Deutschland
Entlastungspaket

Entlastung für Steuerzahler: Grundfreibetrag, Pendlerpauschale und Co. - das wurde beschlossen

Steuerzahler*innen können sich freuen: Der Grundfreibetrag bei der Einkommenssteuer wurde bereits Anfang 2022 erhöht. Jetzt wurde eine weitere Anhebung beschlossen. Es wurden außerdem Anpassungen bei der Pendlerpauschale und der Werbungskostenpauschale vorgenommen.
Steuererklärung
Der Grundfreibetrag ist ein festgelegtes Existenzminimum. Bis zu diesem Betrag werden keine Steuern erhoben. Foto: CosmosDirekt/Adobe Stock/obs (Symbolbild)
  • Der Grundfreibetrag ist im Januar 2022 gestiegen
  • Wir erklären kurz und knapp, was der Grundfreibetrag ist
  • Das bedeutet die Erhöhung für Ledige und Verheiratete
  • Jetzt könnte eine weitere Anhebung Steuerentlastungen in Milliardenhöhe bringen
  • Opposition kritisiert: Einige Entlastungen erst im kommenden Jahr spürbar

Mit dem 1. Januar 2022 ist der sogenannte Grundfreibetrag der Einkommensteuer gestiegen – eine Änderung von vielen, die 2022 in Sachen Steuern vollzogen wird. Steuerzahler*innen steht nun etwas mehr Geld steuerfrei zur Verfügung, denn der Grundfreibetrag ist um 204 Euro angestiegen. So berücksichtigt die Bundesregierung die gestiegenen Lebenshaltungskosten in Deutschland. Wegen der hohen Preise beim Heizen, Autofahren und im Supermarkt hat die Bundesregierung jetzt mehrere Entlastungspakete auf den Weg gebracht.

Grundfreibetrag 2022 angehoben: Diesen Arbeitnehmern bleibt mehr Geld

Mit der Anhebung des Grundfreibetrags sollte bereits im Januar dieses Jahres das Existenzminimum für Erwachsene steuerfrei gestellt werden. Konkret bedeutet das:

  • Für Ledige ist der Betrag im Januar auf 9984 Euro, das sind rund 240 Euro mehr als noch 2021.
  • Für Verheiratete beträgt er 19.968 Euro, also 480 Euro mehr als 2021. 

In beiden Fällen stieg der Grundfreibetrag um etwa 2,5 Prozent. Damit kommt der Ausgleich jedoch nicht ganz an die gestiegenen Kosten: Im Dezember 2021 stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,3 Prozent. Der Grundfreibetrag ist die Grenze, ab der in Deutschland überhaupt erst Einkommensteuer fällig wird. Hat man - nach allen Abzügen wie Werbungskosten - ein Einkommen unter diesem Betrag, muss man keine Steuern zahlen.

Weitere Anhebung geplant: Bundestag will Steuerentlastungen in Milliardenhöhe beschließen

Der sogenannte Grundfreibetrag bei der Einkommensteuer wird von derzeit 9984 Euro auf 10 347 Euro angehoben. Dadurch müssen alle Steuerpflichtigen weniger Einkommensteuer zahlen - und zwar rückwirkend bereits zum 1. Januar dieses Jahres.

Der Grundfreibetrag ist die Grenze, ab der in Deutschland überhaupt erst Einkommensteuer fällig wird. Hat man - nach allen Abzügen wie Werbungskosten - ein Einkommen unter diesem Betrag, muss man keine Steuern zahlen.

Kommt man darüber, zahlt man künftig für das Einkommen ab dem 10348. Euro Steuern.

Fernpendler bekommen höhere Pendlerpauschale und Werbungskostenpauschale wird angehoben

Wer weitere Wege zur Arbeit hat, ist von den gestiegenen Spritkosten besonders betroffen. Deshalb soll die eigentlich erst in zwei Jahren anstehende Erhöhung der Pauschale für Fernpendler auf dieses Jahr vorgezogen werden. Fernpendler sind Bürger, die 21 oder mehr Kilometer zur Arbeit fahren müssen. Rückwirkend zum 1. Januar sollen sie künftig 38 Cent pro Kilometer anrechnen können, drei Cent mehr als bisher. Das soll allerdings erstmal nur bis 2026 gelten.

Die Pendlerpauschale ist in der Steuererklärung Teil der Werbungskosten. Fernpendler kommen aber in der Regel leicht über den Pauschalbetrag, profitieren von der Erhöhung also direkt. Wer weniger weit pendeln müsse, werde über eine höhere Werbungskostenpauschale ebenfalls entlastet, betont die Koalition. Vor allem bei den Grünen ist die Pendlerpauschale allerdings umstritten. Obwohl sie auch auf Bahn- oder Fahrradfahrten angerechnet werden kann, sehen sie darin eine Förderung des Autoverkehrs. Die Koalition verabredete daher, die Pauschale noch in dieser Legislaturperiode neu zu ordnen und ökologisch-soziale Belange besser zu berücksichtigen.

Ebenfalls rückwirkend zum 1. Januar soll der Arbeitnehmerpauschbetrag steigen. Das ist die sogenannte Werbungskostenpauschale, die in der Steuererklärung automatisch bei allen Arbeitnehmern berücksichtigt wird, wenn sie nicht selbst höhere Werbungskosten angeben. Bisher konnte das zu versteuernde Einkommen dadurch um 1000 Euro gedrückt werden, künftig sollen es 1200 Euro sein.

Was das den Staat kostet

Finanzminister Christian Lindner (FDP) wird wegen der steuerlichen Entlastungen allein im laufenden Jahr Steuereinnahmen von rund 4,46 Milliarden Euro verlieren - Geld, das die Bürgerinnen und Bürger zusätzlich im Portemonnaie haben. Bis zum Jahr 2026 summieren sich die Kosten auf rund 22,5 Milliarden Euro.

Durch die Entlastungen solle die "gefühlte Inflation" gedämpft werden, hatte Finanzminister Christian Lindner (FDP) bei der ersten Debatte im Parlament argumentiert. Jeder Bürger solle spüren, dass der Staat ihn entlaste. Das sei wichtig, um eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale zu verhindern, die die gesamte Wirtschaft in eine Stagflation führen könne, also einen Mix aus steigenden Preisen, wirtschaftlicher Stagnation und Arbeitslosigkeit.

Der Opposition geht das Paket angesichts der hohen Inflation allerdings nicht weit genug. Vor allem beim Thema kalte Progression müsse die Regierung handeln. So bezeichnet man eine Art schleichende Steuererhöhung, wenn eine Gehaltserhöhung komplett durch die Inflation aufgefressen wird, aber dennoch zu einer höheren Besteuerung führt. Ebenfalls kritisiert wird, dass die steuerlichen Entlastungen erst mit der Steuererklärung für 2022 spürbar werden, also erst im kommenden Jahr.

Zum Weiterlesen: 100-Euro-Kinderbonus und Kinder-Sofortzuschlag sind beschlossen: Wer bald mehr Geld bekommt

Überblick über die Änderungen 2022: 

 

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