• Mehr Geld für Rentner*innen: Größte Rentenerhöhung seit Jahrzehnten ist seit 1. Juli 2022 in Kraft
  • Rente steigt deutlich - für manche bedeutet das auch, dass sie steuerpflichtig werden
  • Unterschiedliche Auszahlungszeit: Nicht alle Rentner*innen erhalten Geld zur gleichen Zeit
  • Deshalb bekommen manche Senior*innen ihr Geld später

Die Rentner*innen in Deutschland können sich eigentlich freuen: Die Renten sind zum 1. Juli um 5,35 Prozent in Westdeutschland und um 6,12 Prozent in Ostdeutschland gestiegen. Das bedeutet, dass sich eine Rente, die nur auf West-Beiträgen beruht, von zuvor 1000 Euro nun auf 1053,50 Euro erhöht. Eine, die nur auf Ost-Beiträgen beruht, steigt von vormals 1000 Euro auf 1061,20 Euro. Damit steht den Senior*innen die größte Erhöhung seit Jahrzehnten bevor. Für manche Ruheständler bedeutet das aber auch, dass sie ab jetzt vom Finanzamt zur Kasse gebeten werden. Außerdem bekommen nicht alle ihr Geld gleichzeitig ausbezahlt.

Auszahlung nicht zeitgleich: Wann bekommst du deine Rentenerhöhung?

Die Renten werden jedes Jahr zum 1. Juli abhängig von der Lohnentwicklung angepasst. Bei sinkenden Löhnen wird durch die geltende Rentengarantie verhindert, dass die Altersbezüge ebenfalls sinken. Im schlimmsten Fall kommt es zu Nullrunden, wie im vergangenen Jahr. Der Nachholfaktor soll bei wieder steigenden Löhnen diese verhinderte Rentenkürzung rechnerisch ausgleichen, Rentenanstiege fallen damit geringer aus.

Die Große Koalition hatte den Nachholfaktor ausgesetzt, nun wird er wieder in Kraft gesetzt. Dass die Erhöhung trotz Nachholfaktor so groß ausfällt, liegt an der guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und der damit verbundenen Lohnentwicklung. 

Wann die Rente ausbezahlt wird, hängt vom Zeitpunkt des Rentenbeginns ab: Wer bis März 2004 in den Ruhestand gegangen ist, erhält die angepassten Bezüge bereits Ende Juni. Hat die Rente im April 2004 oder später begonnen, wird die Erhöhung erst Ende Juli auf deinem Konto landen. Die Zahlung erfolgt aber automatisch - du musst dich um nichts kümmern.

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Zur Kasse gebeten: Zehntausende Rentner*innen werden plötzlich steuerpflichtig

Die kräftige Rentenerhöhung 2022 ist zwar erfreulich, aber für einige Rentner*innen heißt das Plus auch, dass sie ab jetzt vom Finanzamt zur Kasse gebeten werden. Rund 103.000 Senior*innen rutschen nach der Erhöhung in die Steuerpflicht. Darüber informierte das Bundesfinanzministerium im April auf Nachfrage der Linken im Bundestag. Ganze 730 Millionen Euro Mehreinnahmen kann der Staat aus diesen Steuern generieren. 

So macht sich die Steuer bemerkbar: Bei einer monatlichen Rente von 1200 Euro werden beispielsweise künftig rund 10 Prozent der Erhöhung an Einkommenssteuer abgezogen. Bei 1500 Euro sind es rund 14 Prozent und bei 2000 Euro demnach 17 Prozent. Dazu kommt die hohe Inflation und auch die Tatsache, dass Rentner*innen von Entlastungsmaßnahmen wie dem 300-Euro-Energiebonus ausgenommen wurden. Die Inflation trifft die Rentner*innen am unteren Ende der Einkommensskala besonders hart.

Und Obacht: In bestimmten Fällen wird eine Steuererklärung zur Pflicht. Rentner*innen sind grundsätzlich einkommensteuerpflichtig, wenn sie Einkommen über bestimmten Freigrenzen beziehen. Bleibst du darunter, musst du keine Steuererklärung beim Finanzamt abgeben. Genau das kann aber tückisch werden, denn dadurch wirst du schneller als dir lieb ist, ungewollt zum Steuerhinterzieher werden. Denn seit der Reform der Rentenbesteuerung im Jahr 2005 gab es bis heute in den alten Bundesländern 15 und in den neuen Bundesländern sogar 17 Rentenerhöhungen. Wer zum Beispiel 45 Jahre durchschnittlich verdiente, konnte seine Brutto-Standardrente um gut 400 Euro steigen sehen. Besonders für Altersrentner, bereits vor 2005 in Rente gegangen sind, kann das zur Steuerfalle werden. Solltest du dir also nicht sicher sein, solltest du dringend von einem Fachmann deine Steuerschuld errechnen lassen - im Ernstfall kann dieser dir auch beim Dialog mit dem Finanzamt helfen. 

Gute Nachrichten: Steuern niedriger als zunächst gedacht - das ist der Grund

Zum Glück fällt die Steuer aber etwas niedriger aus als noch zu Jahres­anfang gedacht. Wegen der gestiegenen Energiekosten wurde der Betrag, bis zu dem das Einkommen für alle steuerfrei ist, rück­wirkend um weitere 363 Euro auf 10.347 Euro erhöht, sodass 603 Euro mehr gegen­über dem Vorjahr 2021 steuerfrei bleiben.

Das bringt zumindest etwas Entlastung: Im Schnitt bleiben 100 Euro mehr Bruttorente im Monat steuerfrei. Die Höhe hängt allerdings im Detail vom Renteneintritt ab. 

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