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Start in die Rente 2022: Wer darf dieses Jahr in den Ruhestand gehen?

2022 winkt dem Jahrgang 1956 die Rente. Aber auch Jüngere können unter bestimmten Voraussetzungen in den Ruhestand gehen. Was gilt für wen?
2022 kann der Jahrgang 1956 in Rente gehen. Denn für diesen Jahrgang liegt das reguläre Renteneintrittsalter bei 65 Jahren und zehn Monaten.
2022 kann der Jahrgang 1956 in Rente gehen. Denn für diesen Jahrgang liegt das reguläre Renteneintrittsalter bei 65 Jahren und zehn Monaten. Foto: CC0 / Pixabay / Bru-nO
  • Die reguläre Altersrente
  • Abschlagsfrei nach 45 Jahren: Altersrente für langjährig Versicherte
  • Manchmal gelten Sonderbestimmungen
  • Mit Abschlägen nach 35 Jahren: Altersrente für langjährig Versicherte
  • Und was ist mit Schwerbehinderten?

2022 kann der Jahrgang 1956 in Rente gehen. Denn für diesen Jahrgang liegt das reguläre Renteneintrittsalter bei 65 Jahren und zehn Monaten. Voraussetzung ist natürlich, dass die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erfüllt ist. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) hat die wichtigsten Informationen zusammengestellt.

Die reguläre Altersrente

Wer zum Beispiel am 2. März 1956 auf die Welt kam, erreicht im Januar 2022 sein reguläres Rentenalter. Im Februar 2022 kann er dann zum ersten Mal die Regelaltersrente ausgezahlt bekommen. Das frühestmögliches Eintrittsalter ist also abhängig vom Geburtsjahr: In diesem Jahr erreicht der Jahrgang 1956 dieses, also diejenigen, die 65 Jahre und 10 Monate alt sind. Eine weitere Voraussetzung ist eine Mindestversicherungszeit von 5 Jahren. Bei der regulären Altersrente ist die Möglichkeit zum Hinzuverdienst unbegrenzt. Mit jedem Jahrgang steigt diese Altersgrenze ein wenig an, zunächst in Einmonats-, später in Zweimonatsschritten, bis zum Jahrgang 1964. Wer 1964 oder später geboren ist, kann regulär erst mit 67 in Rente gehen. Auf diese Weise wird die "Rente mit 67" schrittweise eingeführt.

Der Bezug einer Teilrente ist möglich: Was meint Teilrente? Versicherte können bei einer Teilrente steuern, in welchem Maß sie noch arbeiten oder in den Ruhestand gehen wollen. Der Übergang in den Ruhestand ist fließend. 

Die Altersrente gibt es nicht automatisch, sondern nur auf Antrag. Wer will, kann also auch einfach weiterarbeiten und später die Rente beantragen. Das bringt ein Rentenplus. Die später bezogene Rente erhöht sich für jeden Monat des verspäteten Renteneintritts um 0,5 Prozent.

Abschlagsfrei nach 45 Jahren: Altersrente für langjährig Versicherte

Seit 2014 gibt es für besonders treue Kunden der gesetzlichen Rentenversicherung ein Sonderangebot. Wer auf eine 45-jährige Mindestversicherungszeit kommt, kann deutlich vor dem regulären Rentenalter ohne Abschläge in Rente gehen. Dies ermöglicht die Altersrente für besonders langjährig Versicherte.

Wer zum Beispiel am 15. Januar 1958 geboren ist, hat ab Februar 2022 Anspruch auf die Altersrente für besonders langjährig Versicherte – sofern die Mindestversicherungszeit von 45 Jahren erfüllt ist. Das Zugangsalter für den abschlagsfreien Rentenzugang wird schrittweise für jeden späteren Jahrgang um zwei Monate angehoben.

Zunächst gab es diese Rente schon ab 63. Für den Jahrgang 1958 gilt für diese besonders begehrte Rente eine Altersgrenze von genau 64 Jahren. Der Erhalt einer Teilrente ist auch in diesem Modell möglich. Beim Hinzuverdienst gibt es bis zum regulären Rentenalter die Regelung, dass ein Jahreseinkommen bis 46.060 Euro brutto nicht angerechnet wird, alles, was darüber hinaus geht, die Rente vermindert. 

Manchmal gelten Sonderbestimmungen

Bei der 45-jährigen Wartezeit werden alle Zeiten mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung angerechnet. Wer früh – etwa mit 16 – die Lehre begonnen und lebenslang durchgearbeitet hat, erfüllt diese Voraussetzung locker. Wer hingegen erst spät ins Arbeitsleben eingetreten ist, wie Akademiker, oder längere Zeit Arbeitslosengeld II (Hartz 4) bezogen hat, kann dieses Ruhegeld in der Regel nicht erhalten.

Viele Mütter haben Anspruch auf die Altersrente für besonders langjährig Versicherte, obwohl sie in ihrem Job längere Zeit pausiert haben. Der Grund: Die sogenannten Kinderberücksichtigungszeiten zählen ebenso mit, wenn geprüft wird, ob die für diese Rente nötigen 45 Versicherungsjahre zusammenkommen. Als Berücksichtigungszeit zählt die Zeit der Erziehung eines Kindes bis zu dessen 10. Geburtstag.

Wer Krankengeld erhält, bekommt dies Zeit ebenfalls auf die 45-jährige Wartezeit angerechnet. Dies gilt auch fürs Arbeitslosengeld I – allerdings nicht für die letzten beiden Jahre vor dem Renteneintritt. Anders als bei der regulären Altersrente, gibt es kein Rentenplus, wenn man die Altersrente für besonders langjährig Versicherte erst nach Erreichen des jeweils geltenden Rentenalters beantragt.

Mit Abschlägen nach 35 Jahren: Altersrente für langjährig Versicherte

Für die Altersrente für langjährig Versicherte reichen bereits 35 Versicherungsjahre. Diese Frührente gibt es schon ab 63, dann aber mit kräftigen Abschlägen. 2022 erreicht der Jahrgang 1959 die 63-Jahres-Grenze. Wenn du 1959 geboren bist und 35 Jahre auf deinem Rentenkonto hast, kannst du also 2022 in Rente gehen. Dann musst du allerdings einen Abschlag von 11,4 Prozent hinnehmen. Denn das reguläre Rentenalter erreicht der Jahrgang erst mit 66 Jahren und 2 Monaten. Du gehst also 38 Monate früher in Rente. Da jeder vorgezogene Monat 0,3 Prozent Rente kostet, ergibt sich ein Abschlag von 11,4 Prozent auf deine Bruttorente.

Beispiel: Wer zu diesem Zeitpunkt Rentenansprüche in Höhe von 1.000 Euro erworben hat, bekommt als Rente deshalb nur 886 Euro brutto. Davon gehen dann noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab. Dieser prozentuale Abschlag auf die Bruttorente gilt ein Leben lang.

Von den jährlichen Rentenanpassungen profitieren Frührentner aber genauso. Beim Hinzuverdienst gibt es bis zum regulären Rentenalter die Regelung, dass ein Jahreseinkommen bis 46.060 Euro brutto nicht angerechnet wird, alles was darüber hinaus geht die Rente vermindert. Der Erhalt einer Teilrente ist auch in diesem Modell möglich. Allerdings muss niemand punktgenau mit 63 Jahren in Rente gehen. Du kannst dich auch für einen späteren Rentenbeginn entscheiden, etwa mit 64 oder 65. Dann fällt dein Abschlag entsprechend geringerer aus. 

Und was ist mit Schwerbehinderten?

Schwerbehinderte können noch vor dem 63. Geburtstag in Rente gehen. Wer 1961 geboren wurde, kann mit einem Schwerbehindertenausweis beispielsweise mit 61 Jahren und sechs Monaten in den Ruhestand. Allerdings wird dann auch ein satter Abschlag auf die Bruttorente fällig. Jeder Monat kostet 0,3 Prozent Rente, bei maximal 36 Monaten also bis zu 10,8 Prozent.

Das frühestmögliches Eintrittsalter ohne Abschläge ist mit 64 Jahre für den Jahrgang 1958. Die Mindestversicherungszeit beträgt 35 Jahre. Weitere besondere Voraussetzungen ergeben sich für Schwerbehinderte bei Beginn der Rente, wenn sie einen Schwerbehindertengrad von 50 haben. Beim Hinzuverdienst gibt es bis zum regulären Rentenalter die Regelung, dass ein Jahreseinkommen bis 46.060 Euro brutto nicht angerechnet wird, alles was darüber hinaus geht die Rente vermindert. Der Erhalt einer Teilrente ist auch in diesem Modell möglich. Für den Jahrgang 1958 liegt die Altersgrenze für den regulären (abschlagsfreien) Bezug dieser Rente bei 64 Jahren. Die Schwerbehindertenrente kann man auch maximal drei Jahre vorher mit Abschlägen erhalten.

Anspruch auf Erwerbsminderungsrente prüfen: Schwerbehinderte sind häufig auch erwerbsgemindert. Bei starken gesundheitlichen Handicaps sollten Betroffene in jedem Fall prüfen, ob für sie statt der Schwerbehindertenrente die Erwerbsminderungsrente infrage kommt. Diese fällt aufgrund der für Neurentner seit 2019 verlängerten Zurechnungszeiten üblicherweise deutlich höher aus.