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Negativzinsen: So berechnest du, wieviel zu zahlen musst

Bei Negativzinsen zahlen Anleger*innen Zinsen für ihr Geld. Eigentlich sollte es ja genau andersherum sein. Warum und seit wann es Negativzinsen gibt, wer sie wann zahlen muss und wie sie berechnet werden, erfährst du hier.
Zinsen steuern den Geld- und Kapitalkreislauf.
Zinsen steuern den Geld- und Kapitalkreislauf. Foto: guvo59/pixabay (Symbolbild)
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  • Was sind Negativzinsen?
  • Warum und seit wann gibt es sie?
  • Wer muss sie zahlen?
  • Wie werden Negativzinsen berechnet

Volkswirtschaftlich betrachtet, sind Zinsen der Preis des Geldes. Wenn du dein Geld zur Bank oder Sparkasse bringst, zahlt dir das Geldinstitut etwas dafür, dass du ihnen dein Geld zur Verfügung stellst. Denn mit deinem Geld wird gearbeitet. Das heißt, es wird investiert. In Aktien- oder Immobilienfonds oder anderweitige, auch weltweite Geld- und Kapitalanlagen. In der Regel erwirtschaften Geldinstitute mit solchen Investitionen so viel Geld, dass sie dir davon deine Zinsen zahlen können und immer noch ausreichend selbst verdienen. Bei Negativzinsen ist das nun genau andersherum.

Negativzinsen verringern dein Vermögen

Bei Negativzinsen berechnet dir deine Bank oder Sparkasse Geld dafür, dass du ihnen es überlässt. Somit verringert sich dein Geldvermögen, anstatt es sich über die Zinsen vermehrt. Generell und ursprünglich bildet sich die Zinshöhe über Angebot und Nachfrage nach Geld auf dem Kapitalmarkt. Dabei besitzen die "Zinssätze auf dem Kredit- und Kapitalmarkt [...] als Preis für die Kreditaufnahme bzw. als Vergütung für das Sparen [...] eine wichtige Signal- und Lenkungsfunktion." Vereinfacht kannst du annehmen, dass bei einem hohen Zinsniveau die Nachfrage nach Geld bzw. Kapital gering ist, weil die Kosten im Umkehrschluss hoch sind. Nimmst du beispielsweise in einer Hochzinsphase einen Kredit für ein Auto oder Haus auf, musst du dafür mehr Zinsen zahlen, als zur Zeit einer Niedrigzinsphase. Bei einem geringen Zinsniveau spricht man häufig auch von "billigem Geld", weil es quasi wenig bis nichts kostet, sich bei der Bank Geld zu leihen. Eine solche niedrige Zinsphase haben wir seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2007. 

In diesem Szenario ist das geldpolitische Ziel, dass sowohl Investitions- als auch Konsumbereitschaft erhöht werden. Unternehmen sollen Kredite aufnehmen, um in Technologie, Produkte, Arbeitskräfte und Infrastruktur zu investieren. Die privaten Haushalte sollen sich möglichst viel Geld leihen, um auf den Märkten zu konsumieren. Damit bescheren sie den Unternehmen wiederum Umsätze und Gewinne, womit deren Investitionen sich refinanzieren. Über diesen Mechanismus steuert sich letztlich der Geld- und Kapitalkreislauf unserer Volkswirtschaft: 

  • Höhere Zinsen hemmen Kredit- und Investitionsnachfrage und damit auch die Nachfrage nach Geld und Kapital. Parallel entsteht der Anreiz, mehr zu sparen und weniger zu konsumieren. 
  • Niedrige Zinsen regen Kredit- und Investitionsnachfrage an und stimulieren die Nachfrage nach Geld und Kapital. Hier besteht wenig bis kein Sparanreiz, sondern eher die Tendenz zum Konsum.   

Warum es Negativzinsen gibt

Wenn trotz niedriger Zinsen nicht deutlich mehr investiert wird, sprechen Experten auch von der sogenannten Investitionsfalle. Entweder erscheint in dem Fall die Kapitalproduktivität nicht ausreichend hoch oder aber, die Unternehmen erwarten trotz billiger Kredite bzw. einer geringen Verzinsung von Anleihen, dass es sich mehr lohnen würde, in "sichere" Wertpapiere zu investieren als in "risikoreiche" Investitionen. Ökonomisch gesehen stellen Negativzinsen somit eine geldpolitische Ausnahmesituation dar. Denn sie übersteigern den Effekt einer Nullzinsphase dahingehend, dass Anleger sogar dafür bestraft werden, wenn sie ihr Geld zur Bank oder Sparkasse bringen. Daher rührt auch der Begriff Strafzins. Geldinstitute hingegen nennen es eher gerne Verwahrgeld.

Negativzinsen stellen nun die lange Zeit in der Volkswirtschaft geltende Zinstheorie auf den Kopf. Der Grund hierfür ist etwas komplex. In Europa wird die Geldmarktpolitik von der Europäischen Zentralbank (EZB) gesteuert. Sie legt den sogenannten Leitzins fest. Zu diesem Zins können sich Geschäftsbanken (z.B. Sparkassen, Privatbanken) Geld beschaffen oder auch anlegen. Hierüber erfolgt dann die eigentliche Geldschöpfung

Seit 2014 ist der Einlagezins bei der EZB für die Geldinstitute negativ. Sie zahlen also selbst "Strafzinsen" auf Einlagen bei der EZB. Letztlich geben sie (noch nicht alle Institute) diese in Form von Negativzinsen an ihre Kunden weiter. Weil es u.a. gesetzliche Regelungen gibt, die beispielsweise eine Mindestreserve vorsehen, welche Geschäftsbanken bei der EZB vorhalten müssen, haben Banken und Sparkassen keine Möglichkeit, hier ihre Kosten einfach zu minimieren.

Verantwortung für Europa

Die Frage, warum die EZB den Leitzins nun nicht einfach anhebt, ist noch ein wenig schwieriger zu beantworten. Im Wesentlichen liegt es daran, dass die EZB die Verantwortung für die Geldpolitik in ganz Europa zu tragen hat. Dabei stellt sich das wirtschaftliche Gefälle und die volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit innerhalb Europas zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten sehr unterschiedlich dar. Viele Länder, vor allem in Südeuropa, sind bei der EZB hoch verschuldet. Dazu kauft die Europäische Zentralbank seit März 2015 regelmäßig im Rahmen eines sogenannten Anleihekaufprogramms (PSPP) in großem Umfang Staatsanleihen und Wertpapiere.

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Diese haben fest vereinbarte Laufzeiten und müssen zuzüglich der beim Kauf vereinbarten Zinsen zurückgezahlt werden. Je mehr Anleihen ein Staat ausgibt, desto mehr verschuldet er sich. Laut einer Studie von Deposit Solutions aus dem Jahr 2021, haben sich insbesondere die südeuropäischen Länder Italien, Spanien, Griechenland und Portugal "negativ verzinste Kredite mit einem Gesamtvolumen von bis zu 12 Prozent ihrer Bilanzsummen aufgenommen". Dabei erzielten die italienischen und spanischen Banken durch die Leihgeschäfte mit der EZB insgesamt sogar Gewinne.

Denn die Verluste aus dem negativen Einlagenzins konnten durch die negativ verzinsten Kredite überkompensiert werden. Das bedeutet, je mehr sich diese Staaten "verschuldet" haben, desto höher wurden ihre Gewinne - dies führt die Geldpolitik in ihrem eigentlichen Sinne natürlich ad absurdum. Von daher sehen Kritiker in dieser Art von Geldpolitik auch einen nicht zu vernachlässigenden Umverteilungseffekt, der Wohlstand von Nord- nach Südeuropa leitet. Denn Länder wie Deutschland oder Frankreich verzeichnen laut der Studie durch den Einsatz dieses geldpolitischen Instruments im Vergleich Verluste.

Wer zahlt Negativzinsen und wie berechnet man sie?

Negativzinsen hat im November 2014 erstmals die thüringische Skatbank (Direktbank-Tochter der Volks- und Raiffeisenbank Altenburger Land) auf besonders hohe Spareinlagen verlangt. Betroffen waren Tagesgeldkonten mit mehr als 500.000 Euro Guthaben. Seitdem haben andere Geldinstitute nachgezogen und verlangen Zinsen für bereits mittlere Guthaben z.B. auch auf Girokonten. Auf dem Vergleichsportal Verivox kannst du aktuell nachschauen, welche Institute Negativzinsen in welcher Höhe verlangen. Überwiegend bewegen sie sich im Rahmen von - 0,5%, teils auch in Abhängigkeit von der Höhe der Einlagen. Hier reicht die Spanne von 25.000 € bis 100.000 €.

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Um die monatlichen Negativzinsen zu berechnen, kannst du entweder diverse und leicht im Internet zu findende Formelrechner verwenden oder mit folgender Formel diese selbst berechnen:

Kapital x Negativzins = Betrag Negativzins pro Jahr

Wenn deine Bank ab 25.000 € Einlage einen Negativzins von -0,5 % verlangt, dann zahlst du im Jahr dafür 125 €.

Es würde in dem Beispiel (mit der Zinseszinsformel berechnet) ca. 3.000 Jahre dauern, bis dein Kapital von den Negativzinsen komplett aufgebraucht wäre. Wenn du mit 30 Jahren die 25.000 € "anlegen" würdest, dann hättest du zu Beginn deiner Rente mit 67 Jahren noch 20.767,97 € übrig. Hinzu käme aber noch der Inflationsabschlag.

Wenn du keine Negativzinsen zahlen möchtest, gibt es verschiedene Möglichkeiten, dies zu umgehen. Entweder verteilst du dein Geld auf mehrere Konten und bleibst unter der jeweiligen Freibetragsgrenze. Oder, wenn du über eine gute Bonität verfügst und eine langjährige Geschäftsbeziehung zu deinem Geldinstitut pflegst, kannst du versuchen, mit deiner Sparkasse oder Bank über die Höhe der Minuszinsen oder über die Frei­grenzen zu verhandeln.

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Weitere Informationen zu dem Thema Negativzinsen findest du auch hier.

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