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Billionen ungleich verteilt

Eine Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge relativiert das Ausmaß der so genannten Erbschaftswelle.
 
Foto: Pixabay
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Die unvorstellbare Summe von 3,1 Billionen Euro fällt bis 2024 als Erbmasse in Deutschland an - so viel wie nie zuvor in vergleichbaren Zeiträumen. Das geht aus der dritten Erbenstudie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) hervor, die Anfang September vorgestellt wurde. Der Leiter der Studie, Reiner Braun von der Empirica AG, trat bei der Präsentation der Ergebnisse aber gleich auf die Euphorie-Bremse: "Erben bedeutet nur eine Umverteilung bereits bestehenden Vermögens zwischen den Generationen". Die Volkswirtschaft werde dadurch nicht reicher. Nehme man die Riesensumme genau unter die Lupe, relativiere sich das Ausmaß der so genannten Erbschaftswelle schnell.
Das beginnt schon damit, dass von den gut drei Billionen Euro rund eine Billion nicht an die nächste Generation weiter gereicht wird, sondern den hinterbliebenen Ehe- oder Lebenspartnern zufällt. Bei den verbleibenden 2,1 Billionen konzentrieren sich die großen Erbschaften wiederum auf wenige Fälle: "Der Teufel", so Studienleiter Braun, "scheißt eben immer auf den größten Haufen". Erben vertieft demnach die Konzentration des Vermögens und damit die soziale Ungleichheit. Die oberen zwei Prozent aller Hinterlassenschaften vereinen etwa ein Drittel des gesamten Erbschaftsvolumens auf sich - wobei das Firmenvermögen noch nicht einmal mit gezählt wurde. Deshalb haben die Studien-Verfasser auch die zwei Prozent der Super-Reichen herausgerechnet und ermittelt, dass bei der breiten Masse der nächsten Erben-Generation noch 1,4 Billionen Euro ankommen. Davon entfallen zehn Prozent auf Sachvermögen, der Rest verteilt sich auf Immobilien (47 Prozent) und Geldwerte (43 Prozent).


Besser Immobilien

Die individuelle Höhe des Nachlasses hängt der DIA-Studie zufolge von der Tatsache ab, ob Immobilien vererbt werden: Die Erbschaftsregel laute nicht "entweder Geld oder Immobilie", sondern "wenn Immobilie, dann auch viel Geld". Werden Immobilien mitvererbt, dann beträgt das Volumen bei mehr als zwei Dritteln dieser Erbschaften mindestens 150.000 Euro. Bei fast einem Fünftel dieser Fälle liegt allein das vererbte Geldvermögen jenseits dieser Marke. Dagegen ist bei potenziellen Erblassern, die zur Miete wohnen, weitaus weniger zu erwarten. Praktisch jeder vierte Mieterhaushalt hat nichts zu vererben oder gar Schulden. Andreas Brate/be.p