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Bamberg
Balkon und Terrasse

Naturbalkon: Artenvielfalt durch Wildpflanzen und Nutzpflanzen erhöhen

Einen Balkon mit Sommerblumen zu bepflanzen, gelingt ganz unkompliziert den ganzen Sommer lang, denn das Angebot in den Gärtnereien ist riesig. Schwieriger wird es erst, wenn man mehrjährige, heimische Wildblumen pflanzen. Da das Angebot an solchen Pflanzen nur in ausgewählten Spezialgärtnereien verfügbar ist, zieht man sie besten selber aus Saatgut oder kauft Pflanzen in ausgewählten Wildpflanzengärtnereien.
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Wildblumenwiese
Wildblumen können nicht nur im Garten gesät werden. Auch in Pflanzgefäßen oder Balkonkästen sorgen Wildblumen sowohl für die Artenvielfalt von Insekten, als auch eine lange Blühzeit. Bild: pixel2013/ pixabay.com
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Einjährige Sommerblumen für den Balkon haben oft fremdländischen Hintergrund und kommen aus fernen Ländern wie Mexiko oder Nordamerika. Damit sie die Balkonsaison unbeschadet überstehen, benötigen sie viel Pflege, Gieß- und Düngeaufwand, um auch am Ende des Sommers noch viele Blüten zu zeigen. An den immer noch häufig gekauften Geranien und Petunien finden  sich leider selten Insekten ein. Mit etwas Glück besucht vielleicht das Taubenschwänzchen diese exotischen Blüten.

Ganz anders sieht das mit den heimischen Wildblumen aus. Natürlich sind sie längst nicht so üppig im Wachstum und manchmal muss man ganz genau hinschauen, um die winzigen Blüten zu entdecken. Dafür wird sich nach kurzer Zeit Leben auf dem Wildblumenbalkon einfinden. Tiere lassen sich pflanzen. Jede Insektenart benötigt bestimmte Blüten zur Bestäubung und manche Blütenstände werden bei der Samenreife bevorzugt von Vögeln aufgepickt. Schmetterlinge bevorzugen wiederum röhrenförmige Blütenkelche mit Nektar, die speziell für den langen Rüssel geeignet sind. Es lohnt sich, den Balkon zum Naturstandort werden zu lassen, die Artenvielfalt wieder zu erhöhen und der Natur ein bisschen von dem zurückzugeben, was wir in der Stadt längst durch die Versiegelung der Flächen verloren haben.

Mehr Artenvielfalt schaffen

Der Balkon bietet die Chance, durch die Pflanzung heimischer Wildstauden, anstelle einer monotonen Bepflanzung mit nur wenigen exotischen Sommerblühern, die heimische Fauna und Flora zu bereichern. Es gibt inzwischen viele Beispiele für solche naturnah gestalteten Wildblumenbalkons  in der  Stadt. Auch die Literatur über die Gestaltung naturnaher Balkone wird zunehmend mehr. Neben der Bepflanzung können Tiere durch sinnvoll gestaltete Insektenhotels, ganzjährige Vogelfütterung oder die Auswahl geeigneter Pflanzen unterstützt werden. Gibt es Eichhörnchen in der nähe, freuen sie sich über ein Angebot an Hasel- oder Walnüssen. Amseln nisten manchmal sehr gerne in freien Flächen von Blumenkästen. Auch das ist eine Chance für mehr Natur auf dem Balkon.

 

Vielfalt durch Gemüsepflanzen

Es müssen nicht immer nur Blumen sein, die den Balkon verschönern. Auch Tomaten, Erbsen, Bohnen oder Gurken tragen mit vielen Blüten zur Artenvielfalt bei. Kinder freuen sich über einen Naschbalkon mit verschiedenem Obst, wie Erdbeeren, Heidelbeeren oder Johannisbeeren. Kräuter sind besonders beliebt bei der Insektenwelt. Oregano und Lavendel wirkt besonders magisch anziehend auf Schmetterlinge. Alle blühenden Kräuter bieten ein reich gedecktes Buffet für Wildbienen und Co.. Vergessenes Gemüse, wie Möhren, Petersilie oder Schnittlauch muss man nicht entsorgen, denn die Blüten locken, manchmal auch erst im zweiten Jahr,  viele Insekten an. Besonders beliebt sind Kräuter aus der Familie der Doldenblütler wie Dill, Fenchel und Kümmel.

Lange Freude an Wildblumen

Unter den Wildstauden gibt es solche, die sich nach dem einjährigen Zyklus wieder neu aussäen müssen, um zu überleben und viele, die zweijährig sind. Die mehrjährigen Arten sind am unkompliziertesten und können auch viele Jahre mit wenig Pflegeaufwand in dem gleichen Topf überdauern, da sie winterhart sind. Legt man sich das erste mal eine Wildblumenbalkon an, ist es sinnvoll, einen Mix aus den verschiedenen Arten zu pflanzen und zu säen. Von den einjährigen Wildblumen kauft man am besten die Samen im ersten Jahr. Ein großes Angebot findet man auf Saatguttauschbörsen im Frühjahr oder über Facebook-Naturgartengruppen und zunehmend auch auf Instagram und in kleineren privaten Shops auf Etsy. Einmal ausgesät, kann man immer im Herbst neues Saatgut aus den eigenen Pflanzen gewinnen.  Ausdauernde Wildstauden besorgt man am besten in gut sortierten Wildpflanzengärtnereien oder in ausgewählten lokalen Staudengärtnereien.

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Hier muss man sich vorher erkundigen, ob sie heimische Wildstauden führen, die nicht züchterisch verändert worden sind. Seltene Wildblumen sollten niemals aus der Natur entfernt werden, da einige sogar unter Naturschutz stehen oder sich auf der Roten Liste für gefährdete Pflanzen befinden.
Schwieriger wird es mit den zweijährigen Wildblumen. Hier empfiehlt es sich, entweder die Pflanzen als einjährige Rossetten-Pflanze zu kaufen oder bei ausreichend Platz die Pflanzen selber aus Samen zu ziehen. Sie blühen dann erst im nächsten Jahr.

Gefäße für den Wildpflanzenbalkon

Bei der Auswahl der Pflanzgefäße lohnt es sich, auch mal kreativ zu sein und ungewöhnliche Pflanzgefäße ausfindig zu machen. Das spart Geld und sieht meist originell aus. So eignen sich Jutesäcke, die um einen hässlichen Kunststoff-Blumentopf gehüllt werden, mit Bambus verkleidete Maurerkübel, aufgeschnittene Tetrapacks, ausrangierte Kochtöpfe und alte Zinkbehäter. Ein Besuch auf dem Flohmarkt lohnt sich dafür immer. Ganz einfach und preiswert kann man Gemüse direkt in gekaufter Erdsäcke pflanzen, in die man kleine Löcher schneidet. Bei Gemüse und Beerensträuchern empfiehlt es sich immer, größere Gefäße auszuwählen, die dann auch mehr Wasser speichern können und den Wurzeln mehr Raum bieten. Wildstauden sind genügsamer und kommen besonders, einzeln in Tontöpfe gepflanzt, zur Geltung.
Es lohnt sich, den Balkon auch vertikal zu bepflanzen und jeden Quadratmeter auszunutzen. In Hängekörben muss man nicht immer nur Blumen pflanzen. Auch Kapuzinerkresse oder Hängeerdbeeren geben in luftiger Höhe ein gutes Bild ab. Bei der Verwendung von Kunststoffgefäßen ist zu beachten, dass das Gefäß auf der Unterseite mit PP (Polypropylen) gekennzeichnet ist. Dieses Material ist unbedenklich, da weichmacherfrei, robust und witterungsbeständig. In den beliebten preiswerten Mörtelkübeln sollte man besser kein Obst oder Gemüse pflanzen, das man essen möchte, da hier viele gesundheitsbedenkliche Weichmacher enthalten sind.

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Auswahl der richtigen Erde

Bei der Auswahl der richtigen Erde muss man zwischen Gefäßen für Wildblumen und Gefäßen für Gemüse, Kräuter und Beeren unterscheiden. Gemeinsam ist allen, dass das Substrat unbedingt torffrei sein sollte. Die preiswerten konventionellen Blumenerden sind ungeeignet und erhalten große Mengen an Torf und sollten aufgrund der Zerstörung von Naturlebensräumen, nicht gekauft werden. Für den Anbau von Gemüse gibt es inzwischen ein größeres Angebot an biologischer torffreier Erde, die vollständig auf Basis nachwachsender Rohstoffe zusammengemischt wird. Die Feuchtigkeit wird in diesen Substraten durch Anreicherung eines hohen Anteils an Ton und Perlite gespeichert. Zur Herstellung der Erden werden überwiegend Grünkompost, Kokosfaser, Rinden-Dauerhumus und Holzfasern verwendet. Organischer Dünger ist für einen guten Start bereits enthalten. Zur Pflanzung von Wildstauden muss man die Bedingungen der einzelnen Pflanzen berücksichtigen. Hier bietet es sich an, die Substrate selber zu mischen. Handelt es sich um eine sukkulente Pflanze, kann die Erde beispielsweise mit Sand und Kies abgemagert werden. Wichtig ist, dass der Wasserabzug im Topf gewährleistet ist und es nicht zur Staunässe kommt. Eine gute Mischung, die von Wildpflanzengärtnern empfohlen wird, besteht aus je 1/3 unkrautfreier Kompost oder torffreie Pflanzerde, Sand und Blähton oder Lava.

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Sigrun Hannemann vom Bergblumengarten mit dem Fokus auf naturnahes Gärtnern. Frau Hannemann ist Gartenbloggerin und schreibt auf ihrem Blog und im Hortus-Netzwerk.de  über ökologisches und insektenfreundliches Gärtnern. Für den Naturgartenverein e.V. testet sie Gärten zum Verleih der deutschen Plakette ‚Natur im Garten‘.

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