• Entlastungspaket 2022: Bundeskabinett beschließt die milliardenschweren Erleichterungen 
  • Am 1. Juni soll das 9-Euro-Ticket kommen - Verkaufsstart am 23. Mai 2022
  • Es soll 3 Monate gültig sein und bundesweit gelten

Das 9-Euro-Monatsticket für Bus und Bahn nimmt weiter Gestalt an. Als Teil des Entlastungspaketes 2022 hat das Bundeskabinett am Mittwoch (27.04.2022) den staatlich geförderten Rabatt für die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) beschlossen. Mit dem Maßnahmen-Paket will die Koalition Bürger*innen finanziell entlasten. Sie reagiert damit auf die infolge des Ukraine-Kriegs in vielen Lebensbereichen dramatisch gestiegenen Preise. Außer einer Verbilligung der Ticketpreise im ÖPNV gehört zum Entlastungspaket auch eine 300-Euro-Energiepreispauschale, ein Zuschuss für Leistungsempfänger und ein Familienbonus pro Kind. Ab heute gibt es das Ticket zu kaufen. Wie weit kann man damit fahren? Und was gilt eigentlich für Bestandskunden der Bahn?

Wann kommt das vergünstigte ÖPNV-Ticket?

Als Start für des 9-Euro-Tickets ist der 1. Juni 2022 vorgesehen. Bei der Deutschen Bahn können Verbraucherinnen und Verbraucher das sogenannte 9-Euro-Monatsticket ab dem 23. Mai kaufen. Am vergangenen Donnerstag (19. Mai 2022) hat der Bundestag grünes Licht gegeben. Die endgültige Entscheidung für das Ticket ist dann am Freitag (20. Mai 2022) im Bundesrat gefallen. 

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Das Ticket steht seit heute über die App DB-Navigator sowie sämtliche andere digitale Bahn-Kanäle zur Verfügung. "Ebenso wird es an den rund 5500 Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn und in den über 400 DB Reisezentren in Bahnhöfen erhältlich sein", hieß es von Seiten der Bahn.

Das 9-Euro-Ticket wird im Juni, Juli und August angeboten. Es gilt bis zum Ende des Monats, in dem es gekauft wurde. Die Monatskarte verlängert sich nicht automatisch. Das Ticket gilt auch für den Regionalverkehr, nicht aber für den Fernverkehr der Deutschen Bahn - also nicht für ICE, IC oder EC. Der ursprünglich anvisierte Start im Mai war nicht zu machen.  Bis zum Juni können die Voraussetzungen für die Einführung geschaffen werden, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ingo Wortmann, den Partnerzeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft.

Der 1. Juni fällt auf einen Mittwoch - am Wochenende darauf ist Pfingsten. Das macht es möglich, für ein langes Wochenende mit dem Regionalexpress für 9 Euro zum Beispiel von Berlin aus an die Ostsee zu fahren, das ist dann deutlich günstiger. Oder man fährt statt mit einem ICE oder IC mit einer oder mehreren Regionalbahnen von A nach B. Das Ticket gilt aber auch noch im Juli und August - und damit in den Hauptmonaten der Sommerferien. Profitieren könne also nicht nur Pendler*innen, die das Auto stehen lassen und stattdessen auf Bus und Bahn umsteigen. Auch Familien, die in den Sommerferien verreisen, könnten mit Regionalzügen günstiger von A nach B kommen.

9-Euro-Ticket kaufen: Hier soll es die günstigen Fahrscheine geben

Das 9-Euro-Monatsticket soll nicht nur über die DB-Navigator-App und online erhältlich sein, sondern auch über Fahrkartenautomaten und Kundencenter erhältlich sein. Geplant ist laut VDV auch eine bundesweite App. Der Verband plant eine bundesweite Informationskampagne auch mit einer digitalen Plattform.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte empfohlen, den Rabatt über ein Online-Ticket anzubieten. Dies biete auch die Chance für einen Schub bei der Digitalisierung. Das aber würde Menschen ohne Online-Zugang ausschließen.

VDV-Präsident Wortmann hatte betont: "Wir stellen fest, dass immer noch sehr viele Fahrgäste an Automaten kaufen", sagte er. Das gelte insbesondere für ältere Kundinnen und Kunden. Von der Idee des günstigen Tickets seien die Verkehrsunternehmen überrascht worden, sagte Wortmann.

Geltungsbereich des 9-Euro-Tickets: Unabhängig von den Tarifzonen

Am Mittwoch (13. April 2022) ist die endgültige Entscheidung über den Geltungsbereich gefallen. Nun steht fest: Das günstige Ticket soll bundesweit gelten. Das bedeutet: Wer eine Fahrkarte in Berlin kauft, kann damit auch Busse und Bahnen in Hamburg, München oder in anderen Städten nutzen. 

Die Deutsche Bahn habe laut Bild bereits ihre Zustimmung erteilt. Der bundesweite Regioverkehr steht Inhabern des 9-Euro-Tickets vom 1. Juni bis 31. August laut Bild-Zeitung offen. Konkret bedeutet das: Das jetzige Quer-durchs-Land-Ticket der Bahn (Preis 42 Euro pro Tag) gilt mit dem 9-Euro-Ticket nun einen Monat lang. 

Einen bundesweiten Geltungsbereich des Günstig-Tickets hatte unter anderem der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) gefordert. Nach Informationen des RND hieß es aus dem Verkehrsausschuss des Bundestages, dass der Bund für die Kosten in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro aufkommen will, die das 9-Euro-Ticket verursacht. Damit soll vermieden werden, dass das Ticket nur regional beschränkte Gültigkeit besitzt. Eine solche Beschränkung und eine Abhängigkeit von Tarifzonen sei "unpraktikabel".  Der VDV hatte seine Forderung damit begründet, dass Bus- und Bahn Kund*innen nicht gegenüber Autofahrer*innen benachteiligt werden dürften - und Menschen mit Autos könnten schließlich deutschlandweit fahren.

9-Euro-Ticket: Schnupperticket für Neukunden - und was ist mit den Bestandskunden?

Für Abonnentinnen und Abonnenten etwa von Monatstickets soll es laut VDV einen "Treuebonus" geben. Bestandskunden sollen sich um nichts kümmern müssen.

Das 9-Euro-Monatsticket soll verrechnet werden - über eine Verringerung des Bankeinzugs oder eine Erstattung. Andernfalls war die Befürchtung, dass viele Kunden ihre Abos kündigen könnten. Auch für Semestertickets soll es eine Lösung geben.

Für Neukunden soll das Ticket ein "Schnupperticket" sein. Es soll laut VDV "im Laufe des Mais" verfügbar sein. Neukunden sollen, sofern sie dem zustimmen, von den Verkehrsunternehmen Anschlussangebote bekommen. Die Branche will die Chance nutzen, durch das Ticket dauerhaft neue Kunden zu gewinnen - nach starkem Rückgang der Fahrgastzahl in der Corona-Pandemie. "Die Aktion soll möglichst kein Strohfeuer bleiben" sagte Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), am Mittwoch (13. April 2022) in Berlin.

So viele Menschen sollen das Ticket nutzen

Der Fahrgastverband Pro Bahn warnte bereits vor übervollen Zügen auf touristisch beliebten Strecken. Pro-Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann sagte der Rheinischen Post, dafür müssten mehr Züge bestellt werden. VDV-Hauptgeschäftsführer Wolff sagte, falls es zu übervollen Zügen komme, sei es schwierig, zusätzliche Züge anzubieten. "Mit diesem Umstand werden Bund und Branche gemeinsam umgehen müssen." Es gebe schlicht nicht mehr Kapazitäten.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte, alle DB-Regio-Fahrgäste würden vom 9-Euro-Ticket profitieren. "Im Regionalverkehr modernisieren, digitalisieren und erweitern wir die Kapazitäten kontinuierlich weiter." Die Nutzung im Nahverkehr nehme wieder deutlich zu. In den vergangenen zwei Jahren habe die DB rund 1,5 Milliarden Euro allein in die Erneuerung der Fahrzeugflotte im Regionalverkehr investiert. "Diese kontinuierliche Modernisierung ist ein stetiger Attraktivitätsschub für Bahn und ÖPNV – auch für den Zeitraum des 9-Euro-Tickets."

Der VDV rechnet nach einer ersten vorsichtigen Schätzung damit, dass insgesamt 30 Millionen alte und neue Fahrgäste das Ticket nutzen, Ziel der Ampel-Koalition ist es, dass möglichst viele Autofahrer umsteigen, allerdings gilt das Ticket nun mitten in der Ferienzeit.

9-Euro-Ticket: Wichtige Fakten im Überblick

  • Bundestag und Bundesrat haben den notwendigen gesetzlichen Änderungen am 19.Mai zugestimmt, damit die Ticketaktion ab dem 1. Juni starten kann. Dazu gehört auch die Finanzierung.
  • Die Länder fordern zudem weiterhin vom Bund weitere Milliardenhilfen für die Verkehrsunternehmen, um etwa Kostensteigerungen bei Energiepreisen ausgleichen zu können - und damit nicht nach dem Auslaufen des 9-Euro-Monatstickets die Tarife nach oben schießen, im Vergleich zum jetzigen Stand. In Länderkreisen war von schwierigen Verhandlungen die Rede. Es wird aber nicht damit gerechnet, dass die Länder das 9-Euro-Monatsticket über diesen Hebel noch stoppen.
  • Das günstige Ticket soll bundesweit gelten - allerdings könnte dies Einnahmeausfälle bei der bundeseigenen Deutschen Bahn zur Folge haben, weil dann Fahrgäste für weitere Strecken nicht den ICE, sondern Regionalbahnen nutzen.
  • Für Jobtickets und Semestertickets soll die Ermäßigung ebenfalls gelten. Auch Rentner*innen können den Fahrschein in Anspruch nehmen. 
  • Es gibt auch Nachteile: Warum das 9-Euro-Ticket auch zur Kostenfalle werden kann, erfährst du hier.

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