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Energie sparen

WLAN-Router nachts ausschalten: Kann man damit Strom und Geld sparen?

Mit dem Ausschalten des WLAN-Routers soll man Strom und Geld sparen. Doch lohnt sich das wirklich? Welche Nachteile können entstehen?
Wlan-Router nachts ausstecken?
Kann man wirklich Strom und Geld sparen, wenn man den Wlan-Router nachts aussteckt? Foto: https://www.pexels.com/de-de/foto/white-switch-hub-eingeschaltet-159304/
  • Wie viel Strom braucht der Router?
  • Kann man durch das Ausschalten wirklich sparen?
  • Welche Probleme können dadurch entstehen?
  • Welche Alternative zum Ausschalten gibt es?

Strom wird immer teurer. Und jede Kilowattstunde, die man nicht verbraucht, spart Geld und schützt die Umwelt. Überall liest man Tipps, wie man sparen kann, darunter auch den, dass man in der Nacht seinen Router komplett abschalten soll. Doch wie viel Sparpotenzial hat das wirklich? Und kann das auch Nachteile haben?

Router und Stromverbrauch

Jedes Gerät, welches am Netz angeschlossen ist, verbraucht Strom. Auch, wenn es nur im Stand-by läuft. So auch der Router, der im Grunde genommen Tag und Nacht läuft, auch wenn ihn aktiv niemand nutzt. So liegt der Stromverbrauch im "Leerlauf" je nach Modell zwischen fünf und dreizehn Watt – je Stunde. Und das summiert sich über das gesamte Jahr schon auf eine stattliche Summe. Der Einfachheit halber rechnen wir mit zehn Watt je Stunde.

So beziffert sich der Verbrauch pro Tag auf 240 Watt, hochgerechnet aufs Jahr ergibt dies 87,6 Kilowatt. Bei einem Strompreis von 35 Cent je Kilowatt ergibt das einen Betrag von über 30 Euro. Hochgerechnet auf den Gesamtverbrauch im Haushalt erscheint das nicht wirklich viel. Dennoch wird immer wieder geschrieben, man könne mit dem Ausschalten seine Stromrechnung senken. Doch wie hoch ist das Potenzial wirklich?

Der Router dient mittlerweile nicht alleine für die Verbindung zum Internet, um Recherchen zu betreiben oder die sozialen Netzwerke zu durchforsten. Oft wird auch das Telefon darüber betrieben und auch die Streaming-Dienste oder das normale Fernsehprogramm laufen darüber. Da die Nutzungsgewohnheiten individuell sind, ist es schwierig, eine Stundenzahl festzulegen. Am Wochenende wird möglicherweise länger gestreamt, in der Woche weniger. Um eine Zahl zu errechnen, nehmen wir eine Ausschaltzeit von 7 Stunden je Tag an, etwa von 23 Uhr bis 6 Uhr. Das ergibt 70 Watt je Tag und im Jahr 25,5 Kilowatt. Bei dem angenommenen Strompreis von 35 Cent wäre dies eine Ersparnis von knapp 9 Euro (aufgerundet). Das wären immerhin 30 Prozent. Für den einzelnen Geldbeutel mag das nicht viel erscheinen, doch in der Masse der Router wäre dies doch ein hohes Einsparpotenzial

Abschalten: Vor- und Nachteile

Da mittlerweile sehr viele Funktionen über den Router bedient werden, hat die Abschaltung naturgemäß auch Folgen. Zum Beispiel wäre in vielen Fällen ein Telefonat nicht mehr möglich. Ob das unbedingt nachteilig ist, sei dahingestellt. Aber es gibt Menschen, die auf ein funktionierendes Telefon angewiesen sind. Sei es, weil man einen Notruf absetzen muss oder aber eine Notfallfunktion über den Router läuft. Auch eine Verbindung mittels Fernseher ist in vielen Fällen nicht mehr möglich, die Streaming-Dienste laufen ausnahmslos darüber, aber auch das normale Fernsehprogramm mittels Apps wäre nicht mehr zu empfangen. Mal eben seine Lieblingssendung in der Nacht aufnehmen, geht nicht mehr. 

Auch laufen die Updates der Router zumeist in den Nachtstunden, wenn sie wenig bis gar nicht genutzt werden. Das heißt, wichtige Neuerungen wie Sicherheitspatches oder auch neue Funktionen, die vielleicht sogar den Stromverbrauch senken, werden nicht mehr eingespielt. Das kann im Extremfall am Ende sogar zu einem Totalausfall führen, wenn der Router sich einwählt und die Authentifizierung wegen veralteter Software abgelehnt wird. Zusammengefasst ergibt das nächtliche Ausschalten folgende Nachteile:

  • Keine telefonische Erreichbarkeit: Weil der Standard heute IP-Anschlüsse sind, läuft die Telefonie über den Router. Ist dieser aus, bist du auf dem Festnetz nicht erreichbar und kannst im Notfall auch das Festnetz nicht nutzen. Übrigens: Sollte dein Handy auch über den Router laufen, da du eine sehr schlechte Netzabdeckung hast, funktioniert dies auch nicht mehr ordentlich.
  • Update-Probleme: Viele Geräte verlagern heute ihre Updates in die Nachtstunden; Windows macht das häufig auch bei Smartphones. Das ist schwierig, ohne Internetverbindung.
  • Smart-Home funktioniert nicht: Wenn du viele Smart-Home-Geräte im Einsatz hast, solltest du dir das Ausschalten des Routers gut überlegen, sonst funktioniert weder der Alexa-Wecker noch heizt die Kaffeemaschine vor.
  • Probleme mit dem Provider: Wenn der Router ausgeschaltet ist, registrieren das die Gegenstellen des Providers. Das kann zu Problemen führen, denn die Diagnosesysteme der Provider könnten fälschlicherweise davon ausgehen, dass der Anschluss gestört ist. Dann kann es vorkommen, dass die Bandbreite runtergeregelt wird.
  • Gerätehaltbarkeit: Ein Router ist für den Dauerbetrieb ausgelegt. Das bedeutet zwar nicht, dass du ihn nicht aus- und einschalten darfst, aber hier könntest du Verschleiß-Probleme bekommen, wenn du das über Jahre jeden Tag machst.

Ein Vorteil ist natürlich die verminderte Strahlungsabgabe in den Raum. Ob und wie weit diese schädlich ist, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt, da die Router sich an die empfohlenen Werte halten. Auch kann einem Missbrauch in der Nacht, wenn niemand die Aktivitäten kontrolliert, durch das Abschalten vorgebeugt werden. Viele Hersteller verweisen übrigens darauf, dass man seinen Router gelegentlich kurz vom Netz trennen soll. 

Was kann man sonst tun?

Generell haben die meisten Router diverse Einstellmöglichkeiten, um den Stromverbrauch zu reduzieren. Hier lohnt sich ein Blick in die Bedienungsanleitung oder in das Menü des Routers. In den meisten Fällen kann man den Stromverbrauch mit wenigen Tricks senken.

  • WLAN zeitweise deaktivieren: Gerade die WLAN-Funktion verbraucht am meisten Strom. Hier kannst du prüfen, ob du überhaupt WLAN benötigst oder du es vielleicht doch in der Nacht abstellen kannst. Oft haben die neuen Router dazu eine Zeitschaltuhr, mittels der du es temporär abschalten kannst.
  • Nicht benötigte Geräte ausschalten: Welche Geräte sind mit dem Router verbunden? Drucker, Tablet, Radio etc. werden ständig mit kleinen Datenpakten versorgt, was Strom verbraucht. Abschalten kann da den Verbrauch reduzieren.
  • Angeschlossene Geräte trennen: Hast du Festplatten oder ähnliches angeschlossen? Benötigst du sie wirklich?
  • DECT: Wenn du über kein DECT-Telefon verfügst, kannst du diese Funktion abschalten. 
  • Komplett abschalten: Auch wenn es nun paradox klingt, aber es gibt Situationen, in denen es durchaus sinnvoll ist. Beispielsweise, wenn du in den Urlaub fährst. Hier ist es durchaus praktikabel, den Router abzuschalten. Nicht alleine, um Strom zu sparen, sondern auch, um möglichem Missbrauch während deiner Abwesenheit vorzubeugen.

Die Sendeleistung des WLAN zu reduzieren, wie man es oft liest, kann sich sogar ins Gegenteil verkehren. Weiter entfernte Geräte erhalten ein schlechteres Signal, damit muss der Router länger senden und der Stromverbrauch kann damit sogar steigen. Neben diesen Hinweisen kann man in vielen Routern auch Einstellungen vornehmen, welche den Stromverbrauch senken. Dazu benötigst du nicht viel technisches Verständnis, in den Menüs der Router sind die Möglichkeiten meist sehr gut dokumentiert und nachvollziehbar. 

Fazit

Der Tipp, den Router nachts komplett auszuschalten, ist nicht unbedingt der beste Ratschlag. Die Nachteile können unter Umständen das Einsparpotenzial übersteigen. Hier ist dann nur die Masse der Router zu betrachten, die landesweit den Stromverbrauch senken. Für einzelne Haushalte macht sich das in der Rechnung aber kaum bemerkbar.