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Eitorf
Böller-Verbote

Absurde Feinstaub-Debatte? Hersteller rechnet mit Klima-Vorurteilen an Silvester ab

In der Diskussion um die Benutzung von Feuerwerkskörpern an Silvester taucht immer wieder der Vorwurf der Klimaschädlichkeit auf. Einer der größten Raketen-Hersteller will nun mit Vorurteilen aufräumen.
 
An Silvester kommt es Angaben des Umweltbundesamtes zu einer hohen Feinstaubbelastung. Wie schnell diese wieder abklingt, hängt demnach unter anderem vom Wetter ab. Foto: Christoph Schmidt/dpa
An Silvester kommt es Angaben des Umweltbundesamtes zu einer hohen Feinstaubbelastung. Wie schnell diese wieder abklingt, hängt demnach unter anderem vom Wetter ab. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Die Debatte um Böller-Verbote und die Umweltverträglichkeit von Silvester-Feuerwerk ist in vollem Gange. Zahlreiche fränkische Städte haben bereits reagiert und Wochen vor dem 31. Dezember Verbote ausgesprochen, Pyrotechnik in den Innenstädten zu zünden. Zudem sorgte die Entscheidung verschiedener Bau- und Supermärkte, keine Silvester-Knaller zu verkaufen, für Diskussionen. Die Baumarktkette "Hornbach" entschied beispielsweise ab 2020 in ganz Europa keine Raketen und Böller mehr zu verkaufen. Ein fränkischer Obi hat sich dem nun angeschlossen. Dahinter steckt vor allem das Engagement für Tierschutz.

Die Debatte geht dem größten Hersteller von Feuerwerk in Deutschland zu weit. Das Unternehmen "WECO Feuerwerk", das laut Informationen der Rheinischen Post jährlich rund 20 Millionen Raketen produziert, beklagt "falsche Darstellungen". Eigenen Angaben zufolge, stammen zwei Drittel der Raketen und Böller, die im Silvestergeschäft im Umlauf sind, von "WECO".

Absurde Feinstaub-Debatte? Hersteller rechnet mit Vorurteilen ab

"Wie absurd die Debatte um das Traditionsgut Feuerwerk geführt wird, zeigt sich exemplarisch an der Diskussion über das Thema Feinstaub", heißt es von Seiten der Firma, die im nordrhein-westfälischen Eitorf ansässig ist. Konkret geht es den Pyrotechnikern um die Forderungen, der Deutschen Umwelthilfe. Die Verbraucherschutzorganisation machte Anfang Oktober Druck auf fast 100 deutsche Kommunen, dem Feinstaub den Kampf anzusagen. Jürgen Resch, Chef der Umwelthilfe, forderte die Bundesregierung um Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, derartige Verbotsverfahren zu erleichtern.

Die Forderungen der Deutschen Umwelthilfe greift "WECO" an: "Die Feinstaubmengen, die das Umweltbundesamt in seiner Berechnung publiziert hat und die anschließend von der Deutschen Umwelthilfe aufgegriffen und sogar pauschal um über zehn Prozent erhöht wurden", würden jeglicher Grundlage entbehren, teilt das Unternehmen mit. Die Hochrechnungen, wonach es eine jährliche Feinstaubmenge durch Feuerwerk von 4500 bis 5000 Tonnen gibt, seien noch nie unter realen Bedingungen bewiesen worden. Zudem seien die Ergebnisse der Hochrechnungen vertauscht und falsch dargestellt worden. Diese Kritik richtet sich insbesondere an die Medien.

Neben den "falschen Darstellungen" heißt es von Seiten des Unternehmens, dass es sich bei Feinstaub - anders als bei CO2 - nicht um ein "klimarelevantes" Gas handle. Der Vorwurf der Schädlichkeit für das Klima sei demnach unbegründet, da die entstehenden Feinstäube schlichtweg andere physikalische Eigenschaften, als die im Straßenverkehr produzierten, besäßen.

Die durch das Umweltbundesamt veröffentlichten Zahlen, sind in einem größeren Zusammenhang vergleichsweise gering. Jährlich werden in Deutschland mehr als 200.000 Tonnen "PM10"-Feinstaub freigesetzt. Der Anteil des Feinstaubes durch Silvester-Raketen beläuft sich demnach im unteren einstelligen Prozentbereich.

Wie schädlich ist der Feinstaub für die Gesundheit?

Doch eines ist klar: Feinstaub ist ungesund - egal in welcher Menge. Menschen sind diesem dauerhaft ausgesetzt. Beim Staubsaugen, im Straßenverkehr, im Büro, beim Kochen oder im Weihnachtsgottesdienst: Zwar schwanken die Feinstaubwerte der genannten Beispiele stark, aber es dringen in allen Fällen massenhaft Partikel in die Bronchien, die Lunge und die Nasennebenhöhlen ein.

"Das Einatmen von Feinstaub gefährdet die menschliche Gesundheit. Die Wirkungen reichen von vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege über einen erhöhten Medikamentenbedarf bei Asthmatikern bis zu Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen", erklärt das Umweltbundesamt.