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Inflationsrate steigt: Kann man mit Sachwerten sinnvoll gegensteuern?

Wenn die Inflation steigt, verliert Geld zunehmend an Wert. Neben der Kaufkraft reduziert sich somit auch das Geldvermögen. Mit Investitionen in Sachwerte kann man sich gegen den Wertverlust absichern.
Bei steigender Inflation werden Waren teurer.
Bei steigender Inflation werden Waren teurer. Foto: CC0 / Pixabay / stevepb
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  • Inflation einfach erklärt 
  • Wie Inflation entsteht 
  • Geldwerte und Sachwerte
  • Strategie gegen Wertverlust

Inflation (aus dem lateinischen inflatio) bedeutet soviel wie "aufblähen" und beschreibt den Prozess einer Geldentwertung in indirekter Folge einer zunehmenden Geldmenge. Inflation wird auch als Teuerungsrate bezeichnet, weil sie mit einem Prozentwert zum Ausdruck bringt, um wie viel sich der künstliche Warenkorb, in dem sich 650 Positionen befinden, verteuert hat. Der Warenkorb wird vom Statistischen Bundesamt fiktiv zusammengestellt und enthält einen repräsentativen Querschnitt aller gekauften Waren und Dienstleistungen in DeutschlandVor allem sind es aktuell Energiekosten (Strom, Gas) und Benzinpreise, die den Warenkorb preislich nach oben drücken. 

So entsteht Inflation

Märkte (auch Geldmärkte) funktionieren einfach gesagt nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Je mehr von etwas vorhanden ist, desto geringer sein Wert (Preis). Knappe Güter dagegen besitzen einen hohen Wert und sind entsprechend preislich teurer. Fällt z.B. wegen einer langen Trockenperiode die Getreideernte geringer aus, wird Getreide knapp und damit auch Brot teurer. Nimmt auf dem Geldmarkt die Geldmenge zu, steigt das Geldangebot, der Wert aber sinkt. Weil die Anbieter von Waren auf gleichem Niveau verdienen möchten, und auch sie höhere Beschaffungskosten haben, sind die Folge Preissteigerungen. Wenn zugleich noch im Gesamtkreislauf Löhne und Gehälter langsamer steigen als die Preise, nimmt zudem die Kaufkraft weiter ab. 

Beispiel: In einer Volkswirtschaft beträgt die Geldmenge 1.000 €. Du verdienst 50 € im Monat und kannst  dafür beispielsweise 50-mal für je 1 € in einem Restaurant essen. Steigt nun die Geldmenge um 100 € auf 1.100 € (also um 10%), wird das Restaurant, um auf seinem gleichen (nominalen) Niveau bleiben zu können, den Preis auch um 10% auf 1,10 € pro Besuch anheben (100/1000 + 1 = 1,1). Weil deine Gehaltserhöhung aber z.B. nur 2% beträgt, kannst du jetzt mit 51 € nur noch 46-mal im Restaurant essen gehen. Obwohl du mehr verdienst, kannst du dir aufgrund der überproportionalen Preissteigerung weniger leisten. Dein Geld ist weniger wert. Inflation bezeichnet also in dem Beispiel ein gestiegenes Preisniveau in Folge einer Geldmengenausweitung.

Die Steuerung der Geldmenge ist in Europa Aufgabe der Europäischen Zentralbank (EZB). Priorität hat dabei die Preisstabilität und damit auch eine stabile Inflationsrate. Diese soll "niedrig, stabil und berechenbar" bei mittelfristig 2 % liegen. Da die Inflation derzeit mit knapp 5 % deutlich über diesem Wert liegt, macht sich die Sorge einer fortschreitenden Geldentwertung breit. Die Deutsche Bundesbank rechnet erst in den Jahren 2023 und 2024 wieder mit einer Inflationsrate etwas oberhalb von 2 %.   

Unterschied zwischen Geld- und Sachwerten

Zu deinen Geldwerten zählt in erster Linie dein Bargeld, das du entweder auf deinem Girokonto, deinem Sparbuch oder aber, mit Blick auf die niedrigen Zinsen nur geringfügig besser, auf deinem Festgeldkonto hast. Auch festverzinsliche Anleihen, eine klassische Lebensversicherung oder ein Bausparvertrag zählen zu Geldwerten. Unter Sachwerten versteht man hingegen Immobilien, Grundstücke, Aktien oder auch Schmuck, Oldtimer, Gold und Kunst (Gemälde, Skulpturen etc.).

Bei Geldwerten bist du Gläubiger (einzige Ausnahme ist das Bargeld in deinem Portemonnaie; daher heißt es auch "Nur Bares ist Wahres"). Bei Sachwerten bist du Eigentümer. Dein Geld auf dem Konto ist streng genommen nur eine Verbindlichkeit deiner Bank dir gegenüber. Sie verwahrt es für dich und zahlt dir dafür Zinsen. Aktuell leider eher weniger bzw. sie verlangt ggf. sogar sogenannte "Strafzinsen". Zwar bist du  Eigentümer des Kontos, aber nicht des Guthabens. Bei den Sachwerten, wie Autos, Häusern oder auch Aktien bist du aber der Eigentümer - selbst wenn du sie mit Krediten (einem Geldwert) finanziert hast.   

Mit Blick auf die Inflation wird nun deutlich, warum der Wertverlust bei Geldwerten unmittelbarer erfolgt als bei Sachwerten. Wenn du 100 € auf deinem Konto hast, sind diese bei einer Inflationsrate von 5% nur noch 95 € wert. Sachwerte dagegen behalten (meist) ihren Wert oder können ihn im Lauf der Zeit sogar steigern. Die potenzielle Wertentwicklung ist jedoch risikobehaftet und lässt sich nicht dauerhaft verlässlich prognostizieren. Ob dein Haus in 10 Jahren vielleicht doppelt so viel wert ist, als zum Zeitpunkt des Kaufs bzw. der Erstellung, hängt vom Immobilienmarkt und seiner individuellen Preisbildung (Angebot und Nachfrage) ab. Hier kommt es also immer auch auf den richtigen Zeitpunkt an. Genauso verhält es sich z.B. bei Investitionen in Aktienpapiere.   

Strategien gegen Wertverlust

Eine steigende Inflation bringt klassische Sparer aktuell in doppelte Not. Denn einerseits herrscht immer noch ein niedriges Zinsniveau, womit sich eine zinsgebundene Anlage kaum lohnt. Andererseits verringert eine steigende Inflation zusätzlich das bestehende Geldvermögen. Von daher bieten sich durchaus Strategien an, in Sachwerte zu investieren.

Da diese aber auch mit erhöhtem Risiko verbunden sind, solltest du mit Augenmaß und Vorsicht vorgehen. Deine Risikobereitschaft ist ein maßgeblicher Faktor für deine Investitionsstrategie.  

Experten raten immer zu einem Mix aus Anlagen sowohl in Geld- als auch Sachwerte. Das setzt natürlich voraus, über gewisse Mittel auch zu verfügen, um sie entsprechend streuen zu können. Wichtig neben dem Risiko ist zudem die Perspektive. Für Sachwerte solltest du z.B. mindestens einen Anlagezeitraum von zehn- bis zwanzig Jahre einkalkulieren. Hiervon solltest du nicht abhängig sein. Denn ein notgedrungenes vorzeitiges Abstoßen solcher Vermögenswerte können hohe Verluste bedeuten. Du solltest daher auch in Anlageformen investieren, die eine kurz- und mittelfristige Perspektive haben. So bleibst du im Notfall flüssig, ohne große Verluste.

Mögliche Anlageformen im Überblick

  • Rückwirkend betrachtet, erwirtschaften Aktien langfristig höhere Renditen als verzinsliche Sparanlagen. Kurzfristig kann das jedoch anders aussehen, wenn beispielsweise ein Börsencrash die Kurse in den Keller fallen lässt. Dann ist ein langer Atem gefragt. Denn einen Verlust realisierst du erst dann, wenn du die Aktien verkaufst. Wenn du nicht darauf angewiesen bis, weil du z.B. auch über kurzfristige Geldanlagen verfügst, kannst du warten, bis sich die Kurse wieder erholen und der Wert deines Aktienpaketes steigt.
  • ETF-Sparpläne (Exchange-Traded-Fund) sind ein idealer Einstieg für junge Menschen und z.B. Berufseinsteiger. Das herkömm­liche Sparen ist wegen des langanhaltenden geringen Zinsniveaus keine sinnvolle Alternative. Mit einem ETF-Sparplan kannst du bereits mit geringen monatlichen Summen in interna­tionale Aktienmärkte einsteigen. Bleibst du lange dabei, hast du renditestarke Aussichten. In Abgrenzung zu klassischen Aktien (einzelnen Unternehmenswerten) bilden ETFs (risikoärmer) einen Aktienindex wie z.B. den DAX ab. Du kaufst also breit gestreuter, als wenn du einzelne Aktien kaufst und dabei auf Kurssteigerungen hoffst.
  • Besonders flexibel bist du, wenn du einen Mix aus Tages­geld und einem Aktien-ETF wählst. Hierbei kannst du die Mischung nach deinen eigenen Wünschen gestalten. So kannst du z.B. mit einem hohen oder eher niedrigen Anteil (25 %, 50 %, 75 %) an Aktien-ETF deine Risikobereitschaft steuern. Bei einem hohen Anteil solltest du von einer eher langfristigen Perspektive ausgehen, da kurzfristig Wert­schwankungen zu erwarten sind. Der entsprechende Anteil an Tagesgeld ermöglicht dir Flexibilität und kurzfristige Liquidität.
  • Offene Immobilienfonds gelten als risikoarme Anlageform. Hier beteiligst du dich mit verhältnismäßig überschaubaren Beträgen an Immobilienprojekten wie Bürogebäuden, Logistikzentren oder Shopping-Centern. Die Renditen sind i.d.R. solide und wenig schwankend. Anteilsscheine kannst du jederzeit erwerben oder veräußern (daher offen).
  • Vorsicht bei Kryptowährungen und geschlossenen Beteiligungen. Kryptowährungen zählen zu den sog. digitalen Vermögenswerten (Coins oder Token) und fungieren als Tauschmittel. Du erwirbst sie über Krypto-Börsen und sicherst sie über die Blockchain-Technologie in sog. Wallets. Kryptowährungen wie z.B. Bitcoins sind sehr risikobehaftet und unterliegen hohen Schwankungen. Bei geschlossenen Beteiligungen kannst du im Gegensatz zu offenen Beteiligungen nicht zu jederzeit Anteile erwerben oder veräußern. Hier gibt es eine im Vorfeld festgelegte Anzahl an möglichen Investoren. Diese Zweckgesellschaft investiert dann in eine einzelne Immobilie. Bei der Anlageform werden höhere Renditen in Aussicht gestellt, dabei tragen die Investoren aber auch das unternehmerische Risiko der Investition. Daher gelten geschlossene Immobilienfonds als deutlich risikoreicher.

Wenn du mehr zum Thema Niedrigzinsen und ihren Auswirkungen wissen möchtest, dann schau gerne hier vorbei. Außerdem: Die besten Geldanlagen, die kaum jemand kennt: Lego-Sets, Whisky, Comic-Hefte & Co.