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Gartensprechstunde

Garten schon "herbstfest"? Jupp Schröder erklärt was zu beachten ist

Viele Gartenbesitzer fangen direkt zu Herbstbeginn damit an, ihren Garten auf die kühlere Jahreszeit vorzubereiten. Doch manchmal ist es besser, den Garten naturbelassen in den Herbst zu schicken. Gartenexperte Jupp Schröder erklärt was der Garten jetzt braucht.
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Herbstlicher naturbelassener Garten von  Gartenexperte Jupp Schröder. Foto: Jupp Schröder
Herbstlicher naturbelassener Garten von Gartenexperte Jupp Schröder. Foto: Jupp Schröder
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Ein sehr bekanntes Sprichwort besagt: "An Maria Geburt(8. September), fliegen die Schwalben furt". In höheren Lagen sind sie schon verschwunden. Sie fliegen aber in unserer Region noch fleißig herum, um sich vor der großen Südlandreise zu stärken. Der Fortzug der Schwalben ist im Jahresverlauf ein einschneidendes Erlebnis. Plötzlich sind die rasanten Flieger verschwunden. Dann wird es schon leicht winterlich ruhig in den Dörfern und Städten. Auf den Almen wird an Maria Geburt das Vieh festlich geschmückt und wieder in das Tal getrieben. Ist das Wetter am 8. September schön, soll es noch 14 Tage so bleiben.

Obst ist dieses Jahr früher reif

Das Obst reift heuer enorm früh. Für viele Sorten ist die Ernte schon notwendig. Wenn sich der Stiel beim Anheben der Frucht leicht löst, ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Birnen aber sollte man vor der eigentlichen Vollreife ernten, da sie sonst nicht lange lagerfähig sind. Im oberen Bereich des Baumes und an der Südseite werden die Früchte schneller reif. Diese sind dann zuerst zu pflücken.

Trockenes Obst hält sich länger

Bei trockenem Wetter geerntetes Obst hält länger im Lager, da es dann nicht so druckempfindlich ist und daher nicht so leicht verletzt wird. Bei der Obsternte sollte man gleich die Fruchtmumien entfernen. Später wird das oft vergessen. In diesen Früchten überwintern gerne die Krankheiten.

Heuer sind besonders viele Äpfel von Wespen angestochen und faulen dann im Lager sehr schnell. Diese gilt es gleich auszusortieren und zu verarbeiten. Faulende Äpfel arbeiten wie eine Hormonfabrik. Sie scheiden das gasförmige Hormon Ethylen aus, das eine Reifung von Früchten rasant beschleunigt. Auch Schnittblumen welken in der Nähe von faulendem Obst sehr schnell. Deshalb sollten die kranken Früchte ständig aussortiert werden.

Radieschen freuen sich über Aussaat

Immer ist es noch möglich Radieschen auszusäen. Es gibt keine Reife bei den Rüben. Je jünger sie sind, umso besser schmecken sie. Auch die Blätter sind essbar. Man kann sie zum Beispiel dem Salat untermischen. Auch Kohlrabiblätter und die der Roten Bete sind zum Essen geeignet. Diese werden am besten angedünstet. Bei diesen Arten kann man die Blätter auch roh für grüne Smoothies nutzen.

Stauden als Winterschutz

Es ist eine Unsitte, jetzt gleich Stauden wie Pfingstrosen oder Phlox ganz herunter zu schneiden, um den Garten "herbstfest" zu machen. Das geschieht nach dem Motto: Hauptsache sauber. Die Kraft aus den oberirdischen Teilen sollte aber Zeit haben, in das Wurzelwerk einwandern zu können. Es ist doch schön, dass Werden und Vergehen im Garten erleben zu können. Erst im Frühjahr werden die alten Triebe zwischen den Neuen vorsichtig herausgeschnitten. Auch bei anderen Stauden ist besser, sie nicht zu früh abzuschneiden. Damit wird ihnen ebenfalls der Winterschutz geraubt. Die Vögel holen sich die Samen und die Insekten überwintern gern in den hohlen Stängeln, wenn man sie über den Winter belässt.

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Der Garten als Refugium

Viele Hobbygärtner warten vergeblich auf die Selbstaussaat von Ringelblume, Akelei, Nachtkerze, Vergissmeinnicht, Königskerze und Fingerhut. Es liegt hauptsächlich daran, dass die Mutterpflanzen zu früh entfernt werden. Sie sollten bis zum Herbst so lange stehen bleiben, bis die reifen Samen von selbst zum Boden fallen. In einem aufgeräumten Garten können sich Akeleien und Co kaum ansiedeln. Beim Jäten werden solch Pflanzen zudem oft unabsichtlich entfernt. Man sollte im Garten auch mal Refugien aussparen, die extensiver gepflegt werden. Dabei können sich manchmal angenehme Überraschungen ergeben.

Blumen um den Gemüsegarten

Blumen rund um den Gemüsegarten sind fast ganzjährig wichtig. Da der Herbst immer länger dauert, sind die Blüten als Pollen und Nektarspender bis zum Frosteinbruch wichtig. Sehr effektiv sind ungefüllte Korbblüten wie Kosmeen, Ringelblumen und Zinnien. Später können Samenstände auch der Vogelwelt dienen, die immer weniger Nahrung in den Gärten und der Landschaft finden.

Hokkaido, Tomate, Paprika

Beim Kürbis Hokkaido ist es vollkommen normal, das nur 2-3 Früchte an einer Pflanze sind. Zwei Blätter über der letzten Frucht können die Triebe gekappt werden. Bei Tomaten und Paprika kann man die neuen Blüten ruhig entfernen, da die Früchte, die sich bilden, doch nicht mehr ausreifen können.

Die Vorteile von Wildobstgehölzen

Aus frei wachsenden Hecken kann man wie bei einem Tante-Emma-Laden viele Wildfrüchte zur Verwertung entnehmen. Wildobstgehölze haben oft einen sehr hohen Zierwert. Sie sind außerdem gute Bienenweiden und bieten Nahrung für viele Vogelarten. Somit stehen sie im Gegensatz zu vielen reinen Ziergehölzen, die meist für die Natur völlig zwecklos sind.

Über unseren Gartenexperten: In drei Jahrzehnten als Kreisfachberater für Gartenbau in Lichtenfels hat Jupp Schröder mit fast jedem Gartenproblem schon einmal zu tun gehabt. Sein Lebensmotto lautet auch heute noch: "Wenn man die nötige Geduld aufbringt, stellt sich der Erfolg von selber ein".

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