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Auswertung & Vergleich

Deutscher Durchschnitt: Mit so viel Vermögen zählst du dazu, liegst darüber oder darunter

Viel oder wenig Vermögen sind Wertungen, die erst in Relation entstehen. Expert*innen liefern dir Durchschnittswerte, die einen Vergleich ermöglichen.
Konkrete Werte ermöglichen dir eine grobe Einordnung deines Vermögens in den Durchschnitt.
Konkrete Werte ermöglichen dir eine grobe Einordnung deines Vermögens in den Durchschnitt. Foto: CC0 / Pixabay / geralt
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Der Vergleich mit anderen findet häufig automatisch statt. Die Frage, ob dein Vermögen dem deutschen Durchschnitt entspricht, ob du darüber oder darunter liegst, lässt sich mit einem Blick auf die erfassten Daten nicht direkt beantworten; denn es gibt verschiedene Durchschnittswerte.

Durchschnittswerte des Statistischen Bundesamtes und der Bundesbank

Möchte man herausfinden, bei welchem Wert sich das deutsche Durchschnittsvermögen einpendelt, kann Verwirrung aufkommen: Es gibt verschiedene Zahlen, die du finden kannst. Einen Wert liefert das Statistische Bundesamt. Laut diesem liegt das deutsche Durchschnittsvermögen bei rund 163.000 Euro je Haushalt. Mit einbegriffen in diesen Wert aus dem Jahr 2018 ist das Geld- und Immobilienvermögen deutscher Bürger*innen, die Schulden wurden bereits abgezogen.

Deutliche regionale Unterschiede im Durchschnittsvermögen konnten ebenfalls festgestellt werden. Während westdeutsche Bundesbürger*innen im Jahr 2018 pro Haushalt ein durchschnittliches Vermögen von 182.000 Euro besaßen, waren es bei ostdeutschen 88.000 Euro.

Expert*innen berichten im Wirtschaftsmagazin WirtschaftsWoche hingegen von ganz anderen Zahlen als das Statistische Bundesamt. So widmete sich beispielsweise auch die Bundesbank der Frage, wie hoch das deutsche Durchschnittsvermögen ist. Im Zuge ihrer Studie "Private Haushalte und ihre Finanzen (PHF)" befragte die Deutsche Bank Bürger*innen zu ihrem Vermögen und ihren Schulden. Für gewöhnlich findet die Befragung alle drei Jahre statt, jedoch konnte die im Jahr 2020 geplante aufgrund der Pandemie nicht durchgeführt werden. In der letzten Befragung im Jahr 2017 legten knapp 10.000 Frauen und Männer ihr Vermögen offen, sodass ein Durchschnitts-Nettovermögen von 232.800 Euro ermittelt werden konnte. Ebenso wie das Statistische Bundesamt wurden hier bereits die Schulden, welche durchschnittlich 29.700 Euro betrugen, abgezogen.

Weitere Daten der Bundesbank und die Werte des DIW

Zu bedenken ist, dass es sich bei beiden Werten nur um Durchschnittswerte handelt. Es gibt also viele Bürger*innen, die ein geringeres Vermögen haben, aber auch welche, deren Vermögen deutlich höher ist. Der ebenfalls in der Studie der Bundesbank im Jahr 2017 ermittelte Median lag bei 70.800 Euro. Der Medianwert ist der Wert, der genau in der Mitte der Datenverteilung liegt und verrät, dass die Hälfte der befragten Bürger*innen mehr Vermögen besaß und die andere Hälfte mehr.

Die vermögendsten Haushalte waren nach dieser Befragung jene, welche ein Nettovermögen von über 555.400 Euro hatten. Damit befand man sich unter den zehn Prozent der vermögendsten Haushalte. Als guter Indikator für die Höhe des Vermögens ergab sich der Besitz einer Immobilie; so lag der Medianwert des Vermögens bei Eigentümer-Haushalten bei ganzen 277.000 Euro, Mieter-Haushalte kamen im Vergleich dazu nur auf einen Medianwert von etwa 10.400 Euro.

Einen dritten Wert liefert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Dieses befragt jedes Jahr etwa 30.000 Personen für sein "Sozio-oekonomisches Panel". Im Unterschied zu den vorherigen Werten wird vom DIW nicht das Vermögen der Haushalte, sondern das persönliche Vermögen jeder Person ermittelt. Das durchschnittliche Vermögen jedes*r Bürger*in lag 2017 bei 108.449 Euro; der ermittelte Medianwert lag bei 26.260 Euro. Die oberen zehn Prozent der vermögendsten Einwohner*innen besaßen jeweils mehr als 275.000 Euro.

Vermögensvergleich: Die Werte der EZB und der Credit Suisse

Weitere interessante Vergleichswerte ermittelte die Europäische Zentralbank (EZB) in der internationalen Studie "Household Finance und Consumption Survey (HFCS)", gemeinsam mit allen Nationalbanken der EU. An der Befragung im Jahr 2017 nahmen 91.000 Haushalte teil. In Deutschland ließ sich ein Durchschnittsvermögen von 232.800 Euro ermitteln; der allgemeine Europa-Länderdurchschnitt lag bei 229.100 Euro. Im Ländervergleich lagen die Haushalte Luxemburgs mit je 897.900 Euro ganz oben, das niedrigste Vermögen besaßen Haushalte in osteuropäischen Ländern.

Zuletzt liefert der alljährliche Vermögensbericht "Global Wealth Report" der Schweizer Bank Credit Suisse konkrete Daten zum Durchschnittsvermögen. Der letzte veröffentliche Bericht stammt aus dem Jahr 2021. Das Vermögen wurde als der Wert aller Finanzanlagen und Wertanlagen wie Immobilien definiert.

Jede*r deutsche Erwachsene besaß laut den Daten der Credit Suisse durchschnittlich 268.000 Dollar; nach damaligem Wert waren dies rund 265.000 Euro. Der entsprechende Median betrug 65.374 Euro.

Fazit

Es lässt sich festhalten, dass es nicht den einen exakten Wert gibt. Je nachdem, wie viele Haushalte befragt werden und wie das Vermögen definiert wird, kommen Expert*innen auf unterschiedliche Werte. Zudem ist der Unterschied zwischen dem Durchschnitt und dem Median zu beachten. Die dargestellten Durchschnittswerte bieten dir eine Möglichkeit, dein eigenes Vermögen einmal zu vergleichen; jedoch solltest du auch bedenken, dass es allein an dir liegt, zu entscheiden, ob du persönlich mit deinem Vermögen zufrieden bist und ob es für dich ausreichend ist.