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Finanztest

Girokonten im Test: Kaum mehr kostenlose Konten, aber verstecke Kostenfallen - Vergleich von 127 Banken

Mehr als 60 Euro im Jahr sollte ein Girokonto nicht kosten. Die Stiftung Warentest vergleicht laufend die Girokonten von 127 Geldinstituten. Dabei ist Online-Banking die günstigste und unter bestimmten Bedingungen sogar kostenlose Variante.
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Ein Girokonto muss nicht teuer sein. Stiftung Warentest vergleicht die Konten verschiedener Banken und berät mit einem Produktfinder. Foto: Angelika Warmuth/dpa
Ein Girokonto muss nicht teuer sein. Stiftung Warentest vergleicht die Konten verschiedener Banken und berät mit einem Produktfinder. Foto: Angelika Warmuth/dpa

Kontoführungsgebühren müssen nicht immer sein. Bei einem Vergleich verschiedener Girokonten der Stiftung Warentest, der in der Septemberausgabe der Zeitschrift "Finanztest" veröffentlicht wurde, sind noch 22 Kontomodelle gratis. Dafür müssen allerdings einige Bedingungen erfüllt sein: Das Konto muss zum Beispiel online und als Gehalts- oder Rentenkonto geführt werden.

Ab Mitte September wird das Verwalten der Finanzen übers Internet durch die neue EU-Zahlungsrichtlinie (PSD 2) aber aufwendiger.

Bei den Gratiskonten gibt es den Testbedingungen nach keinen monatlichen Grundpreis, alle Onlinebuchungen sind inklusive, die Girocard ist kostenlos.

 

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Stiftung Warentest: Vergleich verschiedener Girokonten

Anhand eines Modellkunden hat die Stiftung Warentest die unterschiedlichen Kontomodelle verglichen und ausgewertet. Da die Banken ihre Gebühren relativ frei festlegen können, schwanken die Kosten auch regional sehr stark.

Die Girocard der Sparda Hessen und München ist beispielsweise kostenlos, die der Sparda-Banken West und Ostbayern kosten hingegen 12 Euro im Jahr. Weitere 24 Angebote waren bei einem bestimmten Mindestgeldeingang oder nach dem Kauf von Genossenschaftsanteilen günstig oder kostenlos, so Stiftung Warentest.

Kostenlose Konten meist nur noch bei Direktbanken

Filialbanken mit Gratiskonten gibt es im Test dieses Jahres nur noch selten. Lediglich vier überregionale Angebote und neun regionale bieten noch kostenlose Girokonten mit Ansprechpartnern vor Ort an: Bei den überregionalen sind das die Degussa Bank, die VR Bank Niederbayern-Oberpfalz, die Bank im Bistum Essen und die Sparda Hessen. Regionale Anbieter mit kostenlosen Girokonten und Filialen vor Ort sind zum Beispiel die PSD München und Nürnberg und die Sparda München.

Den Großteil der kostenlosen Kontoanbieter machen aber Direktbanken, also Banken ohne Filialen, aus. Hier punkten unter anderem die Comdirekt Bank, DKB, ING und Norisbank.

 

 

Girokonten: Kontoführung von null bis 60 Euro im Jahr akzeptabel

Die 69 Girokonten mit Preisen von bis zu 60 Euro im Jahr seien "noch recht günstig" und somit ebenfalls eine Überlegung wert, meint die Stiftung Warentest. Alle anderen Konten, die diesen Jahrespreis übersteigen, seien für Kunden, die keinen speziellen Service brauchen, zu teuer.

Folge der Finanzkrise 2008: Immer weniger kostenlose Girokonten

Vor der Finanzkrise im Jahr 2008 habe es noch deutlich mehr kostenlose Girokonten gegeben, berichtete Stephanie Pallasch von Stiftung Warentest: "Sie dienten in erster Linie der Kundengewinnung. Denn wenn der Kunde als einziges Produkt nur ein kostenloses Girokonto hat, kann sich das nicht rechnen. Dahinter steckt eine Dienstleistung, die Banken und Sparkassen Geld kostet."

Versteckte Kostenfalle: Extrakosten für bestimmte Leistungen

Rund 60 Prozent der Verbraucher führen ihr Konto inzwischen online übers Tablet, Smartphone oder den Computer. Bestimmte Leistungen können die jährlichen Kosten eines günstigen Online-Kontos aber nochmals immens in die Höhe treiben: Teuer werden kann es bei Leistungen, die nicht über das Online-Banking ausgeführt werden. Dazu gehören zum Beispiel die Gebühren für Überweisungen, die in Papierform bis zu 4,90 Euro (Comdirekt Bank) kosten können, und persönliche Telefongespräche, die bei der Targobank mit 3,50 Euro pro Telefonat zu Buche schlagen.

 

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Bargeldabhebung fast ausschließlich bei eigenem Kreditinstitut kostenfrei

Auch das Abheben von Bargeld an einem Automaten eines anderen Kreditinstituts oder Bankenverbunds, bei dem die eigene Bank kein Mitglied ist, kann mit bis zu sechs Euro pro Abhebung teuer werden, bei einigen Banken ist die Bargeldabhebung auch am eigenen Automaten nicht kostenfrei: Kunden der DKB beispielsweise zahlen zehn Euro pro Abhebung, wenn sie ihr Geld mit der Girocard statt mit einer Kreditkarte am Automaten holen.

Nur mit den Visakarten der DKB und Santander können Kunden mit kostenlosen Girokonten weltweit gebührenfrei bezahlen und Geld abheben, die ebenfalls kostenlose Barclaycard ist dagegen nicht an ein Girokonto gekoppelt.

Geldautomaten: Sparkassen einsamer Spitzenreiter

Geld abheben können am besten die Kunden der Sparkassen-Finanzgruppe. Sie ist mit einer Anzahl von 23.600 Automaten in ganz Deutschland Spitzenreiter, danach folgen die Automaten der VR-Banken, zu denen auch die PSD-Bank gehört, mit über 18.000 Stück. Am wenigsten Automaten gibt es mit einer Anzahl von 1200 von der ING. Wenn gerade kein passender Geldautomat in der Nähe ist, kann auch beim Einkaufen kostenlos Bargeld abhoben werden, das gehe laut Warentest teilweise bereits ab einem Einkaufswertvon fünf Euro.

Girokonten: Rund 70 Millionen Konten im Jahr 2018

Die große Beliebtheit der Sparkassen und Landesbanken zeigt sich auch in den Angaben von statista, nach denen im Jahr 2018 die meisten Girokonten mit knapp 43 Millionen bei Landesbanken und Sparkassen und dagegen wesentlich weniger (27 Millionen) bei genossenschaftlichen Zentralbanken und Kreditgenossenschaften geführt wurden.

Generell sind die Deutschen sehr verantwortungsbewusst in Sachen Finanzen, auch Kredite zahlen die allermeisten zurück, wie die Schufa bestätigt.

 

Kontowechsel: Wie läuft das ab?

Wer für seine Kontoführung mehr als 60 Euro im Jahr bezahlt, sollte über einen Wechsel nachdenken. Manchmal können Kunden auch schon bei einem Wechsel innerhalb der Bank sparen. Alternativen gibt es auf jeden Fall genug - aber wie geht es nach der Entscheidung für ein neues Konto weiter?

Wie läuft der Wechsel in der Praxis ab?

Die alte und neue Bank sind seit September 2016 gesetzlich verpflichtet, zusammenzuarbeiten, erklärt Erk Schaarschmidt, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Brandenburg. Verbraucher eröffnen dafür zunächst ein neues Konto. "Per Musterformular werden beide Banken vom Kunden ermächtigt und beauftragt, Daten auszutauschen", so Schaarschmidt. Ob online oder in der Filiale, komme auf das Institut an.

"Die alte Bank muss zum Beispiel mitteilen, welche Daueraufträge, Terminüberweisungen und Lastschriftmandate eingetragen sind", erklärt Schaarschmidt. Außerdem muss sie die neue Bank über die eingehenden Überweisungen und Lastschriften aus den vergangenen 13 Monaten informieren. So soll sichergestellt werden, dass nichts vergessen wird.

Der Kunde entscheidet dann, welche Aufträge die neue Bank ausführen soll. "Sie muss das zügig umsetzen und etwa Zahlungsempfänger informieren", sagt Schaarschmidt. Das Restguthaben wird vom alten Konto aufs neue übertragen.

Wie viel Zeit vergeht dabei?

Die gesetzlichen Vorgaben im Zahlungskontengesetz sind klar: "Nach zwei Wochen sollte der Wechsel vollzogen sein", sagt Schaarschmidt. Vereinzelt habe es Beschwerden von Verbrauchern gegeben, dass es länger dauert.

Wann sollte man sein altes Konto kündigen?

Die alte Bank darf Daueraufträge nicht mehr ausführen und Lastschriften nicht mehr akzeptieren. Der Kunde bestimmt, wenn das Konto geschlossen wird. Damit der Wechsel reibungslos klappt, sollten Kunden ihr bisheriges Konto erst dann kündigen, wenn alle Vorgänge übertragen worden sind, rät die Stiftung Warentest.

Verbraucherschützer Schaarschmidt empfiehlt Kontoinhabern außerdem, zu prüfen, dass alle Zahlungsempfänger und Einzahlenden Bescheid wissen: "Sichergehen kann ich nur, wenn ich meinen Arbeitgeber, Vermieter, Versicherungen, die Stadtwerke und so weiter selbst informiere - per Mail oder schriftlich - und eine Bestätigung einhole, dass sie die Kontoänderung vorgenommen haben." Alternativ könne das alte Konto noch zwei bis drei Monate parallel bestehen bleiben, falls Zahlungen vergessen wurden.

Was, wenn es Probleme gibt?

Rechtlich stehen sowohl die alte als auch die neue Bank für Probleme ein. "Wenn der Kontowechsel nach drei Wochen immer noch nicht vollzogen ist, sollte die neue Bank um schriftliche Stellungnahme innerhalb weniger Tage gebeten werden. Klappt es dann immer noch nicht, hilft eine Beschwerde bei der Bankenaufsicht Bafin", rät Schaarschmidt.

Kostet der Wechsel?

"Die Kündigung darf nichts kosten", sagt Schaarschmidt. Entgelte dürfen die beiden Banken für den Service nur erheben, wenn dies mit dem Kunden vereinbart wurde.

Müssen Kunden die Kontowechselhilfe nutzen?

Nein. Verbraucher können auch selbst eine Liste erstellen, welche Zahlungseingänge und -ausgänge auf ihr neues Konto umziehen sollen und dies der neuen Bank melden. Manche Banken bieten zudem einen eigenen Service, mit dem sie Kunden unterstützen, erklärt die Verbraucherzentrale.

Was sollten Kunden bei der Suche eines neuen Kontomodells beachten?

Die Stiftung Warentest empfiehlt, zunächst zu prüfen, ob die bisherige Bank ein passendes, günstigeres Kontomodell anbietet. Schon so könne man oft sparen.

Was allgemein in die Überlegungen miteinfließen kann, zählt Schaarschmidt auf: Dazu gehören die Kosten für Kontoführung, Überweisungen und die Girokarte, ein kostenfreies Geldautomatennetz, die Höhe der Dispozinsen und der Service. Für viele wichtig: Gibt es Filialen und wenn ja, wie nah sind diese?

Den kompletten Girokonto-Vergleich der Stiftung Warentest mit Details über 294 Kontomodelle von 127 Banken lesen Sie kostenpflichtig auf der offiziellen Webseite.

 

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zaf/ dpa

 

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