Bamberg
Welterbe

Offene Gärtnereien: Frecher Michel trifft "Greta"

Der "Tag der offenen Gärtnereien" lockte Hobbygärtner und Touristen an. Der Nachwuchs schaufelte Erde und bei älteren Besuchern war Rettich der Renner.
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Petra Zier mit Prachtexemplaren von Rettich aus dem Gemüseanbau. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Petra Zier mit Prachtexemplaren von Rettich aus dem Gemüseanbau. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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Eine passendere Botschafterin für die Bamberger Gärtnerfamilien konnte es wohl nicht geben: Unübersehbar hockte die "Humsera" am Eingang der Gärtnerei Böhmerwiese. Allerdings quietschbunt und im Miniaturformat. Die populäre Gärtnerfrau kam als Skulptur daher, in Szene gesetzt von der Künstlerin Antjepia Gottschalk. Und das gleich in mehrfacher Ausführung.

Ein steter Besucherstrom zog am gestrigen "Tag der offenen Gärtnereien" an der Humsera vorbei. Zwölf Bamberger Betriebe hatten ihre Tore geöffnet und boten einen farbenfrohen und kulinarischen Einblick in ihre traditionsreiche Erwerbsarbeit. Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Patricia Alberth, Leiterin des Zentrums Welterbe, eröffneten das Programm offiziell im Staudengarten Strobler an der Kronacher Straße.

Anregungen für Zuhause

Während sich Gartenfreunde aus der Region an winterharten Stauden, Gräsern, Kräutern, Farnen und Wasserpflanzen erfreuten, holten sich andere unmittelbar in der Gärtnerstadt Anregungen für den heimischen Garten oder Balkon. Die Gärtnerstadt rund um Heiliggrab- und Mittelstraße hat immerhin wesentlich dazu beigetragen, dass Bamberg Unesco-Welterbe wurde.

Das mag besonders dem frechen Michel gefallen, der "Blume des Jahres 2019", der als "Bienenschwarm" oder "Freund der Bienen" auf Liebhaberinnen wartete. Sicher hat sich die "Thunbergia" auch in den frechen Michel verguckt, der ihr gegenüber stand. Nein, nicht die zur Berühmtheit avancierte Klimaaktivistin Greta Thunberg, sondern die "Schwarze Susanne", wie die gelb blühende Thunbergia auch heißt. "Die gibt's schon ewig!", lachte Gärtner Alexander mindestens so erfrischend wie der "Freche Michel". Er sei "positiv überrascht, dass trotz des wechselhaften Wetters so viele Leute kommen", sagte Alexander und strahlte.

Also ein wenig "Plectranthus" sprich Weihrauch in und um die Gewächshäuser, in denen Australische Gänseblümchen, Hängebegonien oder Geranien mit ihrer Farbpracht wetteiferten. Nur der zweijährige Matti hatte so gar keine Augen für Zierpflanzen. Dem Buben gefiel es viel besser, in der Gärtnerei Neubauer Erde zu schaufeln. "Ich topfe mir einen Salat" - unter diesem Motto stand die dortige Kindergärtnerei, in der vorgezogene Setzlinge der Weiterverarbeitung harrten. Matti füllte Topf um Topf, "obwohl er gar keinen Salat isst!" bekannte seine Mama. Aber wer weiß: "Vielleicht ab jetzt?!"

Für die Großen packte Petra Zier, eine ehrenamtliche Mithelferin der Neubauers, knackiges Gemüse in Papiertüten: Radieschen, Sellerie, Bamberger Pastinaken, Zwiebeln natürlich und Rettich - "der Renner zur Zeit!" wie die gut gelaunte Verkäuferin wusste. Und wer eine Ahnung davon bekommen wollte, wie dieses ganze Grünzeug in der Natur heranwächst, machte sich auf den Weg zum Gärtner- und Häckermuseum. Schließlich ist dieses Museum, das heuer 40 Jahre alt wird, nicht nur der kulturhistorische Kristallisationskern der seit dem Mittelalter gewachsenen Gärtnerstadt. Es bewirtschaftet auch einen Hausgarten, in dem reifende Gemüsesorten der Zeit um 1910 gezeigt werden.

Bambergs grünes Erbe

Die Beete mit akkurat gesetztem Wirsing, Weißkohl, Knoblauch, Kohlrabi und mehr sind ein wahres Schatzkästchen, flankiert von Kräutern wie Bärlauch, Gartenthymian, Waldmeister oder Zitronenmelisse. Alles Appetitanreger, um zum angrenzenden Bamberger Sortengarten zu schlendern, in dem das grüne Erbe der lokalen Gärtner erhalten und als immaterielles Erbe weitergegeben wird.

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