder in Mittel- und Südamerika, wo die Frucht hauptsächlich angebaut wird, so Peta. Außerdem hat die Avocado einen langen Transportweg hinter sich, bis sie bei uns im Regal landet.

Im Anbau verbraucht sie, mit mehr als 330 Liter Wasser pro Avocado, große Mengen an Trinkwasser, das der Bevölkerung fehlt. Im Vergleich haben jedoch andere Lebensmittel einen weitaus höheren Wasserverbrauch. Für ein Kilogramm Rindfleisch werden zum Beispiel rund 15.000 Liter Wasser verbraucht.

Peta meint deshalb: "Wer etwas Wirkungsvolles für den Umweltschutz tun will, sollte auf eine vegane Ernährung umsteigen – ob mit oder ohne Avocados."

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Vorschaubild: © CC0 / Pixabay / coyot