Franken
Gartentipps

Heilpflanzen im Rasen: In Ihrem Rasen steckt viel mehr als Sie vermuten

Auf dem heimischen Rasen können bis zu 20 niedrige Kräuter wachsen. Um die kleinen Heilpflanzen zu entdecken muss man manchmal ganz genau hinsehen. Unser Gartenexperte Jupp Schröder erklärt die Vorteile einer gesunden Rasenfläche.
Artikel drucken Artikel einbetten
In vielen heimischen Gärten findet man die Braunelle im Rasen. Diese kann z.B Bluthochdruck senken. Bild: Hans/pixabay.com
In vielen heimischen Gärten findet man die Braunelle im Rasen. Diese kann z.B Bluthochdruck senken. Bild: Hans/pixabay.com

Bei der Trockenheit setzen sich im Rasen diejenigen Pflanzen durch, welche tiefgehende Wurzeln haben und auch wenig Wasser verdunsten. So entwickelt sich von selbst ein artenreicher Blumenteppich, der pflegeleicht ist und dazu noch schön aussieht. Die Natur hilft sich ganz von selbst, wenn nicht mehr laufend gewässert und gedüngt wird.

Die Apotheke des kleinen Mannes

Ein Fachmann kann schnell in einem solchen Rasen über 20 niedrige Kräuter entdecken, die zum großen Teil sogar heilkräftig sind. Ein englischer Zierrasen, der der nur aus einer Pflanzenart besteht ist ökologisch gesehen eine tote Fläche. Die meisten Menschen ahnen nicht, welch wertvolle Pflanzen sich in ihrem Rasen verbergen.

So ist die Braunelle so klein, dass man schon genau hinschauen muss, um sie zu entdecken. Dank ihrer ätherischen Öle und Gerbstoffe kann sie sowohl gegen Atemwegserkrankungen und Probleme der Verdauungsorgane helfen. Besonders soll die Braunelle den Bluthochdruck senken.

So kann der Rasen mit seinen vielen Heilpflanzen wie auch Gundermann und Gänseblümchen eine erweiterte Apotheke des kleinen Mannes sein.

Ein Umdenken in die ökologische Richtung ist wichtig

Auch Natur und Umwelt profitieren durch bunte Rasenflächen im besonderen Maße. So wird wahrscheinlich ein englischer Zierrasen im Zeichen des Klimawandels bald nicht mehr zeitgemäß sein. Außerdem bleiben dem Hobbygärtner durch ein Umdenken in die ökologische Richtung einen Teil der Wassergebühren, Geld für Düngemittel und viel Arbeit erspart. Übrigens, eine Neuaussaat zur Umwandlung der Rasenfläche in einen bunten Blumenteppich ist bei dieser Vorgehensweise nicht unbedingt notwendig, so wie es oft empfohlen wird.

Blumenband täuscht: Immer weniger Wildblumen

Der magere Boden an Wegrändern ist ideal auch für Hungerkünstler wie Kleearten, Wegwarte und wilde Möhre. Er ist oft der letzte Lebensraum für Wildblumen in intensiv genutzten Fluren. Dieses Blumenband täuscht den Autofahrer oft darüber, wie wenig bunt die Felder und Wiesen aber wirklich geworden sind. Bei der himmelblauen Wegwarte handelt es sich um eine sehr alte Heilpflanze. Die Wegwarte wird auch wilde Zichorie genannt. Wegen ihrer sehr tiefen Wurzeln kann sie auf extremsten Standorten gedeihen. Die Blüten der Gemeinen Wegwarte öffnen sich etwa um 6.00 Uhr und schließen sich schon gegen 13 Uhr wieder. Aus den Wurzeln wird seit dem 17. Jahrhundert Zichorie hergestellt. Dieser Stoff diente als Kaffeeersatz. Eine alte Sage beschreibt die Wegwarte als die blauen Augen eines verwandelten Burgfräuleins, das am Wege vergeblich auf die Rückkehr ihres Geliebten vom Kreuzzug in das Heilige Land wartet.

Sommerbeeren sind der beste Vitaminlieferant

Es ist für Kinder ein besonderes Erlebnis, in den Sommermonaten leckere und äußerst gesunde Früchte von Johannis- und Stachelbeeren so wie Himbeeren im Garten naschen zu können. Direkt vom Strauch schmecken die Früchte am besten. Gut ist es, wenn man frühe und späte Sorten von den verschiedenen Beerenarten pflanzt, um von Juni bis Ende August ernten zu können. Dadurch entsteht ein Naschgarten, der selbst auf kleinen Flächen möglich ist. Der hohe Grad an Vitaminen bei den Beeren ist allgemein bekannt. Darüber hinaus haben diese noch viele sekundäre Pflanzenstoffe, die nach dem heutigen Wissensstand vor gefährlichen Krankheiten wie Krebs, Schlaganfall und Alzheimer helfen können, uns zu schützen.

Lavendelsträußchen erst am späten Vormittag binden

Würzkräuter haben am späten Vormittag den höchsten Anteil an Aromastoffen. An regnerischen Tagen ist eine Ernte jedoch nicht ratsam, da dann die Inhaltsstoffe deutlich geringer sind. Den Lavendel sollte man für floristische Zwecke schneiden. Wenn auch die unteren Blüten am Stängel geöffnet sind. Am besten ist dazu die Mittagszeit geeignet, um sicher zu sein, dass die Blumen trocken sind. Ein Schnitt ins alte Holz ist dabei zu vermeiden. Man kann jetzt mit Lavendel herrliche Duftsträußchen machen, oder die Blüten in ein Leinensäckchen einnähen, um die Duftstoffe zu erhalten. Wenn man Basilikum zum Teil mehr vom Kopf her erntet, verzweigt er sich besser von unten.

Ein fränkischer Bekannter: Die Hauswurze

Hauswurze haben vor allem in Franken eine lange Tradition. Sie werden besonders gern am Hauseingang auf Mauersockel gepflanzt. Mit diesen äußerst genügsamen Pflanzen kann man sogar Betonflächen mit einfachen Mitteln begrünen. Die fleischigen Blätter eignen gut zur Heilung bei Insektenstichen, da sie eine hochgradige Konzentration an Mineralien haben und somit durch die osmotische Wirkung Gift aus dem Körper ziehen können. Heuer blühen die Hauswurze besonders eindrucksvoll.

Über unseren Gartenexperten: In drei Jahrzehnten als Kreisfachberater für Gartenbau in Lichtenfels hat Jupp Schröder mit fast jedem Gartenproblem schon einmal zu tun gehabt. Sein Lebensmotto lautet auch heute noch: "Wenn man die nötige Geduld aufbringt, stellt sich der Erfolg von selber ein".

Verwandte Artikel

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.