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Bargeld-Reserve für den Notfall: Wie viel Geld solltest du zu Hause haben?

Wie viel Bargeld solltest du als Reserve zu Hause haben? Im Laufe der Corona-Krise erfreute sich die mehr oder weniger kontaktlose EC-Karten-Zahlung einer wachsenden Beliebtheit. Doch für den Notfall ist es sicherlich kein Fehler, eine Bargeld-Reserve zu Hause zu haben. Wie viel ist ausreichend?
Bargeld erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit
Bargeld erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit Foto: CC0 / Pixabay / analogicus
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  • Wie viel Bargeld solltest du für den Notfall zu Hause haben?
  • Wo und wie lässt sich Bares sicher aufbewahren?
  • Ist das Geld versichert?
  • Die großen Sicherheitsprobleme des bargeldlosen Bezahlens
  • Ist es vielleicht sogar besser, ganz auf Bargeld umzusteigen?

Der Streit darüber, ob man lieber bar oder per Karte zahlen sollte, wird schon seit Jahrzehnten geführt. Die Einen loben die Unabhängigkeit und größere Freiheit des Bargeldes, die Anderen finden Kartenzahlungen praktischer und in Zeiten von Corona auch hygienischer.

Wie viel Bargeld solltest du zu Hause haben?

Welche Probleme auftreten können, selbst wenn lediglich ein Teil der bundesweiten EC-Karten-Terminals ausfallen, konnten die meisten von uns in vergangenen Wochen persönlich erleben: Im Supermarkt hieß es plötzlich, dass nur noch Bargeld akzeptiert werden kann. Wer da wie bisher nur auf seine EC-Karte vertraut hat, hatte plötzlich ein echtes Problem. Auch an vielen Tankstellen sah es nicht besser aus. Genügend Sprit war vorhanden, doch das Bezahlen ging nur bar, was nicht selten Autofahrer in eine nicht geringe Not brachte. Sollten wir es sogar einmal mit einem regionalen oder gar bundesweiten Stromausfall zu tun haben, sieht es vermutlich sogar noch deutlich schlechter aus. In diesem Fall wäre es sogar fraglich, ob wir trotz Notstromversorgung überhaupt noch Bares aus den Geldautomaten erhalten könnten. Die Kombination aus nicht mehr funktionierenden EC-Terminals und unbrauchbaren Geldautomaten wäre für viele eine mehr oder weniger große Katastrophe.

Somit scheint es sinnvoll zu sein, für solche Situationen genügend Bargeld zu Hause vorrätig zu halten. Doch wie viel genau ist eigentlich "genügend"? Leider hilft die Auskunft des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) auch nicht wirklich weiter. Auf der Seite des Amtes heißt es zur Vorsorge bei Stromausfällen lediglich: "Denken Sie daran, Bargeld zur Verfügung zu haben, da bei Stromausfall auch die Geldautomaten nicht mehr funktionieren." Also nochmal die Frage: Welche Menge Bargeld sollte man sinnvollerweise zu Hause lagern, um für derartige Notfälle gut gerüstet zu sein? Eine pauschale Antwort auf diese Frage kann es wohl kaum geben, denn das Ganze ist eine Gleichung mit mehreren Unbekannten. Zum einen ist die Frage, wie viel Geld du persönlich für eine Woche oder auch zwei oder auch für einen ganzen Monat benötigst? Ein relativ sparsam wirtschaftender Single-Haushalt ohne Auto mag sich wohl mit 100 Euro pro Woche mit dem Nötigsten gut versorgen können. Bei einem Mehrpersonen-Haushalt mit zwei oder drei zu betankenden Fahrzeugen, für den zudem alle Lebensmittel im Bioladen einkauft werden und dessen Mitglieder gerne mal ins Café oder Restaurant zum Schlemmen gehen, lassen sich hingegen problemlos Summen von 1000 Euro und mehr wöchentlich veranschlagen.

Die zweite Unbekannte ist die Überlegung, wie lange solch ein angenommener Notfall dauern würde. Reden wir hier über ein paar Tage bis zu einer Woche oder würde dieses Szenario womöglich sogar mehrere Wochen bis zu ein oder zwei Monaten andauern? Dies macht für die Bargeldversorgung einen ganz erheblichen Unterschied. Somit treffen vermutlich die meisten in der Öffentlichkeit kursierenden Zahlen und Ratschläge im Einzelfall gar nicht zu. Am besten ist es deshalb, wenn du dir in Gedanken eine typische Woche vorstellst und dir bei den einzelnen Tagen überlegst, wie viel Geld du üblicher Weise ausgibst. Diesen Betrag rechnest du dann für die ganze Woche zusammen. Rechne vielleicht noch ein paar Euro extra für außerplanmäßige Ausgaben dazu und überlege dir, für wie viele Wochen du dir eine Notreserve zulegen möchtest. Da du ja auf der Bank zurzeit ohnehin keine Zinsen auf dein Girokonto und fast keine auf dem Sparkonto erhältst, spricht eigentlich wenig dagegen, grundsätzlich ein komplettes Monatsgehalt zu Hause zu bevorraten. 

Wie kannst du dein Geld sicher aufbewahren?

Wenn du Bargeld zu Hause aufbewahrst, solltest du dabei zumindest zwei Dinge im Blick haben:

  • Bargeld ist auch bei Einbrechern und Dieben äußerst beliebt.
  • Es könnte zu einem Brand kommen und in der Folge verbleibt womöglich nur noch Asche von deinem Notgroschen übrig.

Für den ersten Fall bieten sich zwei Möglichkeiten an: Entweder du bewahrst das Geld im vorne herein in einem Bankschließfach auf, oder du überlegst dir in deiner Wohnung ein todsicheres Versteck. Variante eins ist zwar von beiden Möglichkeiten, die vermutlich sicherere, doch niemand kann im Voraus genau wissen, ob man bei einem kompletten Stromausfall noch problemlos ans eigene Schließfach kommen kann. Wird in einem solchen Fall die elektronisch gesteuerte Tür zur Bank noch öffnen oder bleibt sie geschlossen?

Welches Versteck eignet sich in den eigenen vier Wänden? Wo finden Einbrecher dein Geld auf gar keinen Fall? Zwischen den Socken, in einem hohlen Buch versteckt oder klassischerweise unter der Matratze? Sicherlich gibt es deutlich bessere Möglichkeiten, dennoch sind auch professionelle Langfinger nicht gerade doof. Überlege dir am besten einen Ort, der für dich am besten passt. Dabei solltest du auch an einen möglichen Hausbrand denken. Eine feuerfeste Geldkassette kann sich lohnen. Noch besser ist der eingebaute Tresor. In einer Eigentumswohnung oder dem Eigenheim ist dieser oft Standard. Noch wichtiger ist, dass dein Geld gegen mögliche Schäden durch eine Hausratversicherung abgesichert ist. Meistens sind Bargeld-Summen zwischen 1000 und 2000 Euro abgedeckt. Darüber hinaus muss dies individuell mit dem Versicherer vereinbart werden.

Bar oder Karte - was wirklich besser ist

Letztlich ist die grundsätzliche Frage, ob Bargeld oder Kartenzahlung die bessere Wahl ist, noch gar nicht beantwortet. Zumindest der Glaube, die elektronische Variante sei den althergebrachten Scheinen und Münzen in jedem Fall vorzuziehen, ist in den vergangenen Wochen durch den Ausfall vieler EC-Terminals bei vielen Menschen massiv erschüttert worden. Dabei ist dieses Problem längst nicht das einzige. Experten warnen nämlich schon seit Jahren vor einer ganzen Reihe von Sicherheitsproblemen beim sogenannten bargeldlosen Zahlungsverkehr und ganz besonders bei der Zahlung mittels EC-Karte und Handy. Bevor man also lautstark nach der Abschaffung des Bargeldes ruft, sollte man auch diese Probleme mit ins Kalkül ziehen.

Die Tatsache, dass sich mit manipulierten EC-Terminals personenbezogene Daten abgreifen lassen, ist nichts Neues. Auch wenn ganz besonders Banken hier technisch inzwischen massiv nachgerüstet haben, bleibt ganz allgemein ein gewisses Restrisiko. Darüber hinaus kann es auch passieren, dass EC-Karten verloren gehen oder gestohlen werden können. Auch die für Geldabhebungen und Bezahlvorgänge benötigten PINs können herausgefunden und missbräuchlich verwendet werden. Aktuell setzt sich immer mehr das sogenannte Near Fiel Communication-System (NFC) durch.

Mithilfe dessen ist ein Austausch von Daten zwischen EC- oder Kreditkarte und einem speziellen Kartenlesegerät möglich. Die Karte muss dann mit einem Abstand von vier Zentimetern vor das Lesegerät gehalten werden. Um die Daten abzugreifen, müsste ein weiteres Gerät in genau diese Lücke gehalten werden, was üblicher Weise so gut wie ausgeschlossen ist. Deshalb gilt diese Methode bislang als relativ sicher. Aber auch hierzu werden sowohl funktionierende Terminals als auch Strom benötigt. Fehlt auch nur eines von beiden, dann ist eine Zahlung nicht mehr möglich.

Fazit

Egal von welcher Seite aus man das Problem der Zahlungssicherheit oder auch der sicheren Geldaufbewahrung betrachtet, einen hundertprozentigen Schutz kann es wohl bei allen Varianten nicht geben. Darüber hinaus bieten sowohl Bargeld als auch Karte gewisse Vor- aber auch Nachteile. Somit ist wohl die Frage des Entweder-oder falsch gestellt und kann nicht eindeutig beantwortet werden. Deshalb ist für die Zukunft eher anzunehmen, dass sich beide Zahlungsmethoden weiterhin ergänzen werden und es auf ein Sowohl-als-auch hinausläuft. Im Alltag ist es praktisch, eine Karte zur Hand zu haben und spontan alle möglichen Dinge kaufen zu können. Wer jedoch sowohl auf elektronische Probleme oder gar einen Stromausfall vorbereitet sein möchte, sollte immer auch eine Bargeldreserve zur Verfügung haben. Darüber hinaus gibt es zudem Situationen - wie etwa beim Geben von Trinkgeldern als auch beim Taschengeld für die eigenen Kinder -, in denen man meist Bargeld bevorzugt. Auch eine Manipulation von außen ist bei dem, was man real in der Tasche hat, in nur sehr geringem Maße möglich. Dies kann gerade in Krisensituationen ein nicht zu unterschätzender Vorteil sein.