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Steuerrecht

Kurzarbeit und Steuer: Wie teuer wird es für Arbeitnehmer?

Tausende Unternehmen haben im Zuge der Coronavirus-Pandemie Kurzarbeit angemeldet. Doch könnte das am Ende die Arbeitnehmer teuer zu stehen kommen? inFranken.de klärt auf.
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Geld - Finanzen
Schadet das Kurzarbeitergeld den Arbeitnehmern? Foto: moritz320/Pixabay

Die Coronavirus-Pandemie erweist sich in den letzten Monaten nicht nur als gefährliche Lungenkrankheit, sondern beeinflusst auch Deutschland als Wirtschaftsstandort massiv. So erklärte etwa der Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bereits Anfang Mai: „Wir stehen vor großen Herausforderungen“.

Etwa einen Monat später mahnte auch der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Lars Feld gegenüber der Funke Mediengruppe: „Der Lockdown hat länger gedauert und die Außenwirtschaft wird härter getroffen als erwartet. Vor allem im Hinblick auf die USA waren wir deutlich zu optimistisch", sagte der Freiburger Wirtschaftsprofessor.

Kurzarbeit war notwendig? Darum müssen Sie jetzt aufpassen

Ein Indikator dafür ist beispielsweise die Prognose für das Bruttoinlandsprodukt 2020. Das liege etwa zwischen minus sechs und minus sieben Prozent verglichen mit den Vorjahreszahlen. Selbst die Auswirkungen der Finanzkrise 2009 waren nicht so drastisch, denn damals war das Bruttoinlandsprodukt um 5,7 Prozent eingebrochen.

Um diese drastische Entwicklung abzufedern hat die deutsche Regierung sowohl mit Sofortmaßnahmen, als auch mit Hilfsprogrammen versucht, Unternehmen zu unterstützen. Die Folge: Viele Unternehmen schickten Beschäftigte in Kurzarbeit. Denn: Wenn Unternehmen wirtschaftlich im Schieflage geraten, dann können sie die Angestellten entweder komplett oder auch nur teilweise in Kurzarbeit schicken, ohne Mitarbeitern direkt kündigen zu müssen.

Parallel kann der Arbeitgeber bei der Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeitergeld beantragen. Für die Angestellten bedeutet das, dass sie entweder weniger oder gar nicht arbeiten müssen, trotzdem aber rund 60 Prozent des Nettolohns ausgezahlt bekommen. Angestellte mit einem Kind haben sogar Anspruch auf sieben Prozent mehr. Doch die Sache hat einen Haken.

Der Haken am Kurzarbeitergeld: Steuernachzahlungen in Aussicht?

Der Fachanwalt für Steuerrecht, Frank Rozanski, erklärt, dass einigen Arbeitnehmern in Kurzarbeit eine böse Überraschung zuteilwerden könne. De facto könnte eine Steuernachzahlung drohen. Als Hauptgrund macht der Steuerexperte den sogenannten Progressionsvorbehalt aus. Der beschreibt den variablen Einkommensteuersatz von 14 Prozent bis zu 45 Prozent. Dieser Progressionsvorbehalt ist also eine Regelung, um Besserverdienende dazu zu bringen, mehr Steuern zu zahlen. „So soll Steuergerechtigkeit geschafft werden“, meint Rozanski.

Grundsätzlich ist das Kurzarbeitergeld zwar steuerfrei, trotzdem ist es aber von dem Progressionsvorbehalt betroffen. Der Bund der Steuerzahler erklärt das Phänomen so: „Praktisch heißt das, dass durch das Kurzarbeitergeld der Steuersatz und damit die Steuerbelastung für das übrige Einkommen steigt“. Wie viel höher die Steuerbelastung aber genau ist, das sei erst nach der Abgabe der Steuererklärung ersichtlich. In dem Zeitraum, in dem der Angestellte normal arbeite, ziehe der Arbeitgeber die Lohnsteuer vom Gehalt ab. Bei der Einkommensteuererklärung werde dann berechnet, wie viel Steuern der Angestellte für sein Gehalt in Verbindung mit dem Kurzarbeitergeld bezahlen müsse und auch, wie viel Steuern durch den Lohnsteuerabzug bereits beglichen seien.

Dabei sei es möglich, dass bei manchen Arbeitnehmern der Lohnsteuerabzug schon so hoch war, dass ihnen eine Steuererstattung zustehe. Bei anderen werde eine teils sehr teure Nachzahlung fällig. „Bezieht ein Arbeitnehmer für einen gewissen Zeitraum zu hundert Prozent Kurzarbeitergeld, ohne also noch stunden- oder tageweise die Woche zu arbeiten, ergibt sich fast immer eine Erstattung“, erklärt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine (BVL) gegenüber der Frankfurter Rundschau. „Das Kurzarbeitergeld erhöht nachträglich zwar auch hier den Steuersatz, gleicht aber in der Regel nicht das fehlende Einkommen aus“, ergänzt der Experte.

Was genau muss ich als Arbeitnehmer in Kurzarbeit jetzt befürchten?

Trotzdem kann es unter Umständen zu Steuernachzahlungen kommen, ist sich Steuerexperte Rozanski sicher. Beispielsweise, wenn die Kurzarbeit nur zu 50 Prozent stattfinde. Übersetzt in die Arbeitspraxis: Wenn der Beschäftigte die Hälfte der Zeit normal weiterarbeitet. Dafür bekommt er 50 Prozent seines normalen, voll steuerpflichtigen Gehaltes. Jedoch sei der Steuersatz für den Lohnsteuerabzug Apriori niedriger als der für das volle Jahresgehalt zu bezahlende Steuersatz. Die Folge dieses Konglomerates an unterschiedlichen Steuer-Regelungen sei, dass das Gehalt aus der Zeit der Kurzarbeit zu niedrig versteuert werde, erklärt der Fachanwalt für Steuerrecht Frank Rozanski. Daher müsse man mit regelmäßigen Steuernachzahlungen rechnen.

Doch nicht nur dieser Umstand könnte sich im Geldbeutel bemerkbar machen: Ehe- oder Lebenspartner mit unterschiedlichen Steuerklassen oder in der Selbstständigkeit könnten besonders hart von den Nachzahlungen getroffen werden. Ebenfalls bedingt, durch den Progressionsvorbehalt.

Wichtig aber: Hat man während der Coronavirus-Pandemie Kurzarbeitergeld bekommen, heißt das nicht automatisch, dass eine Steuernachzahlung fällig wird. Denn: Der Umfang der Kurzarbeit ist entscheidend. Rozanski erklärt: „Aufpassen müssen diejenigen, die nur zu einem Teil Kurzarbeitergeld beziehen, im Übrigen aber ganz normal ihren vereinbarten Arbeitslohn erhalten.“ Seiner Ansicht nach müssten vor allem betroffene und zusammenveranlagte Ehegatten und Lebenspartner mit negativen steuerlichen Auswirkungen der Kurzarbeit rechnen.

Generelle Aussagen seien seiner Meinung nach aber nicht möglich. Im Zweifelsfall gelte: Lieber einen Steuerberater kontaktieren und sich für seinen individuellen Fall die fällige Einkommensteuer und eine mögliche Steuernachzahlung ausrechnen lassen.