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Finanzen

Überschuldung in Deutschland: Die Ruhe vor dem Sturm?

Die Corona-Pandemie begleitet die Welt schon seit etwa einem Jahr. Daraus entstandene wirtschaftliche Folgen zeigen sich in einer weltweiten Rezession. Der Schuldneratlas 2020 gibt Aufschluss, wie betroffen die Deutschen sind.
 
Symbolbild: Geld
Symbolbild: Geld Foto: Alexas_Fotos /pixabay.com

Mehr als ein Drittel der Haushalte in Deutschland leiden aktuell unter Einkommenseinbußen. Diese sind hauptsächlich auf Kurzarbeit und eine zunehmende Arbeitslosigkeit zurückzuführen.

Trotz der zahlreichen negativen Einflüsse der Corona-Pandemie scheint die Überschuldungslage der Deutschen davon erst einmal nicht betroffen zu sein. Langfristig werden die Folgen der Krise für die Gesellschaft, Wirtschaft und die Verbraucher jedoch schwerwiegender sein als die der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008.  

Was bedeutet Überschuldung? 

Von Überschuldung ist dann die Rede, wenn die zu leistenden Gesamtausgaben höher sind als die Einnahmen. Betroffene Personen können über einen längeren Zeitraum ihre Schulden nicht begleichen. Die Überschuldungsquote beschreibt den Anteil der Personen mit Negativmerkmalen im Verhältnis zu allen Personen ab 18 Jahren.  

Aus dem Schuldneratlas 2020 der Wirtschaftsauskunftei Creditreform geht hervor, dass die Überschuldungsquote für ganz Deutschland im Jahr 2020 bei 9,87 Prozent liegt. Erstmals seit vier Jahren sinkt die Quote damit wieder unter 10 Prozent. Das hängt auch damit zusammen, dass die Zuwanderung, ebenso wie in den Vorjahren, zugenommen hat. Trotzdem wird sich die Lage in den nächsten Jahren vermutlich deutlich verschlechtern.  

Künftige Entwicklungen 

Konkrete Aussagen über die Entwicklung der Überschuldungsfälle sind angesichts der aktuellen Infektionslage nur schwer zu treffen. Schätzungsweise kämpfen momentan etwa zwei Millionen Freiberufler und Soloselbstständige aufgrund der Pandemie um ihre Existenz. 

Seit Oktober dieses Jahrs waren laut des KfW Mittelstandspanels weitere 1,1 Millionen Arbeitsplätze im Mittelstand gefährdet. In den nächsten Jahren werden sich diese Entwicklungen vermutlich in einem deutlichen Anstieg der  Überschuldungsfälle widerspiegeln.  

Besorgniserregend: die Altersüberschuldung 

Die Zahl der überschuldeten Personen ab 50 Jahren ist in diesem Jahr überdurchschnittlich angestiegen.

Vor allem Senioren sind stark betroffen. So ist In diesem Jahr die Zahl überschuldeter Menschen ab 70 Jahren um 23 Prozent auf 470.000 Fälle gestiegen.  

Die Quote der jüngeren Überschuldeten hat erfreulicherweise deutlich abgenommen, was mit einem ebenso starken Rückgang der Jugenderwerbslosenquote zusammenhängt. Jedoch könne die Corona-Pandemie ein Ende dieses Positivtrends bedeuten. 

Bayern wiederholt an der Spitze 

Bundesweit liegen Bayern und Baden-Württemberg im Überschuldungsranking ganz vorne. Schlusslicht bilden die Länder Bremen, Sachsen-Anhalt und Berlin. Insgesamt zeigen alle Bundesländer bis auf das Saarland 2020 eine positive Entwicklung.

Bayern weist in diesem Jahr den höchsten Rückgang an Überschuldungsfällen auf.

Auch die zehn Kreise mit der niedrigsten Überschuldungsquote 2020 kommen alle aus Bayern. Mit dabei sind auch Erlangen-Höchstadt, Würzburg und Roth.  

Was tun gegen Überschuldung? 

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform weist in ihrem Bericht auf allgemeine Maßnahmen hin, die der Überschuldung entgegenwirken sollen: 

  • Ein weiterer Aufbau der Vollzeitbeschäftigung 
  • Der Ausbau eines bedarfsgerechten Wohnungsangebotes mit entsprechender Mietpreisgestaltung 
  • Höhere und gezielte Bildungsinvestitionen zur Förderung von Finanzkompetenz 
  • Stärkung und Ausbau der Insolvenz- und Schuldnerberatung 
  • Stärkere politische Sensibilisierung für die Belange überschuldeter Personen 
  • Die Förderung einer verantwortungsbewussten Kreditvergabe 
  • Eine qualifizierte Informationsoffensive zur Überschuldungsproblematik 
  • Eine stärkere Einbindung der Überschuldungsforschung in die Armuts- und Bildungsdebatte