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Ostern

Karfreitagsratschen, Speisenweihe, Osterbrunnen & Co.: Kennst du diese Oster-Bräuche?

Es gibt sie immer noch, die teils Jahrhunderte alten Bräuche zu Ostern in Franken und Bayern. Spezielle Gerichte, bemalte Eier in allen Variationen und religiöse Feiern gehören dazu.
Karfreitagsratschen, Speisenweihe & Co.: Osterbräuche in Franken und Bayern
In Bayern gibt es die verschiedensten Oster-Traditionen, um unser Osterfest noch schöner zu gestalten. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Kräutelsuppe, Karfreitagsratschen, Osterbrunnen - das Brauchtum rund ums Osterfest ist vielfältig. Gepflegt wird es in Bayern und Franken vor allem auf dem Land. Nachdem im Jahre 2021 nicht alle Osterbräuche aufgrund der Corona-Pandemie durchführbar waren - vielerorts wurden beispielsweise keine Osterbrunnen geschmückt - sieht es 2022 wieder besser aus.

In Franken und Bayern kommt am Gründonnerstag eine würzige Suppe auf den Tisch, Ratschen ersetzen die Kirchenglocken, Speisen werden zur Weihe in die Kirche gebracht und vieles mehr. Hier findest du einige Osterbräuche - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - im Überblick.

Karfreitagsratschen

Wenn nach dem Gloria bei der Gründonnerstagsmesse die Glocken schweigen und erst in der Osternacht wieder das erste Mal läuten, schlägt die Stunde der Karfreitagsratschen. Ministrantinnen und Ministranten erzeugen mit den hölzernen Klapper-Instrumenten auf der Straße einen eigenartigen Lärm. Auch in der Kirche ersetzen die Ratschen das Glockenläuten, etwa bei der Wandlung. Es gibt auch fahrbare Ratschen auf Schubkarren und Kastenratschen, die mit einer Kurbel betrieben werden.

Speisenweihe

Endlich ist die Fastenzeit vorbei, es darf wieder alles gegessen werden. Entsprechend üppig sind die Körbe mit Speisen gefüllt, die an Ostern mit in den Gottesdienst genommen und am Altar geweiht werden. Auf alle Fälle gehören bunte Ostereier hinein, auch Salz, fast immer liegt ein geräucherter Schinken dabei, Brot oder ein aus Hefeteig gebackenes Osterlamm. Das Ei symbolisiert neues Leben, Salz die Auferstehung. So mancher ältere Gläubige legt das hartgekochte Ei angeschlagen ins Körbchen, "damit die Weihe auch eindringen kann".

Karfreitagsprozessionen

Jährlich strömen am Karfreitag etwa 10.000 Menschen ins unterfränkische Lohr am Main, um die beeindruckende Karfreitagsprozession zu sehen. Die Darstellung geht vom letzten Abendmahl bis zum toten Christus im Grab. Dazu werden normalerweise 13 lebensgroße Holzfiguren schweigend durch die Gassen der historischen Innenstadt getragen. Etwa 600 Menschen wirken jährlich bei dem Umzug mit, vor allem Handwerker, Vertreter des Stadtrats sowie Kleriker und Ministranten. Am Ende der Prozession wird traditionell auf dem Kirchplatz gebetet.

Der 1658 erstmals urkundlich erwähnte Umzug gilt als der älteste im deutschsprachigen Raum. Auch anderswo gibt es normalerweise Karfreitagsprozessionen, etwa im oberfränkischen Neunkirchen am Brand oder in Bamberg.

Osterbrunnen

Busweise fahren Ausflügler in der Osterzeit durch die Fränkische Schweiz und bestaunen Brunnen, die mit Girlanden aus Tannenzweigen und bunt bemalten Eiern geschmückt sind. Der Brauch ist mehr als 100 Jahre alt. Die Menschen wollten damit zum Ausdruck bringen, wie lebensnotwendig das Wasser ist. Auf den Hochebenen der Fränkischen Schweiz war das Wasser knapp, als es noch keine Leitungen gab. Die Menschen mussten es aus dem Tal mühsam auf den Berg transportieren. Am berühmtesten ist der mit mehr als 10.000 Eiern verzierte Osterbrunnen in Bieberbach im Landkreis Forchheim.

Kräutelsuppe

In vielen Haushalten wird am Gründonnerstag eine kräftige Kräutersuppe aufgetischt, oft Kräutelsuppe genannt. In eine Brühe, die etwa mit Kartoffeln oder anderem Gemüse verfeinert wird, kommen frische Kräuter wie Kerbel, Brunnenkresse, Bärlauch, Brennnessel, Gänseblümchen, Löwenzahn Sauerampfer und Schnittlauch. Das Rezept dafür wird oft seit Generationen weitergereicht.

Oascheim

Beim Oascheim - auf Hochdeutsch: Eierschieben - müssen Ostereier über eine schräge Bahn kullern. Es gibt verschiedene Spielarten. Die einen lassen die Eier über die Stiele von zwei parallel verlaufenden Rechen kullern, andere verlegen das Spiel an eine abschüssige Wiese. Um die Punkte zu zählen, wird auf jedes Ei, das in der Wiese liegt, ein Geldstück gelegt. Wessen Ei die Münze von einem anderen Ei schubst, der darf das Geld behalten. Gewonnen hat, wer die meisten Münzen hat.

Ostergelächter

Fasten ist vorbei - es darf gelacht werden. Vor allem im Spätmittelalter versuchte der Pfarrer in seiner Predigt, die Gemeinde mit einer Geschichte zum Lachen zu bringen. Das Osterlachen (lateinisch: risus paschalis) ist kein offizielles Element des katholischen Gottesdienstes. Auch heute gibt es aber einige Gemeinden in Bayern, in denen die Geistlichen dieses Brauchtum pflegen.

Storch statt Hase

Auch wenn Kinder wissen, dass Hasen keine Eier legen, sind es dennoch vielerorts die wuscheligen Tiere, die an Ostern die Nester mit bunten Eiern und allerlei Gebäck füllen. Nicht so in einigen Dörfern am Fuße der Rhön in Bayern und Thüringen: Dort bringt seit Jahrhunderten der Storch die Eier - natürlich nicht seine eigenen, sondern die der Hühner. Etwa in Ostheim (Landkreis Rhön-Grabfeld) suchen Kinder das vom Storch gefüllte Osternest in Gärten und Scheunen. Und das nicht erst am Ostersonntag, sondern bereits am Gründonnerstag. «In der Regel um Ostern sind die Störche früher aus Afrika zurückgekommen», begründet der Heimatpfleger des Landeskreises Rhön-Grabfeld, Reinhold Albert, die vor allem in evangelischen Ortschaften verbreitete Tradition.