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Berlin
Bedingungsloses Grundeinkommen

Grundeinkommen-Studie: Eine Million Bewerbungen in drei Tagen statt in drei Monaten - Macher "überwältigt"

Die Organisatoren der neuen Langzeitstudie über ein bedingungsloses Grundeinkommen sind überwältigt: Das Ziel, eine Million Bewerber zu finden, wurde binnen drei Tagen erreicht. Ursprünglich ging der Verein "Mein Grundeinkommen" davon aus, dass dies drei Monate dauern würde.
 

Eine neue Langzeitstudie will Aufschluss darüber bringen, wie sich ein bedingungsloses Grundeinkommen auf Menschen auswirkt. Jeder Teilnehmer erhält die Gesamtsumme von 43.200 Euro - auf drei Jahre verteilt.

Das Bewerber-Ziel ist bereits erreicht worden - und das viel schneller als gedacht: Innerhalb von drei Tagen bewarben sich über eine Million Menschen um die Teilnahme an Deutschlands erster Langzeitstudie zum Bedingungslosen Grundeinkommen. Das teilt der Verein "Mein Grundeinkommen" in einer Pressemitteilung mit. Auf der Homepage heißt es aber auch: "Mehr Bewerbungen heißt noch bessere Forschung. Deshalb bleibt die Bewerbung noch bis zum 10.11.2020 geöffnet."

Studie zum Grundeinkommen: Bewerber-Ziel schneller erreicht als gedacht

Am 18. August 2020 hatte der Verein Mein Grundeinkommen in einer Pressekonferenz den Studienstart des Pilotprojekts Grundeinkommen bekannt gegeben und zur Bewerbung aufgerufen.

Ziel war es, bis Ende des Jahres eine Million Menschen zum Mitmachen zu bewegen, um daraus eine repräsentative Auswahl treffen zu können. 1500 von ihnen sollen als Teilnehmer:innen ausgewählt werden, 120 davon die monatlichen Auszahlungen für drei Jahre erhalten.

Was ursprünglich für November geplant war, ist wenige Tage nach Bekanntgabe bereits realisiert: "Das Ziel in drei Monaten zu erreichen, schien fast unmöglich. Nun haben die Bewerber*innen das in drei Tagen geschafft. Wir sind überwältigt und, ehrlich gesagt, auch etwas herausgefordert", sagte Michael Bohmeyer, Gründer des Vereins Mein Grundeinkommen.

Die ursprüngliche Meldung: Studie zum Grundeinkommen startet - "Was macht das mit Menschen?"

Für die einen ist es eine Faulheitsprämie, für andere der richtige Weg in eine neue Sozialpolitik - über die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens wird seit langem diskutiert. Eine weitere Studie soll nun herausfinden, wie es auf Menschen wirkt.

Bereits im April wurde eine Besonderheit zur Verlosung von bedingungslosen Grundeinkommen im Jahr 2020 bekannt: Wegen der Corona-Krise konnten sich während der jüngsten Ziehung mehr Gewinner als sonst über 1000 Euro monatlich freuen.

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Wie verändert sich der Alltag von Menschen, wenn diese jeden Monat 1200 Euro bekommen - bedingungslos, ob bedürftig oder nicht? Das wollen das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), der Verein "Mein Grundeinkommen" und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern und der Universität zu Köln in einer neuen Langzeitstudie untersuchen. 

"1200 Euro Grundeinkommen im Monat - was macht das mit Menschen?" Mit dieser Fragestellung wurde das Forschungsprojekt am Dienstag (18. August 2020) mit der Freischaltung der Bewerbungsseite im Internet gestartet.

Bedingungsloses Grundeinkommen: Das sind die Teilnahmebedingungen

  • Wer seinen Erstwohnsitz in Deutschland hat und mindestens 18 Jahre alt ist, kann sich um eine Teilnahme bewerben. Sobald eine Million Bewerber zusammengekommen sind, startet ein Auswahl- und Auslosungsprozess.
  • 120 Teilnehmer sollen ab Frühjahr 2021 monatlich drei Jahre lang die 1200 Euro bekommen. Die Gesamtsumme beläuft sich also auf 43.200 Euro. Finanziert wird das Projekt über Spenden.
  • Laut "Pilotprojekt Grundeinkommen" habe die Studie eine  einzige Bedingung für die Fortzahlung des Geldes: Die Teilnehmer müssen während der drei Jahre insgesamt sieben Fragebögen ausfüllen. Die Ausfüllzeit liegt bei jeweils ca. 25 Minuten. Würden die Fragebögen nicht ausgefüllt, müsse die Fortzahlung des Geldes eingestellt werden, da die Fragebögen für die wissenschaftliche Erkenntnis entscheidend sind.
  • Ansonsten sei das Grundeinkommen absolut bedingungslos: Teilnehmer können so viel Geld hinzuverdienen, wie sie möchten – oder gar keins. Sie können das Geld ausgeben, wofür sie möchten. Es gebe keine Vorgaben, keine Überprüfungen und keine Abzüge.
  • Weiterhin handele es sich bei den Grundeinkommen um Schenkungen von vielen einzelnen Schenkenden in jeweils geringer Höhe. Eine Schenkungssteuer falle nicht an, da die geschenkten Beträge pro Schenkendem und TeilnehmerIn jeweils unter der Steuerfreigrenze liegen. Da es sich beim Grundeinkommen um Zahlungen ohne Gegenleistung handele, sei es auch nicht einkommenssteuerpflichtig.
  • Allerdings wird darauf hingewiesen, dass durch die Auszahlung der Grundeinkommen andere Sozialleistungen gemindert oder ganz gestrichen werden, da sie von den zuständigen Behörden als Einkommen oder Vermögen gewertet werden. Dies könne Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld 1 (ALG I), Arbeitslosengeld 2 (ALG II, umgangssprachlich Hartz IV), BAfög, Wohngeld, Kinderzuschlag, Elterngeld, Unterhaltsvorschuss oder Leistungen gemäß dem Asylbewerberleistungsgesetz betreffen.

Die Wissenschaftler wollen durch regelmäßige Befragungen der Teilnehmer herausfinden, wie sich ihr Alltag durch das Geld verändert. Der Blick richtet sich dabei unter anderem auf das Arbeitsleben, die Finanzen, den Bereich Familie und Beziehungen, soziale Kontakte oder auch auf mögliche psychische Veränderungen. Zur Analyse des Stresslevels würden auch Haarproben ausgewertet, heißt es.

«Wir wollen wissen, was es mit Verhalten und Einstellungen macht und ob das Grundeinkommen helfen kann, mit den gegenwärtigen Herausforderungen unserer Gesellschaft umzugehen», sagte Michael Bohmeyer, Initiator des Vereins Mein Grundeinkommen, am Dienstag in Berlin. Es gebe zwar bereits weltweit wissenschaftliche Studien zum Thema, aber ihre Erkenntnisse seien begrenzt, sagte Jürgen Schupp, vom DIW Berlin. «Sie sind entweder veraltet, nicht verallgemeinerbar oder untersuchen das Grundeinkommen nur für Erwerbslose. Vor diesem Hintergrund betreten wir in Deutschland mit dieser Studie wirklich wissenschaftliches Neuland».

Idee wird seit Jahren diskutiert

Schon seit Jahren wird über die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens diskutiert. Fürsprecher sind beispielsweise Linke-Chefin Katja Kipping, aber auch der Gründer der Drogeriemarktkette dm, Götz Werner. Gemeint ist damit eine Leistung, die jedem Bürger zustehen soll - unabhängig von Lebens- und Einkommensverhältnissen und dem Status der Beschäftigung. Also eine Summe X, die regelmäßig ohne Vorprüfungen an alle gezahlt wird, ob reich, ob arm, ob Baby oder Greis. Manchmal ist auch von «Bürgergeld» die Rede.

Gegner der Idee befürchten, dass eine solche Zahlung die Motivation von Menschen bremse und diese letztlich unglücklicher mache. Zudem werden die Kosten angeführt.

Rein rechnerisch würde ein Grundeinkommen von 1000 Euro für knapp 83 Millionen Bundesbürger fast eine Billion Euro im Jahr kosten. Die gesamten Staatsausgaben liegen bisher laut Statistischem Bundesamt bei knapp 1,5 Billionen Euro im Jahr.

Keine Beweise für Faulheitsthese

Der Verein Mein Grundeinkommen widerspricht in beiden Punkten: Für die «Faulheitsthese» gebe es keine Beweise. In weltweit allen Pilotprojekten sei genauso oder sogar noch mehr weitergearbeitet worden. Für die Finanzierung gebe es verschiedene Modelle.

«Das Grundeinkommen ist im Wesentlichen eine Steuerreform», schreibt der Verein auf seiner Internetseite. Menschen mit geringen Einkommen hätten dadurch mehr Geld zur Verfügung, die so genannte Mittelschicht etwa gleich viel und die Reichsten etwas weniger als vorher. «Unterm Strich zahlen diese Menschen dann mehr Steuern als sie Grundeinkommen erhalten.» Mit Hartz IV gebe es zudem auch heute schon eine Art Grundeinkommen - nur sei dieses nicht bedingungslos, sondern sorge für Demotivation, Existenzangst und Misstrauen.

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