Deutschland
Renten-Vergleich

Arbeiten bis 72: Hier müssen die Menschen am längsten für die Rente arbeiten

Deutsche gehen im Schnitt mit 63,5 Jahren in Rente; auch, wenn das gesetzliche Renteneintrittsalter bei 65 liegt. Weltweit gelten unterschiedliche Standards, wie lange Menschen arbeiten.
In manchen Ländern muss bis 72 gearbeitet werden, bis der Ruhestand eintritt.
Rente erst mit 72? Das ist in manchen Ländern der Welt der Fall. An Ruhestand ist hier bis dahin nicht zu denken. Symbolbild Foto: voffka1966/pixabay.com
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  • Die besten Rentensysteme

In den meisten Ländern gibt es ein gesetzlich vorgeschriebenes Renteneintrittsalter; in Deutschland liegt dieses bei 65 Jahren. Das durchschnittliche Alter, in dem Männer und Frauen in Rente gehen, unterscheidet sich jedoch häufig davon. Wie sieht der Renteneintritt in anderen Ländern aus?

Der Ländervergleich: Wie lange wird gearbeitet?

Dein Arbeitsleben in Deutschland dauert Statistiken zufolge etwa 38,5 Jahre, sofern du 2018 in das arbeitsfähige Alter von 15 gekommen bist. Dieser Wert liegt im EU-Vergleich leicht über dem Durchschnitt. Derzeit liegt das gesetzliche Renteneintrittsalter bei 65 Jahren, bis 2029 soll die Altersgrenze auf 67 Jahre angehoben werden. Durchschnittlich gehen Männer und Frauen jedoch in einem Alter von 63,5 Jahren in Rente. Wie sieht der Renteneintritt in anderen Ländern aus? Zur Beantwortung dieser Frage hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Zeitraum von 2013 bis 2018 Daten erhoben und diese analysiert.

  • Das gesetzliche Renteneintrittsalter liegt in Belgien bei 65 Jahren. Dennoch gehen die Männer durchschnittlich in einem Alter von 61,1 Jahren und Frauen in einem Alter von 60,5 Jahren in Rente.
  • In den Niederlanden gehen Frauen und Männer durchschnittlich mit 63,85 Jahren in Rente. Das gesetzliche Renteneintrittsalter liegt bei 66 Jahren und vier Monaten; geplant ist bis 2024 eine Anhebung der Altersgrenze auf 67 Jahre.
  • Obwohl das gesetzliche Renteneintrittsalter in Schweden bei 68 Jahren liegt und ebenfalls angehoben werden soll, gehen die meisten Männer und Frauen durchschnittlich mit 65,9 Jahren in Rente.
  • Für Lettländer*innen liegt das gesetzliche Eintrittsalter für die Rente bei 63 Jahren und 9 Monaten. Durchschnittlich arbeiten Männer und Frauen jedoch bis zu einem Alter von 65,2 Jahren.
  • In Island gehen Menschen durchschnittlich mit 66,95 Jahren in Rente. Damit halten sie sich an das gesetzliche Eintrittsalter von 67 Jahren.
  • In Neuseeland, wo es kein offizielles Renteneintrittsalter gibt, arbeiten Menschen durchschnittlich bis zu einem Alter von 68,1 Jahren. Die Rentenzahlungen beginnen jedoch bereits ab einem Alter von 65 Jahren.
  • In Mexiko ist es Arbeitnehmer*innen ab 60 Jahren möglich, in Rente zu gehen. Der Durchschnitt geht jedoch erst mit 68,9 Jahren in Rente.
  • Durchschnittlich arbeiten Männer und Frauen in Japan bis zu einem Alter von 69,95 Jahren. Einen Anspruch auf Rente haben Sie bereits ab einem Alter von 62 Jahren.

Im weltweiten Vergleich haben Menschen in Südkorea die längste Arbeitszeit. Die Rente wird hier erst mit etwa 72,3 Jahren begonnen. Dagegen gehen Arbeitnehmer*innen in Südafrika mit am frühesten in Rente. Im Schnitt beginnen sie ihren Ruhestand bereits mit 60 Jahren. Gleichzeitig gibt es in Südafrika kein vorgegebenes Alter, in dem Arbeitnehmer*innen die Rente antreten müssen.

Die Altersvorsorge im weltweiten Vergleich

In Südkorea liegt der Grund des späten Renteneintritts vermutlich einerseits in der hohen Lebenserwartung, aber auch in der weitverbreiteten Armut: Frauen und Männer arbeiten im Schnitt 12 Jahre länger, als sie müssten, um etwas mehr Geld zu verdienen. Die sehr hohe Lebenserwartung in ihren Ländern ist vermutlich auch für die Isländer*innen und Japaner*innen ein Grund, erst in einem vergleichsweise hohen Alter in Rente zu gehen.

Vergleicht man die verschiedenen Rentensysteme, sind auch hier gravierende Unterschiede festzustellen. Laut dem Global Pension Index des globalen Beratungsunternehmens Melbourne Mercer mit Head Quarter in New York gelten das isländische, das dänische und das niederländische Rentensystem als die besten der Welt. Der Index zeigt, dass es weltweit große geschlechtsspezifische Unterschiede in Hinblick auf die Rente gibt. Wie das Rentensystem eines Landes eingestuft wird, hängt unter anderem davon ab, ob es eine Mindestrente für einkommensschwache Rentner*innen gibt und wie hoch diese ist, wie das Rentenmodell gedeckt wird und wie hoch die Teilnehmerquote in der betrieblichen Altersversorgung ist. Island beispielsweise liegt so weit vorne, da es dort eine feste Grundrente gibt, sodass jeder Mensch im Alter sozial abgesichert ist.

Im Gesamtranking liegt Deutschland nach dem Stand von 2021 auf Platz 14. Im weltweiten Vergleich zeigt sich also, dass das Rentensystem in Deutschland keines der schlechtesten ist, es jedoch noch Möglichkeit zur Verbesserung gibt.