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Darum ist Leitungswasser besser als Mineralwasser

Mineralwasser ist schlecht für die Umwelt und Leitungswasser enthält überhaupt keine wichtigen Mineralstoffe? Ein Test hat beide unter die Lupe genommen und verglichen. Das Ergebnis ist eindeutig.
 
Wasser Mineralwasser
Rund drei Liter Wasser sollte ein Erwachsener täglich trinken. An heißen Tagen noch mehr. Aber welches Wasser ist besser? Leitungswasser oder Mineralwasser? Foto: Congerdesign/Pixabay.com
  • Welches Wasser ist besser? Das aus der Leitung und das aus der Flasche?
  • Das Verbrauchermagazin "Öko-Test" hat einen klaren Favoriten
  • Im Test wurden Leitungswasser und Mineralwasser anhand verschiedener Kriterien verglichen: Reinheit, Mineralstoffgehalt, Umweltbilanz

Manche Menschen schwören auf Leitungswasser, andere trinken ausschließlich Mineralwasser aus der Flasche - doch was liegt im neutralen Vergleich vorne? Öko-Test hat einen klaren Favoriten: Leitungswasser. Die Tester haben sowohl Mineralwasser als auch Leitungswasser genau unter die Lupe genommen und in den Punkten Reinheit, Mineralstoffgehalt und Umweltbilanz miteinander verglichen. Wir haben die wichtigsten Fakten für Sie zusammengestellt und erklären Ihnen, warum Leitungswasser besser ist als Mineralwasser. 

Welches Wasser darf Mineralwasser heißen?

Mineralwasser darf nicht einfach jedes Wasser heißen, dem Sprudel zugesetzt wurde. Nur das Wasser, welches aus geschützten und tiefliegenden Quellen stammt, darf diesen Namen tragen. Voraussetzung ist außerdem, dass dieses Wasser kaum behandelt ist. 

Was zeichnet Leitungswasser aus? Leitungswasser hingegen stammt meist aus oberflächennahen Gewässern - das kann zum Einen Grundwasser sein, aber auch Wasser aus Flüssen und Seen. Dieses Wasser wird meistens zusätzlich behandelt, da es häufig leicht verunreinigt ist.

Aus diesem Grund landet das Leitungswasser erst einmal in einem Wasserwerk, wo es gesäubert wird, bevor es in die Leitungen der Haushalte fließt. 

Mineralwasser aus der Flasche oder Leitungswasser - was hat die reinere Qualität?

Häufig ist Mineralwasser sehr viel sauberer und reiner als Leitungswasser, da die Quellen tief unter der Erde liegen und deshalb sehr gut geschützt sind. Leitungswasser wird jedoch durch Menschen verunreinigt - beispielsweise dadurch, dass Medikamente, Chemikalien und Pestizide achtlos entsorgt werden. 

Eine Haupt-Belastung im Leitungswasser liegt durch Nitratrückstände vor. Vor allem in Regionen, in denen viel Landwirtschaft betrieben wird, ist der Nitratwert im Grundwasser sehr hoch. Das Problem liegt im Dünger: Durch das Düngen mit Gülle gelangt ein hoher Anteil Nitrat in den Boden und somit in das Grundwasser. Die Bundesregierung spricht in ihrem aktuellen Nitratbericht von einem Anteil von 26,2 Prozent aller Nitrat-Messstellen, die die vorgeschriebene Nitrat-Grenze von 50 Milligramm pro Liter überschreiten. Das ist mehr als jede vierte Messstelle und besorgniserregend, wenngleich die Zahl im Vergleich zum letzten Bericht 2016 leicht gesunken ist. 

Auch Pestizide stammen aus der Landwirtschaft und sind ein echtes Problem für die Reinheit des Grundwassers. Selbst Pestizide, die seit vielen Jahren nicht mehr erlaubt sind, sind heute teilweise noch im Grundwasser nachweisbar.

Schadstoffe im Leitungswasser

Problematisch sind außerdem Rückstände von Medikamenten. Diese gelangen unter anderem über menschliche und tierische Ausscheidungen oder über eine fehlerhafte Entsorgung in das Grundwasser. Darunter befinden sich beispielsweise Beta-Blocker, Röntgenkontrastmittel oder Schmerzmittel. Das Abwasser wird zwar in den Kläranlagen gereinigt, alle Stoffe können jedoch nicht herausgefiltert werden und gelangen so wieder in das Grundwasser. Der Umweltanalytiker Christian Zwiener sieht im Hinblick auf die Zukunft schwarz: Dadurch, dass die Bevölkerung immer älter wird, werden auch mehr Medikamente verbraucht, wodurch mehr Arzneimittel-Rückstände im Grundwasser landen. 

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Auch unsachgemäß entsorgte Chemikalien verunreinigen das Grundwasser. Darunter etwa Weichmacher, Pflegeprodukte und Reinigungsmittel. Trotzdem sollte man sich keine Sorgen machen: Stiftung Warentest hat 2019 20 Leitungswasserproben überprüft und dabei kaum Rückstände gefunden.

In bedenklichen Mengen waren keinerlei Stoffe enthalten, da das Abwasser in den Kläranlagen sehr gründlich gereinigt wird, bevor es erneut in das Grundwasser gelangt. 

Schadstoffe im Mineralwasser

Wenn Sie jetzt vermuten, Mineralwasser sei frei von derlei Rückständen, werden Sie nun ernüchtert: Auch im Wasser aus tief unter der Erde liegenden Quellen konnten Rückstände aus Umweltverschmutzung entdeckt werden.

Erkennbar ist der Nachweis von beispielsweise Pestiziden für den Verbraucher nicht, da ein Mineralwasser selbst dann mit dem Prädikat "rein" werben darf, wenn solche Stoffe im Wasser enthalten sind. Öko-Test überprüfte dafür 100 Mineralwässer. Das Ergebnis: Fast jede fünfte Quelle ist verunreinigt.

In weiten Teilen ist die Trinkwasserverordnung viel strenger als die Mineralwasser-Verordnung, Verunreinigungen lassen sich jedoch in beiden Wässern nicht vermeiden.

Mineralstoffe im Wasser - wo steckt mehr drin?

"Mineralwasser" - ist der Name hier Programm? Es gilt: Nicht grundsätzlich sind in Wässern, die mit "Mineralwasser" deklariert sind, auch mehr Mineralstoffe als in Leitungswasser. Denn die Mineralwässer sind unterschiedlich mineralisiert, was bedeutet, dass sie unterschiedlich viel Mineralstoffe enthalten. Jedoch gibt es auch Produkte, die einen besonders hohen Anteil an Mineralstoffen beinhalten. Diese lassen sich durchaus in eine gesunde Ernährungsweise einbauen.

Jedoch zieht der menschliche Körper Mineralstoffe vor allem aus festen Lebensmitteln. Deshalb halten Forscher der Universität Paderborn die Bedeutung von Wasser als Mineralstoffquelle für überschätzt. Im Fall, dass man laktoseintolerant ist oder einen veganen Lebensstil führt, kann man Mineralwasser jedoch anstatt von Milch als Kalziumquelle nutzen. 

Im Gegensatz zum Mineralwasser finden sich im Leitungswasser keine nennenswerten Mineralstoffe, wie Wissenschaftler der Leibniz-Universität Hannover herausfanden. Hierbei gilt: Hartes - also kalkhaltiges - Wasser enthält mehr Kalzium und Magnesium als weiches Wasser. Zumeist wird das Wasser aber entkalkt, bevor es bei den Verbrauchern aus dem Hahn fließt, enthält also wiederum kaum Mineralstoffe. 

Preisvergleich von Leitungswasser und Mineralwasser

Der eindeutige Preis-Sieger ist das Leitungswasser. Laut Umweltbundesamt kostet ein Liter Leitungswasser bundesweit etwa 0,2 Cent. Sieht man sich die Mineralwässer an, gibt es den Liter im Discounter für etwa 0,13 Euro - wesentlich teuer als das Wasser aus dem Hahn. Der günstige Preis des Leitungswassers hängt mit der Verarbeitung zusammen: Es ist gesetzlich verankert, dass sich die Wasserpreise nach den Kosten richten, die den Wasserversorgern für die Gewinnung, Reinigung, Speicherung und Verteilung an die Haushalte, anfallen. Sehr viel teurer darf es nicht ausfallen.

Wie sieht es mit der Klimabelastung aus?

Auch auf diesem Gebiet liegt das Leitungswasser weit vorne. Für die gesamte Verarbeitung des Wassers entstehen weniger als zehn Prozent der Treibhausgase, die für eine Ein-Liter-PET-Flasche zu Buche schlagen. Die Verbraucherzentrale geht noch weiter: Sie geht davon aus, dass die Belastung für die Umwelt durch die Mineralwasserproduktion 600 mal höher ist, als bei der Herstellung von Leitungswasser.

Zwar muss Leitungswasser zuerst aufwendig aufbereitet werden, teilweise sogar durch eine chemische Desinfizierung, trotzdem steht es immer noch wesentlich besser da als Mineralwasser. Denn hier kommen noch die Verpackung, die mechanische Abfüllung und der Transport der Wasserflaschen hinzu.  

Leitungswasser ist besser für die Umwelt - Einweg-Flaschen schädlich

Sie sehen also, dass Leitungswasser deutlich umweltschonender ist als Mineralwasser. Hier fallen weder Verpackung, Müll, noch ein Transport an. Die Deutsche Umwelthilfe setzt sich stark gegen Einweg-Plastikflaschen ein, von denen es immer mehr in den Discountern und Supermärkten zu finden gibt. Pro Jahr geht die Umwelthilfe in Deutschland von einem Einweg-Plastikflaschen-Verbrauch von 16,4 Milliarden Stück aus - ganz schön viel Plastik, was deutlich auf die Öko-Bilanz von Einweg-Flaschen schlägt.

Auch die Herstellung von Einweg-Flaschen ist ein Riesen-Problem: Die meisten Flaschen werden nach wie vor aus neuem Material hergestellt, welches Rohöl als Basis hat. Es werden also nicht-erneuerbare Rohstoffe verbraucht, rund 480.000 Tonnen Rohöl im Jahr. Möchte man auf die Umwelt achten, sollte man die Finger von Einweg-Flaschen lassen.

Wie sieht es mit Mehrweg-Flaschen aus?

Diese sind definitiv umweltschonender als Einweg-Flaschen. Mehrweg-Glasflaschen werden bis zu 50 Mal wieder befüllt, PET-Plastikflaschen etwa 25 Mal. Aber auch bei den Mehrwegflaschen sind die Transportwege sehr kritisch zu betrachten: Sie werden durchschnittlich 100 bis 200 Kilometer transportiert, bis sie im Laden landen. Anschließend werden sie wieder zum Hersteller gefahren, wo sie gereinigt und erneut befüllt werden. Beim Kauf gilt zu beachten: Das Mineralwasser sollte aus Ihrer Region kommen und Teil des Mehrweg-Systems sein. 

Den kompletten Artikel finden Sie auf der offiziellen Website von Öko-Test. 

Fazit

Das Leitungswasser liegt in fast allen Punkten vor dem Mineralwasser. Das Mineralwasser punktet lediglich mit einem teilweise höheren Mineralgehalt als Wasser aus dem Hahn. Dafür sind viele weitere Vorteile aufseiten des Leitungswassers: Es ist umweltschonend und überaus preisgünstig. Wem der Sprudel beim Leitungswasser fehlt: Mithilfe eines praktischen Wassersprudlers kann man sich sein Sprudelwasser ohne Probleme selbst herstellen. 

Auch Stiftung Warentest hat Leitungswasser mit Mineralwasser aus der Flasche verglichen, das Ergebnis erfahren Sie in unserem Artikel.

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