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Öko-Geldanlagen & Finanztipps

Nachhaltig Geld anlegen: Wie geht das?

Die Öko-Geldanlage ist zwar fürs Gewissen gut, aber nicht fürs Portmonee. Dieser Spruch ist nicht unbedingt richtig. Viele Öko-Geld-Anlegende machen einen guten Schnitt.
Viele Öko-Geldanlagen bringen gute Renditen.
Viele Öko-Geldanlagen bringen gute Renditen. Foto: VZ-NRW
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  • Wachsendes Interesse an Öko-Fonds
  • Qualitätssiegel fehlen noch
  • Achtung bei Greenwashing
  • Falsche Mythen ausräumen
  • Wo du jetzt Geld nachhaltig anlegen kannst

Bank-Kunden, die Geld anlegen möchten und ein Anlagegespräch führen, müssen sich ab diesem Monat auf eine neue Frage gefasst machen. Sie lautet: Soll deine Geldanlage ökologische und soziale Aspekte einer guten Unternehmensführung berücksichtigen? Das gibt die europäische Verordnung zur Finanzmarktrichtlinie MiFID II vor, die an diesem Punkt in Kraft tritt. Aber was steckt hinter der Frage nach der "grünen Anlage"? Was du dir vorher überlegen solltest, erfährst du hier.

Wachsendes Interesse an Öko-Fonds

Rendite, Risiko und Verfügbarkeit – das sind die üblichen Punkte, nach der eine Geldanlage klassisch zu beurteilen ist. Das Kriterium der Nachhaltigkeit ist neu. Das berücksichtigt erstmals, dass es Anlegende gibt, die nicht in Unternehmen investieren wollen, die auf eine klimaschädliche Verstromung von Kohle setzen, die Atomenergie fördern oder Kinderarbeit dulden. Mit ihrer Geldanlage wollen sie ganz gezielt soziale oder umweltfreundliche Projekte wie beispielsweise den Bau von Schulen oder Solarparks fördern. 

Die Nachfrage steigt, das Angebot ebenfalls. Die privaten Investitionen in grüne Fonds oder Festgelder haben sich 2021 im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Der Betrag lag bei 409 Milliarden Euro. Der Anteil nachhaltiger Geldanlagen am Gesamtmarkt ist von 6,4 Prozent auf 9,4 Prozent gestiegen. Insgesamt halten private Anleger*innen über 131 Milliarden Euro in diesem Bereich - ein neuer Rekordwert. 

Aktuell besitzt die Mehrheit der Geldanlegenden noch keine nachhaltige Anlage, das zeigt eine Befragung von Forsa im Auftrag der Verbraucherzentrale (VZ) Bremen. Aber: Der Anteil derer, die ihr Geld nachhaltig anlegen, ist gegenüber 2013 deutlich von fünf auf 22 Prozent gestiegen. Insbesondere junge Leute unter 30 Jahren suchen nach einer nachhaltigen Geldanlage.

Qualitätssiegel fehlen noch

Noch gibt es keine einheitlichen Mindeststandards für nachhaltige Geldanlagen und kein unabhängiges Verbraucherlabel. Hinter den Namenszusätzen wie "ökologisch", "sozial", "ethisch", "grün" oder "klimafreundlich" verbergen sich ganz unterschiedliche Kriterien. Jeder Anbieter kann etwas anderes darunter verstehen. Um beurteilen zu können, ob die Geldanlage deinem Verständnis von Nachhaltigkeit entspricht, musst du dich genau bei jeder konkreten Anlage informieren. 

Helfen können die sogenannten ESG-Kriterien.

  • E steht für Environment: Bewertet werden zum Beispiel Energie- und Wasserverbrauch, Umweltverschmutzung oder Müllproduktion eines Unternehmens.
  • S steht für Social: Dieses Kriterium beschreibt die Einhaltung von Menschenrechten oder Arbeitsbedingungen, aber auch die Innovationskraft und das Management der Lieferkette.
  • G steht für Governance: Auf dem Prüfstand stehen die Aktivitäten von Geschäftsführung und Aufsichtsrat sowie der Umgang mit den Anteilseignern.

Manche Fonds schließen Unternehmen bestimmter Branchen aus – etwa Kriegswaffen, Alkohol und Tabak, Pornografie, Glücksspiel oder genetisch veränderte Lebensmittel. Andere Fonds fokussieren sich auf die Unternehmen, die in einer Branche am nachhaltigsten arbeiten – ohne dabei einzelne auszuklammern. 

Achtung bei Greenwashing

Mit dem sogenannten "Greenwashing" geben sich Unternehmen oder Produkte einen grünen Anstrich, obwohl ihr operatives Geschäft alles andere als nachhaltig ist. Ein Produkt wird als nachhaltig beworben, ohne es wirklich zu sein. Dies liegt auch an der fehlenden allgemeingültigen Definition des Begriffs der Nachhaltigkeit.

Im Netz lassen sich Beispiele für Greenwashing finden:

  • Die Börsenzeitung berichtet, von einer Studie von Citywire, wonach ein Drittel der nach der EU-Offenlegungsverordnung gemäß Artikel 8 und Artikel 9 nachhaltigen Fonds in umstrittenen Waffen engagiert ist. Dies betrifft immerhin 1.625 Fonds von insgesamt 4.880 Fonds, für die bis Ende Dezember 2021 Daten zu ihren Beständen vorgelegen haben.
  • Erheblichen Vorwürfen, Greenwashing zu betreiben, war die DWS ausgesetzt. Desiree Fixler, der ehemaligen Leiterin für Nachhaltigkeit bei der DWS, warf dem Tochterunternehmen der Deutschen Bank vor, nur eine schwache Prüfung der ESG-Kriterien bei ihren Fonds vorzunehmen. Die Vorwürfe von Fixler wies DWS als unbegründet zurück. In ihrem Geschäftsbericht 2021 ist keines der kritisierten sogenannten "ESG-integrierten" Vermögen mehr ausgewiesen.
  • Das Online Magazin BASIC-thinking benennt in einem Artikel die "10 verlogensten Greenwashing-Kampagnen aller Zeiten". Darunter finden sich Unternehmen wie Nespresso, Primark, McDonald’s oder Aldi

Eine zweite schwierige Baustelle ist das "Impact-Washing". Dabei geht es um Geldanlagen, Impact Investments, die eine messbar positive und sozial-ökologische Wirkung neben der finanziellen Rendite erzielen sollen. Deshalb musst du deine beratende Person fragen: Was können Öko-Fonds überhaupt bewirken? Wie lässt sich der Effekt messen? An wen geht das Geld und wie lässt sich verhindern, dass das Investment die unerwünschten Unternehmen unterstützt? Eine Gruppe von acht Banken und Vermögensverwaltungen hat eigene Leitlinien gegen irreführende Vermarktungen sogenannter Impact-Fonds aufgestellt. 

Falsche Mythen ausräumen

Es gibt Mythen zur nachhaltigen Geldanlage ("Öko-Fonds"), die immer noch funktionieren, aber keine Berechtigung haben:

  • Keine Rendite? Von wegen. Nachhaltige Investments schneiden in der Regel gut ab. Nachhaltigkeit und Rendite schließen sich also nicht aus. 
  • Waffen, Tabak, Kohle - das sind die Probleme der Vergangenheit: Nachhaltigkeitsthemen verändern sich. Standen zunächst Themen wie Alkohol, Tabak und Waffen in der Kritik, rückt jetzt immer mehr der Energiesektor in den Fokus. Auch soziale Gesichtspunkte und gute Unternehmensführung (Balance der Geschlechter, Vielfalt) gewinnen an Aufmerksamkeit.
  • Fonds können nicht grün sein: Jeder Anbieter muss einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. Darin lässt sich erkennen, ob sich das Unternehmen selbst strenge Auflagen gibt. 
  • Betriebe arbeiten nicht ökonomisch: Betriebe, die die Gefahren des Klimawandels erkennen und die Herausforderungen frühzeitig angehen, sind zukunftsstark.
  • Bringt ja doch alles nichts: Wer nachhaltig investiert, erhöht den Druck auf Unternehmen und Staaten, ihrer Verantwortung gegenüber unserer Gesellschaft nachzukommen. 
  • Nachhaltige Geldanlagen sind kompliziert: Das stimmt schon. Geld in nachhaltige Anlageformen zu investieren, wird aber immer einfacher.

Ein gutes Gewissen hilft am Ende nichts, wenn du Verluste machst. Wie eine nachhaltige Geldanlage funktioniert und welche Tücken dabei lauern, erklärt eine Tipp-Serie der Verbraucherzentrale NRW.

Wo du jetzt Geld nachhaltig anlegen kannst

Die Entscheidung, was die richtige, oder besser gesagt, die passende Anlage ist, kann dir niemand abnehmen. Aber es gibt ein paar Hilfen im Netz, die du nutzen kannst: 

  • Die Webseite Geld bewegt ist ein Angebot der Verbraucherzentrale (VZ) Bremen. Die Bremer haben die Federführung beim Thema nachhaltige Kapitalanlage bei allen VZ. Auf dieser Seite gibt es Hilfestellungen und weiterführende Informationen sowie Marktübersichten zu Banken mit Nachhaltigkeitstandards und deren Sparprodukten und Girokonten. Die VZ Bremen ist eine Top-Adresse.
  • Gemeinsam mit Finanztest hat die Verbraucherzentrale Bremen im Jahr 2014 eine Untersuchung zu ethisch-ökologischen Investmentfonds durchgeführt. Die Ergebnisse aus 2014 waren die Basis für die weiteren Untersuchungen, die letzte am 15.3.2022, die 184 Nachhaltigkeitsfonds untersucht. Der Nachteil hier: diese Information ist nicht kostenlos (5 Euro).
  • Wenn du erwägst, dein Geld in ETF-Fonds anzulegen, solltest du diesen Ratgeber von Finanztip lesen, um den Einstieg so einfach wie möglich zu gestalten.  
  • Der Fair Finance Guide von Facing Finance e.V. beurteilt die Richtlinien, die Banken bei der Kreditvergabe an Unternehmen, bei ihren eigenen Investitionen und bei ihrer Vermögensverwaltung anwenden. 
  • Die Webseite des Anbieterverbands Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) kann eine weitere Orientierungshilfe sein. Dort findest du Nachhaltigkeitsprofile für Investmentfonds.

Fazit

Eine ökologisch sinnvolle Geldanlage ist möglich und lohnt sich. Aber es braucht viel eigene Recherche. Die Behauptung, da kannst du nur was für dein grünes Gewissen tun und keine Rendite erwarten, ist jedenfalls falsch.