• Grundrente 2022 erreicht nächste Stufe: Alle Renten werden überprüft
  • Über 400 Euro pro Monat möglich - aber wer bekommt sie tatsächlich?
  • Auszahlung auch rückwirkend möglich: Das musst du dazu wissen

Im Jahr 2021 hat die Auszahlung der Grundrente begonnen, nun - rund ein Jahr nach dem Start - prüft die Rentenversicherung beim Großteil der Rentnerinnen und Rentner in Deutschland einen möglichen Anspruch. Im neuen Jahr werde nach und nach bei sämtlichen Jahrgängen die Prüfung des Grundrentenzuschlags angestoßen, sagte die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Zudem gibt es weitere gute Nachrichten für Rentnerinnen und Rentner: Die stärkste Rentenerhöhung seit Jahrzehnten kommt - das hat die Regierung am 13. April beschlossen. Alle Änderungen bei der Rente im Jahr 2022 gibt es hier - wobei eine Neuerung besonders bitter ist.

Grundrente 2022: Bescheide gelten auch rückwirkend - jetzt auszahlen lassen

Die Auszahlung der Grundrente findet seit Mitte 2021 rückwirkend statt. Zunächst wurde bei allen Neurentner*innen geprüft, ob Anspruch auf den Grundrentenzuschlag besteht. Grund für die Verzögerung war der enorme Aufwand für die Ermittlung des Anspruchs. Wegen der fälligen Einkommensprüfungen musste erst eine Datenautobahn zwischen Rentenversicherung und Finanzbehörden errichtet werden. Die Rentenversicherung sagt den Finanzämtern, wer lange genug für Grundrente gearbeitet hat - diese prüfen das jeweilige Einkommen. Das Zusammenspiel mit den Finanzämtern bei der Einkommensprüfung klappe "reibungslos", versicherte Roßbach. 

Nach der Prüfung aller Neurentner*innen seien laut Roßbach alle mit Grundsicherung und die ältesten Rentenjahrgänge gefolgt. "Und nun folgen die weiteren Bestandsrentnerinnen und Bestandsrentner - also alle, die seit 1992 in Rente gegangen sind", sagte Roßbach. "Wir werden mit den ältesten Jahrgängen beginnen und im neuen Jahr nach und nach bei sämtlichen Jahrgängen die Prüfung des Grundrentenzuschlags anstoßen." Insgesamt wird bei rund 26 Millionen Renten geprüft, ob der Zuschlag gezahlt wird.

Warum kommt die Grundrente? Jedem, der mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, steht auch eine Altersvorsorge zu. Doch nur etwas mehr als die Hälfte ist auch zufrieden mit der Höhe ihrer Bezüge, berichtet das Renteninformationsportal ihre-vorsorge.de. Um das zu ändern, hat die Regierung die Einführung einer Grundrente beschlossen. Ab dem 1. Januar 2021 sollten Rentner*innen mit unterdurchschnittlichem Einkommen einen Aufschlag bekommen. Dieser kann bis zu 418 Euro hoch sein. Niedrigverdienern soll somit eine stabilere Altersvorsorge gewährleistet werden.

Grundrente wird geprüft: Wer hat Anspruch auf zirka 400 Euro? 

Doch wer bekommt die Rentenaufstockung?  Die Grundrente ist gedacht für alle Rentner*innen, die während ihres Arbeitslebens unterdurchschnittlich verdient haben.

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Dies würde laut Bundesregierung  etwa 1,3 Millionen Ruheständler betreffen. 

Das musst du wissen: Nicht nur die Arbeitsjahre zählen bei der Grundrente 

Um die Grundrente ausgezahlt zu bekommen, sind mindestens 35 Jahre Grundrentenzeit nötig. Wer nur 33 Jahre gearbeitet hat, bekommt ebenfalls Grundrente, allerdings nicht in voller Höhe. Laut der Deutschen Rentenversicherung zählen neben der Arbeitszeit folgende Zeiten zu den Grundrentenzeiten:

  • Zeit zur Erziehung der Kinder
  • Pflegezeiten
  • Krankheits- und Rehabilitationszeiten
  • Ersatzzeiten (zum Beispiel Zeiten des Kriegsdienstes, der Kriegsgefangenschaft oder der politischen Haft in der DDR)

Nicht zur Grundrentenzeit gehören hingegen:

  • Arbeitslosenzeit
  • Minijob-Zeiten
  • Schulische Ausbildungen
  • Zeiten der Erwerbsminderungsrente
  • Zeiten, in denen freiwillige Beiträge gezahlt wurden

Zudem ist ein im Mittel unterdurchschnittlicher Verdienst nötig. Das Einkommen muss über das gesamte Arbeitsleben mindestens 30 Prozent, aber höchstens 80 Prozent des deutschen Durchschnittsverdienstes betragen. Im vergangenen Jahr 2020 wären dies beispielsweise zwischen 1013 Euro und 2703 Euro brutto monatlich gewesen, erklärt Daniel Konczwald, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Rentenberater.

Rentenbeziehende aufgepasst: Nicht alle Geringverdienenden haben Anspruch

Daraus ergibt sich, dass nicht alle Geringverdiener automatisch Anspruch auf Grundrente haben. Arbeitnehmer, welche weniger als 30 Prozent des Durchschnittsverdiensts bekommen haben, erhalten gar keinen Grundrentenzuschlag. Das gilt somit auch für Minijob-Zeiten. Es ist also durchaus möglich, dass Rentner eine sehr geringe monatliche Rente besitzen und trotzdem keine Grundrente bekommen.

Die Rentenversicherung zahlt nur dann die Grundrente voll aus, wenn das zu versteuernde Einkommen des Rentners, der steuerfreie Teil der Rente und Kapitalerträge eine bestimmte Höhe nicht übersteigt. Die Grenze liegt bei 1250 Euro für Alleinstehende und bei 1950 Euro für Paare. Liegen die Einkünfte darüber, sinkt die Grundrente dementsprechend.

Betragen die Einkünfte bis 1600 Euro bei Alleinstehenden und 2300 Euro bei Paaren, werden 60 Prozent des über dem Freibetrag liegenden Einkommens angerechnet.

Grundrente berechnen: Es gelten Einkommensgrenzen - Beispielrechnungen

Liegt das Einkommen über den Grenzwerten von 1600 beziehungsweise 2300 Euro, wird der Betrag, der den Grenzwert übersteigt, vollständig auf den Grundrentenzuschlag angerechnet. 

Beispielrechnungen: Ein alleinstehender, 67-jähriger Rentner, der zuletzt ungefähr 2000 Euro verdiente und der 35 Jahre Grundrentenzeit aufweisen kann, hat Anspruch auf die Grundrente. Das Einkommen des Rentners lag in allen Jahren bei 60 Prozent des Durchschnittsverdienstes. Geht man von einer Rente von 738,50 Euro West/753,25 Euro Ost aus, betrüge seine Grundrente 209,41 Euro West/205,00 Euro Ost, wie der Berliner Vermögensverwalter Growney gegenüber fr.de berechnet hat. Die Gesamtrente würde sich dann auf 947,92 Euro West und 958,25 Euro Ost addieren. 

Hat dieser Rentner eine Ehefrau, die zuletzt 3000 Euro verdiente und ebenfalls 35 Grundrentenjahre gearbeitet hat, liegt der Fall für sie jedoch ganz anders. Sie bekäme 1107,76 Euro West/1.129,87 Euro Ost Rente. Damit liegt ihr durchschnittliches Arbeitsentgelt über 80 Prozent des Durchschnittsentgelts. Sie hätte also keinen Anspruch auf Grundrente. Die Rente ihres Mannes wäre davon jedoch unberührt. Ihr Ehemann bekäme weiter die volle Grundrente, denn beide werden gemeinsam veranschlagt und haben zusammen weniger als 1950 Euro.

Minijob-Rechenbeispiel: Eine Frau hat 17 Jahre in einem Minijob ohne Rentenbeiträge gearbeitet. Außerdem hat sie 18 Jahre lang fest gearbeitet und dabei 60 Prozent des Durchschnittsverdienstes, also wieder 2000 Euro monatlich verdient. Insgesamt besteht für sie somit ein Rentenanspruch von 476,95 Euro West/520,81 Euro Ost. Es besteht jedoch kein Anspruch auf Grundrente. Die notwendige Zahl an Grundrentenjahren wurde nicht erreicht, da die Arbeitsjahre des Minijobs nicht mitzählen. 

Wann bekommt man die Grundrente - und welche Jahre zählen? 

Die Grundrente wird seit Juli 2021 rückwirkend ausgezahlt. Ein Antrag auf Grundrente muss nicht gestellt werden. Sofern man einen Anspruch hat, wird das Geld automatisch ausgezahlt. Aufgrund des Verwaltungsaufwands durch die Ermittlung der Ansprüche wird sich die Auszahlung der Bezüge voraussichtlich bis Ende 2022 hinziehen. Bis dahin besteht keine Gefahr, dass die Ansprüche verfallen könnten. Man erhält in diesem Fall eine Nachzahlung.

Um die gesetzliche Rente ranken sich zahlreiche Mythen. Hier werden die größten Mythen der gesetzlichen Rente verständlich erklärt

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mit dpa

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