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Autokauf: Vorführwagen, Neufahrzeug, Jahreswagen - das sind die Unterschiede

Ein Urteil des Amtsgerichts (AG) München stärkt die Rechte von Autokäufern. Ausstellungsfahrzeuge dürfen nicht so einfach mir nichts, dir nichts als Neuwagen über den Ladentisch gehen.
Was du vor deinem nächsten Autokauf wissen solltest.
Was du vor deinem nächsten Autokauf wissen solltest. Foto: Raten-Kauf/pixabay.com
  • Aus­stellungs­wagen als neues Auto verkauft
  • Sportwagen aus dem Showroom ist kein Neuwagen
  • Statt 5.000 Euro nur 1.000 Euro
  • Vorführwagen, Neufahrzeug, Jahreswagen - das sind die Unterschiede
  • Unser Tipp

Ein Ausstellungsfahrzeug ist kein Neuwagen, auch wenn er noch nie gefahren wurde - das hat das Urteil des Amtsgerichts (AG) München (AG Urteil vom 17.12.2021, Az.: 271 C 8389/21) klargestellt und der betroffenen Käuferin einen geringeren Kaufpreis zugestanden.

Aus­stellungs­wagen als neues Auto verkauft

Die Klägerin hatte für knapp 54.604 Euro (Listenpreis: 61.789 Euro) einen Sportwagen gekauft, der zuvor in einer anderen Nieder­lassung des Herstellers für Käufer zur Besichtigung ausgestellt war. Das allerdings wusste die Frau nicht.

Die Klägerin bemängelte, dass schon nach einem Monat die Batterie kaputt gewesen sei und zudem Kratzer, kleinere Dellen und Ab­schürfungen etwa an den Einstiegs­leisten vorhanden seien. Der Wagen sei daher gebraucht gewesen.

Der Hersteller hingegen argumentierte, es sei sehr wohl ein Neufahrzeug, weil es noch nie zugelassen worden sei und auch nicht für Probe­fahrten genutzt worden war. Die Batterie ersetzten die Schwaben.

Statt 5.000 Euro nur 1.000 Euro

Das Gericht gab der Klägerin recht und sprach ihr eine Minderung von 1.000 Euro zu. "Bei Ausstellung eines Fahrzeugs in einer Nieder­lassung wird es jedenfalls von einer unbestimmten Anzahl von Personen innen und außen angefasst, Türen und Kofferraum werden vielfach geöffnet, es wird Probe gesessen, Sitze werden verstellt etc.", argumentierte die Richterin.

Ein Aus­stellungs­fahrzeug unterliege somit einer wieder­holten körperlichen Nutzung und sei daher nicht mehr ungenutzt.

Lediglich bei der Höhe ihrer Forderung musste die Klägerin Abstriche machen, sie hatte ursprünglich 5.000 Euro verlangt. In ihrer Schätzung ließ die Richterin nach eigenen Angaben unter anderem einfließen, dass einerseits "die Vereinbarung 'Neuwagen' ein feststehender Begriff mit besonderer Relevanz beim Autokauf" sei, andererseits jedoch "bei Vertragsschluss bereits ein erheblicher Abschlag vom Listenpreis gewährt worden" sei.

Vorführwagen, Neufahrzeug, Jahreswagen - das sind die Unterschiede

Wie alt dürfen aber eigentlich Fahrzeuge sein, die als Vorführwagen, Neufahrzeug oder Jahreswagen verkauft werden? Was versteckt sich rechtlich hinter diesen Begriffen? 

  • Vorführwagen: Der Bundesgerichtshof (BGH) versteht unter einem Vorführwagen ein gewerblich genutztes Fahrzeug, das einem Neuwagenhändler im Wesentlichen zum Zwecke der Vorführung (Besichtigung und Probefahrten) gedient hat und noch nicht auf einen Endkunden zugelassen sein darf. Alleine durch die Kennzeichnung als Vorführwagen, darf der Kunde nicht erwarten, dass er ein Fahrzeug erwirbt, das jünger als zwei Jahre ist. Obwohl die meisten Vorführwagen nur für kurze Probefahrten genutzt werden, ist daher der Rückschluss falsch, dass es sich dabei stets um ein neues Auto handelt (BGH Urteil vom 15.9.2010, Az.: VIII ZR 61/09).
  • Neufahrzeug: Hierbei handelt es sich um ein unbenutztes Fahrzeug, dass keine durch eine längere Standzeit bedingten Mängel aufweist. Darüber hinaus dürfen zwischen seiner Herstellung und Abschluss des Kaufvertrages nicht mehr als 12 Monate liegen. Der BGH ist der Ansicht, dass der Verkäufer ein solches Fahrzeug nicht unbegrenzt lange auf Lager halten darf, um es dann nach über einem Jahr Standzeit als "Neufahrzeug" zu verkaufen. Auch ein unbenutztes Fahrzeug, das eine Standzeit von mehr als 12 Monaten hinter sich gebracht hat, ist kein fabrikneues Fahrzeug mehr (BGH Urteil vom 15.10.2003, Az.: VIII ZR 227/02). Wenn im Vertrag daher der Kauf eines Neufahrzeuges vereinbart wird, kann der Kunde berechtigterweise erwarten, dass der Wagen nicht älter als 12 Monate ist.
  • Jahreswagen: Unter dem Begriff des Jahreswagens verstehen die Gerichte einen "jungen" Gebrauchtwagen aus erster Hand. Ferner darf zwischen seiner Herstellung und der Erstzulassung kein längerer Zeitraum als 12 Monate liegen (BGH Urteil vom 7.6.2006, Az.: VIII ZR 180/05). Der Jahreswagen unterscheidet sich im Wesentlichen vom Neufahrzeug dadurch, dass er ein Jahr im Straßenverkehr genutzt wurde. Es ist allerdings nicht mehr erforderlich, dass die Erstzulassung auf einen Werksangehörigen des herstellenden Automobilunternehmens lautet.

Unser Tipp: Wenn du ein neues Fahrzeug erwerben willst, bietet der Begriff des Neufahrzeugs die größte Rechtssicherheit. Bei einem Neufahrzeugkauf darf der Kunde erwarten, dass er ein fabrikneues Fahrzeug erwirbt, das keine längere Standzeit als zwölf Monate aufweist.

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