Deutschland
Witwenrente

Mysterium Witwenrente: Deshalb müssen Tote Krankenversicherung zahlen

Stirbt der Ehepartner, muss der Hinterbliebene den Krankenversicherungsbeitrag des Toten weiterhin zahlen. Diese scheinbar absurde Tatsache müssen Witwen in Deutschland akzeptieren. Doch was steckt hinter der gesetzlichen Regelung?
Rente, Geld
Die Witwer- bzw. Witwenrente soll zum finanziellen Schutz der Hinterbliebenen dienen. Symbolbild Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • Hinterbliebenenrente für zurückgelassenen Ehepartner unter bestimmten Voraussetzungen
  • Witwenrente zählt als extra Einkommen
  • Hinterbliebene müssen doppelten Versicherungsbeitrag zahlen

Einen geliebten Mitmenschen zu verlieren, ist eines der schlimmsten Dinge, die passieren kann. Dabei leiden die Partner des Toten oftmals am meisten unter dem Verlust. Jedoch kann der Tod auch zu finanziellen Schwierigkeiten bei den Hinterbliebenen führen. Um dies zu verhindern, gibt es im deutschen Sozialsystem die Witwenrente.

Mysterium Witwenrente: Deshalb müssen Hinterbliebene doppelten Versicherungsbeitrag zahlen

Die Witwenrente soll als Ersatz für den Unterhalt fungieren, den der Verstorbene bis zu seinem Tod erbracht hat. Anspruch auf diese Rente haben Hinterbliebene, die bis zum Tod des Ehepartners/Lebenspartners eine mindestens einjährige Ehe führten. Eine Ausnahme zu dieser Regelung besteht bei Unfalltoten. In diesem Fall besteht auch bei kürzere Ehedauer ein Rentenanspruch. Dies erklärt die Deutsche Rentenversicherung auf ihrer Website.

Für den Anspruch der Hinterbliebenenrente besteht zudem die Voraussetzung, dass der verstorbene Ehepartner eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erfüllt.  Der Anspruch auf Witwenrente entfällt bei Personen, wenn sie neu heiraten. Sollte dann ihr Ex-Ehepartner sterben, haben sie keinen Anspruch auf die Witwenrente.

Wenn ein Hinterbliebener die Voraussetzungen erfüllt, kann es nach Beantragung und Erhalt der Witwenrente dazu kommen, dass Krankenkassenbeiträge von dieser Rente abgezogen werden - so, als würde der verstorbene Ehepartner noch leben.

Hinterbliebenenrente zählt als Einkommen

"Natürlich muss ein Verstorbener nicht in die Kranken- und Pflegeversicherung einzahlen, der Hinterbliebene allerdings schon", sagt Christian Koopermann, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Denn der Anteil, den Rentner zu ihrer eigenen Pflege- und Krankenversicherung zahlen müssen, bemisst sich an ihrem Einkommen. Wenn also neben der normalen Rente weitere Einkommen, wie ein Nebenjob oder Mieteinnahmen hinzukommen, erhöht sich auch der Anteil zu Kranken- und Pflegeversicherung. Zu den weiteren Einkommen zählt auch rechtlich gesehen die Witwenrente.

"Wenn eine Person mehrere Renten erhält, beispielsweise eine eigene Altersrente und eine Hinterbliebenenrente, muss aus jeder Rente jeweils ein Beitrag an die Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt werden", zitiert die NW die Rentenversicherung Westfalen. Die von der Witwenrente abgezogenen Beiträge werden also nicht für die verstorbene Person verwendet und gezahlt, sondern für die Hinterbliebenen.

Seit 2021 gibt es die Grundrente in Deutschland: Die Rechnung ist allerdings tückisch - viele bleiben trotz kleiner Rente auf der Strecke.