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13 Irrtümer über die Rente: Ausgleich nach Scheidung, Hinzuverdienst und Co. - hättest du es gewusst?

Sie geht uns alle früher oder später etwas an: die Rente. Damit kann sowohl Sehnsucht als auch Furcht verbunden sein. Doch was ist richtig und was falsch, wenn es um Mythen rund um die Rente geht?
Spätestens im Alter müssen wir uns alle mit der Rente auseinandersetzen.
Spätestens im Alter müssen wir uns alle mit der Rente auseinandersetzen. Foto: Bild: Pexels/Pixabay
  • Angst um die Rente: Wie wird sie zukünftig finanziert?
  • Wahr oder falsch? Häufige Irrtümer im Check
  • Bei Unsicherheiten: Deutsche Rentenversicherung hilft bei Fragen weiter

Mit dem Thema der gesetzlichen Rente muss sich jede*r irgendwann auseinandersetzen. Rund um das Thema existieren zahlreiche Annahmen, bei denen sich einige als wahr und andere als Irrtümer herausstellen. Wir verraten dir alles, was du wissen solltest.

Das Deutsche Rentensystem: Mythen im Check

Das Thema der Rente kursiert aktuell in Deutschland wieder verstärkt in den Medien. Denn: Mit dem demografischen Wandel geht die Notwendigkeit nach mehr Geld für die Rentenkasse einher. Zukünftig wird es hier mehr alte und weniger junge Menschen geben. Die einzigen möglichen Lösungen für das Problem scheinen die Anhebung des Rentenalters, die Erhöhung der Beitragszahlen oder das Reduzieren der Rentenleistungen zu sein. Seitens der Politik sind die drei Lösungen jedoch keine wirkliche Option. Laut Tagesschau ist ein Ansatz der Ampel-Koalition nun, einen Teil der gesetzlichen Rente künftig am Kapitalmarkt zu finanzieren. Dies soll die ansonsten umlagefinanzierte gesetzliche Rente stabilisieren.

1# Eine häufige Behauptung ist, dass alle Bürger*innen bis 67 arbeiten müssen. Dies stimmt so jedoch nicht: Wie die Deutsche Rentenversicherung aufklärt, gilt das reguläre Regeleintrittsalter von 67 Jahren erst ab dem Geburtsjahrgang 1964. Bist du vor diesem Stichtag geboren, steigt die Altersgrenze schrittweise von 65 auf 67 Jahre an.

Dies funktioniert so, dass die Altersgrenze bis 2023 um jährlich einen Monat angehoben wird. Angefangen wird mit dem Geburtsjahrgang 1947. Ab nächstem Jahr wird die Altersgrenze, beginnend mit dem Geburtsjahrgang 1959, in zwei-Monats-Schritten erhöht.

Auch diese Irrtümer solltest du nicht glauben

2# Du zahlst 45 Jahre lang in die Rentenkasse ein und kannst dann ohne Abzug direkt mit 63 Jahren in die Rente gehen – oder? Auch diese Auffassung ist nicht ganz korrekt. Zwar hast du nach 45 Jahren Beitragszahlung einen Anspruch auf die sogenannte Altersrente für besonders langjährig Versicherte ohne Abzüge, jedoch gilt dies erst, wenn du die entsprechende Altersgrenze erreicht hast. Diese hängt von deinem Geburtsjahr ab. Alle, die vor 1953 geboren wurden, können als besonders langjährig Versicherte*r ohne Abschläge mit 63 Jahren in Rente gehen. Mit der schrittweisen Anhebung des Rentenalters verschiebt sich auch das Renteneintrittsalter mit dem Geburtsjahr nach oben. Bist du 1964 oder später geboren, kannst du erst mit 65 Jahren in Rente gehen.

3# Auch der Mythos, dass deine Rente bei einem Hinzuverdienst durch einen Job gekürzt wird, stimmt in den meisten Fällen nicht mehr. Bislang war es so, dass alle Menschen, die früher in Rente gehen und sich anschließend etwas dazuverdienen, darauf achten mussten, dass bestimmte Grenzen eingehalten werden. Seit dem 01. Januar 2023 können Altersrenten jedoch unabhängig von der Höhe des Hinzuverdienstes in voller Höhe bezogen werden. Eine Ausnahme gilt bei den Erwerbsminderungsrenten. Diese geltenden Grenzen wurden, ebenfalls seit dem 01. Januar dieses Jahres, deutlich angehoben. Beziehst du wegen teilweiser Erwerbsminderung eine Rente, gilt nun die Hinzuverdienstgrenze von rund 35.650 Euro. Bei Renten wegen voller Erwerbsminderung liegt die Grenze bei rund 17.820 Euro. Die neuen Regelungen gelten unabhängig vom Zeitpunkt des Renteneintritts.

4# Die Annahme, dass bei vorzeitiger Rente die Abschläge mit dem Erreichen der regulären Altersrente enden, stimmt ebenfalls nicht. Möchtest du eine Altersrente vor dem Erreichen des regulären Rentenalters in Anspruch nehmen, musst du mit Abschlägen rechnen. Für jeden Monat des vorgezogenen Rentenbeginns musst du dabei mit einem Abschlag von 0,3 Prozent rechnen. Ein Beispiel: Bist du 55 Jahre alt und möchtest mit 63 Jahren in die Rente, hast du Rentenabschläge von 0,3 Prozent mal 4 Jahre mal 12 Monate, also 14,4 Prozent. Diese Regelung gilt einerseits für vorzeitig in Anspruch genommene Altersrenten, andererseits auch für Renten wegen verminderter Erwerbstätigkeit oder Renten wegen Todes. Deine Abschläge kannst du als Versicherte*r durch Sonderzahlungen in die Rentenkasse ausgleichen. Dies geht ab einem Alter von 50 Jahren sowie wenn du bis zum geplanten Eintritt in die Rente mindestens 35 Versicherungsjahre nachweisen kannst. Grundsätzlich ist ein vorzeitiger Renteneintritt nur möglich, wenn du 35 Versicherungsjahre beisammen hast. Ist dies nicht der Fall, kannst du erst mit Erreichen des Regelrentenalters von 65 oder 67 Jahren in Rente gehen. Nimmst du die vorzeitige Rente in Anspruch, bleiben die Abschläge dauerhaft bestehen. Abschlagsfrei vorzeitig in die Rente gehen kannst du dann, wenn du eine Mindestversicherungszeit von 45 Jahren nachweisen kannst. Eine Ausnahme gilt für Menschen mit einer Schwerbehinderung.

Was ist wahr und was ist falsch? Fakten rund um die Rente

5# Die Behauptung, dass die letzten Jahre vor der Rente für die Höhe der Bezüge eine wichtige Rolle spielen, ist falsch. Die Höhe der Rente setzt sich aus deinem gesamten Versicherungsleben zusammen und nicht aus den Einzahlungen der letzten Arbeitsjahre. Es kann jedoch sein, dass du in den letzten Jahren vor der Rente sehr viel verdienst und dies für einen hohen Rentenzuwachs in dieser Zeit sorgt.

6# Die Rente bekommt jede*r automatisch – oder? Auch hierbei handelt es sich um einen Irrtum. Etwa drei Monate vor dem gewünschten Renteneintrittstermin muss ein sogenannter Rentenantrag bei der Rentenversicherung gestellt werden. Bist du zu spät dran, gibt es die Möglichkeit, die gesetzliche Rente bis zu drei Monate rückwirkend zu beantragen. Für dich bedeutet dies jedoch, dass die Zahlungen erst verspätet beginnen. Nachzahlungen gibt es nicht. Eine Ausnahme gibt es bei der sogenannten Hinterbliebenenrente. Hier beträgt die Antragsfrist ab dem Todestag 12 Kalendermonate. Den Antrag kannst du bei den entsprechenden Beratungsstellen oder den Gemeindeverwaltungen in deiner Nähe finden. In einer Beratungsstelle kannst du dir außerdem kostenlos helfen lassen, wenn du Schwierigkeiten mit den vielen Papieren hast. Deinen Rentenantrag kannst du auch auf der Webseite der Deutschen Rentenversicherung online stellen.

7# Ein weiterer häufiger Irrtum ist die Annahme, dass die Altersrente des Ehepartners oder der Ehepartnerin auf die eigene Altersrente angerechnet wird, wenn diese*r verstirbt. Bei der sogenannten Witwen- oder Witwerrente ist es jedoch so, dass zwischen zwei Arten der Rente unterschieden wird. Bist du jünger als 47 Jahre, nicht erwerbsgemindert und erziehst kein Kind mehr, erhältst du die sogenannte kleine Witwen- oder Witwerrente. Diese beträgt grundsätzlich 25 Prozent der Rente, die dein*e Ehepartner*in oder Lebenspartner*in zum Zeitpunkt des Todes bezogen hat oder hätte. Die große Witwen- oder Witwerrente erhält man, wenn man 47 Jahre oder älter ist, erwerbsgemindert ist oder noch ein Kind unter 18 Jahre erziehen muss. In dem Fall erhältst du 55 Prozent der Rente, die dein*e Ehepartner*in oder Lebenspartner*in zum Zeitpunkt des Todes bezogen hat oder hätte. Hast du bereits vor 2002 geheiratet oder ist dein*e Ehepartner*in oder Lebenspartner*in vor dem 2. Januar 1962 geboren, gilt noch das "alte Recht". Dies bedeutet, dass die große Witwen- oder Witwerrente 60 Prozent beträgt.

Renten-Irrtümer: Das solltest du außerdem wissen

8# Es ist zudem ein Irrtum, dass Männer keinen Anspruch auf die Witwenrente haben. Zwar stimmt es, dass sie keine Witwenrente bekommen, aber sie erhalten das Äquivalent: die Witwerrente. Voraussetzung für diese Rente ist, dass der verstorbene Partner beziehungsweise die verstorbene Partnerin mindestens fünf Jahre in die Rente eingezahlt hat und die Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft mindestens für ein Jahr bestand. Eine Ausnahme gilt beispielsweise dann, wenn der Ehepartner oder die Ehepartnerin durch eine plötzliche Erkrankung oder einen Unfall stirbt. Der Überlebende hat in dem Fall auch trotz kürzerer Ehedauer Anspruch auf die Witwerrente. Unterschieden wird, wie bereits vorab erklärt, zwischen der großen und der kleinen Witwerrente.

9# Die Annahme, dass die Rente voll versteuert werden muss, stimmt ebenfalls noch nicht ganz. Bist du 2022 in Rente gegangen, zahlst du auf 82 Prozent deiner Rente Steuern. Für alle Rentenjahrgänge, die 2023 neu hinzugekommen sind, hat sich der Rentenanteil auf 83 Prozent erhöht. Aber: Alle Renten, die 2040 oder später beginnen, müssen zu 100 Prozent versteuert werden. Eine Ausnahme gibt es jedoch auch hier. Liegt die Rente unter dem Grundfreibetrag von 10.908 Euro für Alleinstehende, ist sie steuerfrei. Der Startschuss für die Besteuerung der Renteneinkünfte fiel im Jahr 2005. Ziel für diese "nachgelagerte Besteuerung" ist, dass deine Steuerbelastung während der Berufsjahre abgesenkt werden soll. Begonnen wurde mit 50 Prozent im Jahr 2005, anschließend wurde der Prozentsatz jedes Jahr um zwei Punkte angehoben. Seit 2020 wird der Steueranteil jährlich um einen Prozentpunkt angehoben.

10# Dass Frauen mit 60 in Rente gehen dürfen, ist eine alte Regelung. Ein Anspruch auf die sogenannte Altersrente haben nur Frauen, die vor dem 01. Januar 1952 geboren wurden. Voraussetzung dafür war, dass sie ab dem 40. Geburtstag mehr als 10 Jahre lang den Pflichtbeitrag in die Rentenversicherung eingezahlt hatten. Langfristig wird diese sogenannte Altersrente für Frauen jedoch abgeschafft. Für Frauen und Mütter, die nach 1964 geboren wurden und erwerbstätig sind, liegt das Renteneintrittsalter ebenso wie bei Männern bei 67 Jahren.

Weitere Irrtümer rund um die Rente im Fakten-Check

11# Nach einer Scheidung ist die Aufteilung der Renten endgültig? Auch dieser Gedanke ist nur bedingt richtig. Grundsätzlich ist nach einer gescheiterten Ehe ein sogenannter Versorgungsausgleich nötig – es sei denn, dieser wurde ausdrücklich ausgeschlossen. Wenn nicht, teilt das Familiengericht alle Rentenansprüche der Eheleute auf und verrechnet sie. Es ist auch das Familiengericht, welches feststellt, ob bestimmte Rentenansprüche der einen Person der anderen gutgeschrieben werden oder nicht. In den meisten Fällen findet eine sogenannte interne Teilung statt, was bedeutet, dass jede*r jeweils die Hälfte der in der Ehe- oder Partnerschaftszeit erworbenen Anrechte erhält. Die Entscheidung über den Versorgungsausgleich tritt erst nach Ablauf einer Beschwerdefrist in Kraft. Der Versorgungsausgleich kann auf Antrag von dem Familiengericht geändert werden, falls sich später ein in der Zeit der Ehe beziehungsweise Lebenspartnerschaft erworbenes Anrecht wesentlich verändert.

12# Die Annahme, dass deine Rente durch eine Reha-Leistung später gekürzt wird, stimmt nicht. Auch während einer Rehabilitationsmaßnahme werden normalerweise die Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung weiter gezahlt. Zudem trägt eine erfolgreiche Reha oft zu einer längeren Erwerbstätigkeit und somit auch einer höheren Rente bei.

13# Zuletzt ist es nicht richtig, dass Auszubildende erst nach fünf Jahren eine Absicherung wegen Erwerbsminderung besitzen. Es gilt eine Sonderregelung für Berufsanfänger*innen: Bereits ab dem ersten Tag sind Auszubildende bei einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit durch die gesetzliche Rentenversicherung abgesichert. Es stimmt jedoch, dass alle anderen Berufstätigen mindestens fünf Jahre vor Eintritt der Erwerbsminderung in der Deutschen Rentenversicherung versichert sein müssen.

Fazit - bei Fragen und Unsicherheiten kann die Deutsche Rentenversicherung helfen

Es gibt eine Vielzahl an Irrtümern, die rund um die Rente kursieren. Dabei kann die Deutsche Rentenversicherung bei vielen Fragen oder Unsicherheiten klare Antworten liefern.

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