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Gartentipps

Entspanntes Gärtnern: Der Wildpflanzen-Balkon

Nicht jeder kann einen großen Garten sein Eigen nennen. Für Artenschutz und Vielfalt kann man dennoch auch auf dem kleinsten Balkon etwas beitragen. Im Mai werden traditionell die Gartencenter gestürmt, um neue Pflanzen für die Balkonkästen zu erwerben, denn jetzt ist das Angebot am größten.
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Wildpflanzen können nicht nur uns, sondern auch Bienen und andere Insekten erfreuen. Foto: Sigrun Hannemann
Wildpflanzen können nicht nur uns, sondern auch Bienen und andere Insekten erfreuen. Foto: Sigrun Hannemann

Vor lauter Regalen mit Petunien, Zauberglöckchen und Geranien, die uns zum Kaufen animieren sollen, geht völlig unter, dass diese Blumen wenig sinnvoll für die Natur sind. Außer einem gelegentlichen Besuch des Taubenschwänzchens, welches zu uns über die Alpen wandert, wird sich kaum ein Insekt für diese bunten Blumen in den leuchtenden Farben interessieren. Außerdem sind diese Blumen sehr pflegeintensiv und wollen tägliche Wassergaben, Abzupfen der alten Blütenstände und regelmäßige Düngergaben, damit sie dem Traum vom üppigen Alpen Balkon mit Hängegeranien bis zum untersten Stockwerk auch nur annähernd gerecht werden.

Entspanntes Gärtnern mit Wildpflanzen

In ausgewählten Gärtnereien lohnt sich genaues Hinschauen, denn dort wird man pflegeleichte Wildstauden für den Balkon finden. Dabei wären züchterisch unveränderten Stauden am besten, die man gut am lateinischen Namen ohne Sortenzusatz erkennt. Zum Beispiel heißt die Tauben-Skabiose als Wildstaude Scabiosa columbaria. Die züchterische Variante ist am Zusatz "Butterfly Blue" hinter dem lateinischen Namen zu erkennen. Das heißt nicht, dass man diese Pflanze stehen lassen muss, aber noch besser wäre, die Wildform zu pflanzen. Denn unsere heimischen Insekten sind auf diese Pflanzen angewiesen und besuchen dann auch automatisch unseren Balkon.

Wildstauden - Artenvielfalt auf dem Balkon

Empfehlenswerte Sorten für einen Balkon sind anspruchslose Wildstauden, die eine längere Blühzeit haben. Man kann hier aber zusätzlich einjährige Samen dazwischen säen, um blütenlose Zeiten zu überbrücken. Den Anspruch von einem immer blühenden Balkon sollte man aber besser nicht haben.

Gut geeignete Wildstauden für einen eher sonnigen Balkon sind Skabiosen, Lavendel, Knäuel-Glockenblume oder Sonnenröschen. Gut geeignete einjährige Blumensamen sind Kornblumen, Wiesenmargeriten, Konrade, einjähriger Natternkopf, Phazelia, Wiesen-Salbei, Glockenblumen, Mohn oder Moschusmalven. Hier lohnt sich ein Blick auf den Inhalt der Samentüte. Besser ist es, die Blumen einzeln, als in einer eher für den Garten geeigneten Mischung zu kaufen.

Die richtige Erde für Wildstauden

Zum Bepflanzen eines Balkonkastens mit Wildstauden benötigt man keine spezielle Erde. Wichtig ist, darauf zu achten, dass man keine torfhaltige Erde kauft, da unsere Moore, aus denen der Torf abgebaut wird, wichtiger Bestandteil unserer Natur und für den Artenschutz sind. Es ist ausreichend Gartenerde mit etwas Kompost und Sand zu gleichen Teilen zu vermischen. Achtung! Auch Bio-Pflanzende enthält oft Torf. Unbedingt die Tüten umdrehen und auf die Zusammensetzung achten.

Wildstauden mit Einjährigen kombinieren

Zwischen den Pflanzen lässt man eine ausreichend große Lücke und sät dort die einjährigen Blumensamen aus. Dann solange feucht halten, bis die Samen keimen. Später im Jahr kann man sich als Wildpflanzen-Gärtner zurücklehnen, den Insekten zuschauen, und die Zeit nutzen Wildbienen und Schmetterlinge zu bestimmen, die unseren Balkon besuchen. Düngen ist nur erforderlich, wenn die Pflanzen nicht richtig wachsen wollen und Gießen nur, wenn die Pflanzen schlapp aussehen. Ein weiterer Vorteil der Wildpflanzen ist, dass man sie mehrere Jahre im gleichen Kübel lassen kann, denn sie sind winterhart.

Viel Spaß beim entspannten Gärtnern!

Sigrun Hannemann vom Bergblumengarten mit dem Fokus auf naturnahes Gärtnern. Frau Hannemann ist Gartenbloggerin und schreibt auf ihrem Blog und im Hortus-Netzwerk.de über ökologisches und insektenfreundliches Gärtnern. Für den Naturgartenverein e.V. testet sie Gärten zum Verleih der deutschen Plakette "Natur im Garten".

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