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Bürokratie-Wahnsinn ab Juli: Das bedeutet die Grundsteuerreform für Haus-Eigentümer

Im Sommer 2022 droht Hausbesitzern ein echter Bürokratie-Wahnsinn: Die Grundsteuer wird neu berechnet. Dazu müssen Immobilien-Besitzer einige Unterlagen hervorkramen. Die Reform wurde bereits vor zwei Jahren beschlossen.
Grundsteuerreform: Bürokratie-Wahnsinn ab 1. Juli
Hausbesitzer müssen für ihre Grundsteuer-Erklärung dieses Jahr wohl deutlich mehr Zeit einplanen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
  • Grundsteuer wird neu berechnet: Das kommt im Sommer 2022 auf uns zu
  • Hausbesitzer müssen Daten vorlegen: Diese Angaben braucht das Finanzamt
  • Bürokratie-Wahnsinn: Unterlagen könnten mitunter schwierig zu beschaffen sein
  • Verbände fordern mehr Zeit für die Grundsteuer-Erklärung

Es ähnelt einer Art zweiten Steuererklärung: Hausbesitzer müssen im Sommer 2022 tief in ihren Unterlagen kramen. Aufgrund der Reform der Grundsteuer und der neuen Berechnung, müssen die Immobilien-Eigentümer dem Finanzamt eine große Menge an Daten vorlegen, die die meisten vermutlich nicht direkt zur Hand haben. Das musst du zur Grundsteuer-Reform wissen.

Grundsteuer-Erklärung: Verbände fordern mehr Zeit für Hausbesitzer

Hausbesitzer müssen den Finanzämtern Daten wie Baujahre, Wohnflächen und Bodenrichtwerte melden. Verbände fordern jetzt deswegen deutlich mehr Zeit für die Grundsteuer-Erklärung. „Für die Steuererklärung benötigen Eigentümer Daten, die sie meist nicht unmittelbar parat haben“, sagte der Präsident des Eigentümerverbands Haus und Grund, Kai Warnecke, der Deutschen Presse-Agentur.

Vor allem, wer sein Haus oder Grundstück geerbt habe, könnte Probleme bekommen, die Unterlagen zusammenzusuchen. Für die nötigen Recherchen dürften die Eigentümer zudem kaum fachlichen Beistand wie Architekten oder Steuerberater finden. Deshalb fordert Haus und Grund gemeinsam mit dem Bund der Steuerzahler eine Verlängerung der Frist um drei Monate bis Ende Januar 2023.

Die Reform der Grundsteuer wurde bereits vor mehr als zwei Jahren beschlossen, nachdem das Bundesverfassungsgericht eine Neuregelung gefordert hatte. Denn bisher berechnen die Finanzämter den Wert einer Immobilie auf Grundlage völlig veralteter Daten. Ab 2025 soll nun ein neuer Rechenweg gelten. Vorher müssen aber fast 36 Millionen Grundstücke in Deutschland neu bewertet werden. Die Steuerbehörden stehen vor einem ihrer größten Projekte in der Nachkriegsgeschichte.

Grundsteuer wichtige Einnahmequelle für Kommunen

Für die Kommunen ist die Grundsteuer eine der wichtigsten Einnahmequellen. Sie deckte vor der Corona-Krise etwa 15 Prozent der kommunalen Steuereinnahmen, aus denen etwa Schwimmbäder oder Theater bezahlt werden. Gezahlt wird sie von jedem Grundstücks- und Immobilienbesitzer - ein Vermieter kann sie über die Nebenkostenabrechnung aber auf die Mieter umlegen. Bei Wohnungseigentümern geht es in der Regel um einige Hundert Euro im Jahr, bei Eigentümern größerer Mietshäuser auch um vierstellige Beträge.

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Für die neue Berechnung brauchen die Finanzämter jetzt:

  • Angaben zum Grundstück und zum Gebäude (Flurnummern, amtliche Flächen, Gemarkungsnummern)
  • Angaben zu Wohnflächen und Bodenrichtwerten

Je nach Bundesland können mal mehr und mal weniger Informationen gefragt sein, weil die Länder unterschiedliche Berechnungsmodelle anwenden. Einreichen kann man die Grundsteuer-Erklärung nach bisherigen Plänen nur zwischen dem 1. Juli und dem 31. Oktober - mit wenigen Ausnahmen online über die Steuerplattform Elster.

"Hier droht den Eigentümern eine XXL-Bürokratie", warnte der Präsident des Steuerzahlerbund, Reiner Holznagel. Er forderte zeitnahe Informationsschreiben an die Haus- und Grundstücksbesitzer, die auch Hinweise und Hilfestellung für die Erklärung enthalten. Mehrere Bundesländer wollten ihre Hausbesitzer erst im Juni informieren, kritisierte er. Dabei sei Vorbereitung wegen des kurzen Zeitraums essenziell.

Was will das Finanzamt für die neue Grundsteuer wissen?

Welche Daten Eigentümer den Finanzämtern vorlegen müssen ist vom jeweiligen Bundesamt abhängig. In Bayern sind die Vorgaben vergleichsweise unkompliziert: Hier zählen nur die Flächen von Grundstück und Gebäude sowie die Nutzung. Wert und Lage sowie Alter und Zustand sind nicht gefragt.

Einen Überblick, was im jeweiligen Land gilt, bieten etwa die Internetseiten www.grundsteuerreform.de oder www.grundsteuer.de. Auch ein Blick auf die Seite der zuständigen Steuerbehörde kann sich für Informationen lohnen. Angaben zu Grundstück und Gebäude, also Flurnummer, amtliche Fläche, Gemarkungsnummer sind oft in den eigenen Unterlagen zu Hause zu finden. Notfalls kann man sich die Daten vom Grundbuchamt zuschicken lassen.

Kompliziert kann es werden, wenn der Bodenrichtwert verlangt wird. Zwar gibt es die amtliche Webseite www. bodenrichtwerte-boris.de. Die Daten sind aber nicht verwendbar, weil der Aufbau des Portals noch nicht fertig ist, wie es dort heißt. Es bleibt also nur, sich an die jeweiligen Landesämter für Steuern oder örtliche Gutachterausschüsse zu wenden und längere Bearbeitungszeiten einzuplanen. 

Einige Stolperfallen: Grundsteuer Neu-Berechnung komplizierter als erwartet?

Denn es gibt einige Stolperfallen:

  • Bodenrichtwerte müssen womöglich bei unabhängigen Gutachterausschüssen recherchiert werden.
  • Beim Baujahr müssen eventuell Kernsanierungen berücksichtigt werden, die die Restnutzungsdauer eines Hauses verlängern könnten.
  • Bei der Wohnfläche müssen An- und Umbauten notfalls selbst ausgemessen werden.
  • Stichtag für alle Angaben ist der 1. Januar 2022, was danach noch verändert wurde, muss nicht berücksichtigt werden.

Die Finanzämter ermitteln aus den eingereichten Daten den sogenannten Grundsteuerwert. Dieser ist allerdings nur eine Komponente bei der Berechnung der Grundsteuer. Wie viel am Ende fällig wird, erfahren die Eigentümer wahrscheinlich erst 2025, denn die Gemeinden können ihre Hebesätze anpassen. Diese Faktoren bestimmen letztlich, wie viel man in welcher Gemeinde zahlen muss. Zwar sind die Kommunen angehalten, ihre Einnahmen in etwa auf dem gleichen Niveau zu belassen wie bisher, verpflichtet sind sie dazu jedoch nicht.

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