Deutschland
Finanzen

Altersarmut ist weiblich: Wir Frauen sind selbst in der Verantwortung, etwas dagegen zu tun

'Später gehöre ich zu den 75 % Frauen in Deutschland, mit einer staatlichen Rente unter Hartz IV-Niveau.' Ein Erfahrungsbericht von Anna Villmeter - mit Tipps, was jede Frau zur Verbesserung ihrer finanziellen Situation tun kann.
 
Altersarmut ist weiblich! Wir Frauen sind selbst in der Verantwortung, etwas dagegen zu tun.

Im Sommerurlaub habe ich das Buch Madame Moneypenny: Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können*, von Natascha Wegelin gelesen. Sich mit ETFs ein Vermögen aufbauen oder meine Rentenlücke ausrechnen - davon hatte ich mit 39 Jahren keine Ahnung.

Das Buch beginnt mit der Frage, die vielen beim Lesen des Titels auf der Zunge brennt:  "Muss es ein Buch über Finanzen speziell für Frauen geben?". Die Antwort darauf: Ganz klar, ja! Warum?

Weil 75 Prozent der heute 35- bis 55-jährigen Frauen in Deutschland, später eine Rente unter Hartz IV-Niveau bekommen werden. BOOM! Das tut weh. Es trifft also nicht "nur" diejenigen, die jetzt schon (leider) jeden Euro zweimal umdrehen müssen. Es trifft, volle Breitseite, die Mittelschicht.

Warum ist Altersarmut weiblich? 

Wie kann es in einer emanzipierten Generation überhaupt noch sein, dass Frauen im Nachteil sind? Die Antwort ist simpel: Wer weniger in die Rentenkasse einzahlt, bekommt auch weniger. Logisch. Und die Gründe, warum Frauen weniger einzahlen, sind eigentlich auch bekannt:

  • Gender Pay Gap: Laut statistischem Bundesamt verdienten Frauen 2020 durchschnittlich 18 Prozent weniger pro Stunde als Männer. 
  • Elternzeit: Auch wenn laut Statista im Jahr 2020 rund 25 Prozent der Väter eine Elternzeit planten, bleiben Frauen öfter auch über den Elterngeldbezug hinaus zu Hause. Erziehungszeiten muss man selbst beantragen, sonst zahlt man nicht in die Rente mit ein.
  • Teilzeit: Im Jahr 2019 lag laut Statista die Teilzeitquote von erwerbstätigen Frauen mit minderjährigen Kindern bei 66,2 Prozent. Bei erwerbstätigen Männern im selben Jahr dagegen bei 6,4 Prozent.

Als Frau nicht auf die staatliche Rente verlassen 

Das Ziel der Rentenpolitik ist seit 2001 nicht mehr den Lebensstandard zu sichern, sondern die Grundversorgung. Im Jahr 2030 werden laut Bundeszentrale für politische Bildung, Rentner*innen nur noch 43 Prozent ihres durchschnittlichen Jahresgehaltes als Rente bekommen – vor Steuern.

Was also kann Frau tun? Selbst tätig werden! Und da ist Natascha Wegelins Buch, ein guter Schritt in die richtige Richtung. Es ist kein Guide für den perfekten ETF-Sparplan, sondern ein Leitfaden, wie du einfach anfangen kannst, deine Finanzen selbst in die Hand zu nehmen.

Wie berechne ich meinen finanziellen Status Quo? Was sind Aktien und was ein Aktienindex? Was passiert an der ominösen Börse? Was ist ein ETF? All dies wird kurz und knapp erklärt. Mit dem Appell: Mach danach weiter! 

Bestseller bei Amazon: Madame Moneypenny: Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können

Meine Top-4-Tipps aus dem Buch, die du direkt umsetzen kannst

1. Kenne deine Einnahmen und Ausgaben genau

Mache eine Bestandsaufnahme. Schaue dir für ein gutes Gesamtbild, die vergangenen drei Monate an.  Was fließt jeden Monat in mein Konto ein? Was sind meine Fixkosten? Wofür gebe ich wie viel Geld monatlich aus? 

Nur wenn du genau weißt, was auf deinem Konto passiert, kannst du Einfluss darauf nehmen. Und vergiss nicht die Ausgaben, die quartals- oder jahresweise bezahlt werden.

2. Gib dein Geld achtsam aus

Nach deiner Bestandsaufnahme kannst du überlegen, wie viel du pro Monat pro Kategorie ausgeben willst. Diese Ziele sollten ambitioniert sein! Kategorien könnten sein: Lebensmittel, Drogerie und Freizeit. Pro Kategorie setzt du dir eine Zielsumme, die du maximal im kommenden Monat ausgeben willst. So wirst du erfinderisch!

Willst du beispielsweise weniger Geld für Lebensmittel ausgeben? Dann brauche alles, was im Tiefkühler und in den Schränken ist, auf und kaufe nur frische Lebensmittel, wie Obst und Milchprodukte, ein.

Was ist alles in deinen Fixkosten drin? Brauchst du wirklich drei Streamingdienste, oder reicht eigentlich einer? Ist dein Handy-Vertrag veraltet und könnte günstiger sein? Schau überall genau nach, behalte das, was du wirklich brauchst, und optimiere es. Alles andere wird gekündigt.

3. Mehr verdienen und weitere Einnahmequellen finden

Da es nur dein persönliches Interesse ist mehr zu verdienen, musst auch du - gut vorbereitet - proaktiv eine Gehaltserhöhung ansprechen. Beispielsweise, wenn du ein großes Projekt erfolgreich abgeschlossen hast oder schon seit 2 Jahren das Gleiche verdienst. Mehr als ein "Ja" oder "Nein" bekommen kannst du nicht. 

Miste deine Wohnung aus! Für achtsames, Freude-bringendes Ausmisten, gibt es tolle Bücher! Magic Cleaning von Marie Kondó*  oder Dödstädning von Margareta Magnusson*. Alles, was du nicht mehr haben willst, wird gespendet, verschenkt oder verkauft.

Das schafft Platz in deiner Wohnung und in deinem Kopf. Platz für den Fokus auf das, was du wirklich willst.

 4. Setze dir finanzielle Ziele 

Wenn du weißt, auf was genau du sparst, tust du es auch gerne. Zahle dich selbst immer am Anfang des Monats aus - dein Wunschbetrag ist am Ende des Monats vielleicht gar nicht mehr da, um ihn zu sparen und/oder anzulegen.

Finanzen können Spaß machen!

Später als Rentnerin ein schönes Leben haben – ohne finanzielle Sorgen - das ist mein persönliches Ziel. Wie du das auch erreichen kannst? Indem du dich mit deinen Finanzen auseinandersetzt. Informiere dich zum Thema Altersvorsorge, Versicherungen und Investitionen. Nur wenn du es selbst verstehst, kannst du deine finanzielle Situation beeinflussen. Und es fängt an, richtig Spaß zu machen!

Aktuell lese ich zum Beispiel freiwillig und mit viel Freude, dieses Buch.

Souverän investieren für Einsteiger - Ratgeber bei Amazon ansehen

Der beste Zeitpunkt um dich um deine Finanzen zu kümmern war gestern. Der zweitbeste ist heute! 

 

Artikel enthält Affiliate Links
*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn Sie auf einen dieser Links klicken und darüber einkaufen, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für Sie ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.