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2-Euro-Münze für 150.000 Euro auf Ebay: Woran erkennt man die Schätze?

Immer wieder werden bei Ebay seltene 2-Euro-Stücke für unglaubliche Preise angeboten. Aber geben Münzsammler wirklich Hunderttausende oder sogar Millionen aus? Wir erklären dir, woran man die seltenen Münzen erkennt - und was wirklich hinter den Ebay-Preisen steckt.

Münzen können mehr wert sein, als man zunächst vermutet. Auf Ebay werden regelmäßig 2-Euro-Münzen für mehr als 100.000 Euro angeboten. Aber was ist an den Geldstücken so besonders?

Derzeit wird zum Beispiel ein 2-Euro-Stück für fast 150.000 Euro angeboten. Laut dem privaten Verkäufer soll es sich um ein "absolutes Unikat" handeln. Die belgische Münze ist eine sogenannte Fehlprägung. Das zeigt sich durch einen besonders tiefen Rand. Wie glaubwürdig das Angebot ist, sei jedoch dahingestellt - erst vor einigen Wochen wurde nämlich eine identische Münze zum gleichen Preis angeboten. Möglicherweise hat sich zu diesem horrenden Preis aber auch einfach kein Käufer gefunden.

Wertvolle 2-Euro-Münzen: Hast du sie zufällig im Geldbeutel? 

Fehlerhafte Münzen entstehen laut dem Ratgeber-Portal "ankaeufer.com" durch Ungenauigkeiten der Münzstätte, zum Beispiel Materialfehler oder Fehler beim Stempeln. So wurde etwa eine 2-Euro-Münze auf Ebay angeboten, deren Kern nicht richtig beschichtet ist. Dadurch ist ein sonderbares Muster entstanden, das aus Sicht des Verkäufers offenbar 100.000 Euro wert ist. So ein Fehler beim Material kommt natürlich auch nicht sehr oft vor.

Die häufigsten Fehlprägungen sind ein falsches Format, eine falsche Inschrift oder ein falscher Rand. Zum Beispiel gibt es 1-Euro-Prägungen auf 50-Cent-Stücken oder auch irische 2-Euro-Münzen, die eine Inschrift aus den Niederlanden haben. Im Jahr 2008 gab es auch Fehlprägungen, deren Europakarte veraltet war. Bis 2007 wurden nur die 15 alten Mitgliedsstaaten abgebildet, nach der Osterweiterung der Währungsunion wurde stattdessen der geografische Umriss Europas auf die Münzen geprägt.

Oft sind die Fehler aber nicht ganz so offensichtlich: auch "dezentrierte" Prägungen und Doppelprägungen können viel wert sein. Ist die Prägung dezentriert, sieht die Münze einfach ein bisschen schief aus, Sterne auf dem Rand können abgeschnitten sein oder der Kreis des Kerns ist leicht versetzt.

Fehlprägungen, Gedenkmünzen und Herkunftsländer: Das steigert den Wert einer Euro-Münze

Doppelprägungen kann man dagegen an bestimmten Einkerbungen erkennen - das ist allerdings nur etwas für echte Kenner. Für Laien sehen die Kerben eher wie normale Gebrauchsspuren aus. Wer sich die Angebote für Sammlermünzen auf Ebay oder anderen Verkaufsplattformen anschaut, wird deshalb viele Fotos mit Markierungen finden. Münzsammler können so in der Theorie besser erkennen, ob es wirklich eine Fehlprägung ist. Allerdings gibt es vor allem auf Ebay auch Bilder mit willkürlich gesetzten Markern, daher ist Vorsicht geboten. Sogenannte Spiegeleier werden ebenfalls unter Sammlern hoch gehandelt. So wird eine Münze bezeichnet, deren Kern "ausgelaufen" ist und über den Rand hinausgeht. Am leichtesten zu finden, ist wohl das "Zainende": Verrutscht das Zainblech, aus dem die Münze ausgestanzt wird, kann ein Stück der Münze fehlen.

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Auch ohne Fehlprägung kann der Wert einer Münze aber höher sein, als die Zahl, die darauf abgebildet ist. Wie Chip.de berichtet, sind die 2-Euro-Stücke aus den Zwergstaaten Europas unter Sammlern sehr gefragt. Grund für Sammlerwert ist, dass diese in deutlich geringerer Anzahl produziert werden. So erkennt ihr die seltenen Münzen:

  • Andorra: Rückseite zeigt das Staatswappen der Republik
  • Monaco: Rückseite zeigt ein seitliches Porträt des Staatsoberhauptes, Fürst Albert II. Grimaldi (seit 2006)
  • San Marino: Rückseite zeigt den heiligen Marinus (seit 2017)
  • Vatikanstadt: Rückseite zeigt das Wappen von Papst Franziskus (seit 2019)

Wegen des Ansturms an Münzsammlern hat die Europäische Kommission vor einigen Jahren sogar die Währungsvereinbarungen mit den Mikrostaaten angepasst. So wurde die Obergrenze, wie viele Münzen jährlich herausgegeben werden dürfen, hochgesetzt. Außerdem gibt es eine feste Quote für "Umlaufmünzen". Sprich: Geldstücke, die in erster Linie als Zahlungsmittel ausgegeben werden und nicht zum Sammeln. Trotzdem wird Umlaufgeld aber natürlich gesammelt. Offizielle Sammlermünzen dürfen alle EU-Staaten sowie Mikrostaaten dagegen nur in sehr begrenzter Zahl herausgeben. Zum Bezahlen kann man diese aber nicht nutzen. In Deutschland zählen zu den Sammlermünzen beispielsweise die 5-, 10- oder 20-Euro-Münze. Auch 2-Euro-Gedenkmünzen fallen darunter - und gelten sogar als Zahlungsmittel.

2-Euro-Gedenkmünzen: Diese Motive sind besonders gefragt

Die teuerste Prägung aus einem Kleinstaat sei laut "ankaeufer.com" eine Gedenkmünze aus Monaco gewesen. 2007 wurden Münzen mit dem Bild der verstorbenen Schauspielerin und Fürstin des Landes, Grace Kelly, produziert. Es existieren nur 20.001 Exemplare, der Wert einer Münze wird auf 3000 Euro geschätzt.

Grundsätzlich können die sogenannten 2-Euro-Gedenkmünzen sehr wertvoll sein. Jedes Land darf pro Jahr nur zwei solcher limitierten Prägungen herausgeben, die produzierte Menge ist ebenfalls begrenzt. Zu den Gedenkmünzen gehören quasi alle, die nicht die übliche Prägung haben. Sie sollen an besondere Ereignisse und Persönlichkeiten erinnern. Beispielsweise wurde 2019 in Deutschland eine 2-Euro-Münze, die den Mauerfall zeigt, herausgegeben.  Auch Altkanzler Helmut Schmidt wurde 2018 mit einer Münze geehrt. 

Zu weiteren wertvollen Sonderprägungen zählen die "Ruban Rose", eine Gedenkmünze zum Kampf gegen Brustkrebs aus Frankreich aus dem Jahr 2017, und die Kunstprägung zum zehnjährigen Bestehen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Sie zeigt eine Strichmännchen-Zeichnung des griechischen Münzdesigners Georgios Stamatopoulos und wurden gemeinsam von allen EU-Staaten, die den Euro benutzen, herausgegeben. Auf Ebay wird sie mit bis zu 50.000 Euro gehandelt.

Münzen kaufen auf Ebay: Wie realistisch sind die Preise wirklich?

Doch wie realistisch sind die Preise auf Ebay wirklich? Fehlprägungen und Gedenkmünzen können zwar durchaus Sammlerwert besitzen, allerdings nicht in dieser Größenordnung. Die Münze mit den Strichmännchen ist zum Beispiel bei Fachhändlern für höchstens 100 Euro zu finden. Allein dieser Preis ist schon weit entfernt von 50.000 Euro. Zudem bekommt man gleich 20 Münzen "bankfrisch" statt einer einzelnen gebrauchten. Nur selten erreicht der Wert einer Münze fünfstellige Beträge. Bei Angeboten auf Ebay mit unglaublichen Preisen sollte man daher stutzig werden. Das große Geld kann man mit einem Zufallsfund im Geldbeutel also nicht machen. Es gibt aber durchaus Fehlprägungen und Gedenkmünzen, die so selten sind, dass sie für mehrere tausend Euro verkauft werden. Die meisten davon sind in Katalogen von seriösen Anbietern gelistet.

Schaut euch die Prägung eurer 2-Euro-Stücke also trotzdem lieber genau an, bevor ihr sie ausgebt. Vielleicht stecken ja ein paar Tausender oder Hunderter in eurem Münzgeld. Bevor ihr eine Münze verkauft, solltet ihr sie aber vorsichtshalber auf Echtheit prüfen lassen, denn auch gefälschte Münzen können "besonders" aussehen. Fachleute können euch zudem eine realistische Einschätzung geben, wie viel die Münze wert ist. Übrigens können alte Münzen ebenfalls viel Geld einbringen: Diese D-Mark-Münzen sind besonders begehrt.

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