• Entlastungspaket 2022: Bundeskabinett beschließt die milliardenschweren Erleichterungen 
  • Ab heute gilt es: Am 1. Juni ist Stichtag für das 9-Euro-Ticket
  • Es soll 3 Monate gültig sein und bundesweit gelten
  • Hier gilt der ÖPNV-Fahrschein und das musst du rund um das Ticket wissen

Das 9-Euro-Ticket gilt ab heute: Ab dem 1. Juni kann jeder in Deutschland den Fahrschein nutzen. Als Teil des Entlastungspaketes 2022 hat das Bundeskabinett am Mittwoch (27. April 2022) den staatlich geförderten Rabatt für die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) beschlossen. Mit dem Maßnahmen-Paket will die Koalition Bürger*innen finanziell entlasten. Sie reagiert damit auf die infolge des Ukraine-Kriegs in vielen Lebensbereichen dramatisch gestiegenen Preise. Außer einer Verbilligung der Ticketpreise im ÖPNV gehört zum Entlastungspaket auch eine 300-Euro-Energiepreispauschale, ein Zuschuss für Leistungsempfänger und ein Familienbonus pro Kind. Wie weit kann man damit fahren? Und was gilt eigentlich für Bestandskunden der Bahn?

Ab 1. Juni: Jetzt gilt das 9-Euro-Ticket - hier bekommst du es 

Der Verkauf des 9-Euro-Tickets hat bereits am 23. Mai gestartet. Ab dem 1. Juni gilt der Fahrschein dann bundesweit im ÖPNV. Die Tickets sind und bleiben über die Apps, Fahrkartenschalter, Kundenzentren und andere Verkaufsstellen der jeweiligen Verkehrsunternehmen und Verbünde erhältlich. Seit Montag (30. Mai) gibt es vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) auch eine eigene "9-Euro-Ticket"-App, die auf den gängigen Plattformen heruntergeladen werden und über die Monatstickets ebenfalls gekauft werden können. 

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Das 9-Euro-Ticket wird im Juni, Juli und August angeboten. Es gilt bis zum Ende des Monats, in dem es gekauft wurde. Die Monatskarte verlängert sich nicht automatisch. Das Ticket gilt auch für den Regionalverkehr, nicht aber für den Fernverkehr der Deutschen Bahn - also nicht für ICE, IC oder EC. Der ursprünglich anvisierte Start im Mai war nicht zu machen. Bis zum Juni können die Voraussetzungen für die Einführung geschaffen werden, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ingo Wortmann, den Partnerzeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft.

Der 1. Juni fällt auf einen Mittwoch - am Wochenende darauf ist Pfingsten. Das macht es möglich, für ein langes Wochenende mit dem Regionalexpress für 9 Euro zum Beispiel von Berlin aus an die Ostsee zu fahren, das ist dann deutlich günstiger. Oder man fährt statt mit einem ICE oder IC mit einer oder mehreren Regionalbahnen von A nach B. Das Ticket gilt aber auch noch im Juli und August - und damit in den Hauptmonaten der Sommerferien. Profitieren könne also nicht nur Pendler*innen, die das Auto stehen lassen und stattdessen auf Bus und Bahn umsteigen. Auch Familien, die in den Sommerferien verreisen, könnten mit Regionalzügen günstiger von A nach B kommen.

Geltungsbereich des 9-Euro-Tickets: Unabhängig von den Tarifzonen

Am 13. April 2022 ist die endgültige Entscheidung über den Geltungsbereich gefallen. Nun steht fest: Das günstige Ticket soll bundesweit gelten. Das bedeutet: Wer eine Fahrkarte in Berlin kauft, kann damit auch Busse und Bahnen in Hamburg, München oder in anderen Städten nutzen. 

Einen bundesweiten Geltungsbereich des Günstig-Tickets hatte unter anderem der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) gefordert. Nach Informationen des RND hieß es aus dem Verkehrsausschuss des Bundestages, dass der Bund für die Kosten in Höhe von rund 2,5 Milliarden Euro aufkommen will, die das 9-Euro-Ticket verursacht.

Damit soll vermieden werden, dass das Ticket nur regional beschränkte Gültigkeit besitzt. Eine solche Beschränkung und eine Abhängigkeit von Tarifzonen sei "unpraktikabel".  Der VDV hatte seine Forderung damit begründet, dass Bus- und Bahn Kund*innen nicht gegenüber Autofahrer*innen benachteiligt werden dürften - und Menschen mit Autos könnten schließlich deutschlandweit fahren.

9-Euro-Ticket: Schnupperticket für Neukunden - und was ist mit den Bestandskunden?

Für Abonnentinnen und Abonnenten etwa von Monatstickets soll es laut VDV einen "Treuebonus" geben. Bestandskunden sollen sich um nichts kümmern müssen. Das 9-Euro-Monatsticket soll verrechnet werden - über eine Verringerung des Bankeinzugs oder eine Erstattung. Andernfalls war die Befürchtung, dass viele Kunden ihre Abos kündigen könnten. Auch für Semestertickets soll es eine Lösung geben.

Für Neukunden soll das Ticket ein "Schnupperticket" sein. Es soll laut VDV "im Laufe des Mais" verfügbar sein. Neukunden sollen, sofern sie dem zustimmen, von den Verkehrsunternehmen Anschlussangebote bekommen. Die Branche will die Chance nutzen, durch das Ticket dauerhaft neue Kunden zu gewinnen - nach starkem Rückgang der Fahrgastzahl in der Corona-Pandemie. Mit dem 9-Euro-Ticket könnte sich das schlagartig ändern. Wie voll könnte es in den Zügen werden? 

"Wir haben keinen blassen Schimmer", sagte kürzlich der Chef der Bahn-Regionaltochter DB Regio, Jörg Sandvoß, zu dieser Frage. Zu rechnen sei wohl mit 30 Millionen Ticket-Nutzern pro Monat, hieß es zuletzt beim VDV. Das sei aber nur eine Schätzung. Die hohe Nachfrage nach den Tickets ist ein Indikator: Allein über die digitalen Kanäle der Deutschen Bahn sind bis einschließlich Montag bereits fast drei Millionen Tickets verkauft worden. Mit einem ersten Stresstest für den ÖPNV rechnen viele Fachleute bereits für das kommende lange Pfingstwochenende.

Sind die Tickets kombinierbar - und wird weiterhin kontrolliert?

Wie die Deutsche Bahn mitteilte, kann man damit im Regionalverkehr zu dem Bahnhof fahren, an dem man in einen Fernzug umsteigt. Für die Fahrt im Fernverkehr ist dann aber immer ein separates Ticket notwendig.

Die Verkehrsunternehmen kontrollieren eigenen Angaben zufolge wie gewohnt weiter. Wer ohne Ticket angetroffen wird, zahlt nach wie vor ein sogenanntes erhöhtes Beförderungsgeld von meist 60 Euro. Um einem möglichen großen Andrang gewachsen zu sein, werden auch weitere Züge eingesetzt.

Viele Verkehrsunternehmen haben für die drei Monate Verstärkerzüge angekündigt. Die Deutsche Bahn etwa will 50 zusätzliche Züge einsetzen und das Personal verstärken. Mit den Fahrzeugen könnten 250 zusätzliche Fahrten angeboten werden, hieß es. Sie sollen vor allem entlang der Touristenstrecken in Richtung Nord- und Ostsee sowie im Süden eingesetzt werden. Doch angesichts von durchschnittlich rund 22.000 Regionalbahnfahrten jeden Tag sind Fachleute skeptisch, ob das reicht.

9-Euro-Ticket: Wichtige Fakten im Überblick

  • Bundestag und Bundesrat haben den notwendigen gesetzlichen Änderungen am 19.Mai zugestimmt, damit die Ticketaktion ab dem 1. Juni starten kann. Dazu gehört auch die Finanzierung.
  • Die Länder fordern zudem weiterhin vom Bund weitere Milliardenhilfen für die Verkehrsunternehmen, um etwa Kostensteigerungen bei Energiepreisen ausgleichen zu können - und damit nicht nach dem Auslaufen des 9-Euro-Monatstickets die Tarife nach oben schießen, im Vergleich zum jetzigen Stand. In Länderkreisen war von schwierigen Verhandlungen die Rede. Es wird aber nicht damit gerechnet, dass die Länder das 9-Euro-Monatsticket über diesen Hebel noch stoppen.
  • Das günstige Ticket soll bundesweit gelten - allerdings könnte dies Einnahmeausfälle bei der bundeseigenen Deutschen Bahn zur Folge haben, weil dann Fahrgäste für weitere Strecken nicht den ICE, sondern Regionalbahnen nutzen.
  • Für Jobtickets und Semestertickets soll die Ermäßigung ebenfalls gelten. Auch Rentner*innen können den Fahrschein in Anspruch nehmen. 
  • Es gibt auch Nachteile: Warum das 9-Euro-Ticket auch zur Kostenfalle werden kann, erfährst du hier.

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