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Spiele-Rezension

Spiele-Test "Miyabi": Plättchenlegen mit dem grünen Daumen

Japanische Gärten sind bekannt für ihre akribische Gestaltung. Wer keinen eigenen Garten hat, oder mit diesem besser nicht experimentieren möchte, kann mit einem Brettspiel testen, ob man ein Händchen für asiatische Flora und Fauna hat: "Miyabi" heißt das Garten-Legespiel aus dem Hause Haba - und wir haben es ausprobiert.
Spiele-Test "Miyabi": Wer legt den schönsten Japan-Garten?
Was das Material angeht, hält Miyabi nicht ganz, was das bunte Cover der Schachtel verspricht. Foto: Stefan Lutter/inFranken.de
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  • Miyabi: Rezension des Familien-Legespiels von Michael Kiesling
  • So spielt sich die Gartengestaltung für Puzzler
  • Infos, Bewertung und Fazit

Einen japanischen Garten gestalten, mit Azaleen, Laternen, Koi-Teichen und Pagoden, schon die Vorstellung wirkt beruhigend auf das Gemüt. Ob das Familien-Legespiel Miyabi tatsächlich eine entspannende Beschäftigung mit der Gartenarbeit ist, oder ob der Wettstreit eher eskaliert, haben wir ausprobiert.

Wie spielt sich Miyabi?

Miyabi ist ein Familien-Legespiel von Haba. Ob Spieleautor Michael Kiesling damit an seinen großen Erfolgstitel Azul* anknüpfen kann, muss sich noch herausstellen. In der Box ist Material für vier Mitspielende, für jeden sechs Laternen aus Holz, ein Garten-Spielplan, insgesamt 96 Gartenplättchen, ein Bonsaibaum für den Startspieler, ein Punkteplan und einige Erweiterungsteile.

Bei diesem Legespiel wird nicht frei aneinander gebaut, sondern nach strengen Regeln. Dazu gibt der Garten-Spielplan den vorhanden Raum vor. Doch nicht nur die Ausbreitung ist reglementiert. Auch, welche Plättchen in welche Reihe gelegt werden dürfen, ist vorgegeben. Jede waagerechte Reihe ist einem Element vorbehalten, etwa Stein, Busch, Teich. Jede senkrechte Reihe darf hingegen während einer Runde nur einmal ein neues Merkmal enthalten. Wurde auf der ersten Reihe beispielsweise ein Busch platziert, so wandert die oben stehende Laterne einen Schritt nach vorn und zeigt an: In dieser Runde geht hier nichts mehr.

Hat sich der Spielende damit arrangiert, kommt die nächste Nuss, die zu knacken ist: Die meisten Punkte gibt es für Gartenelemente in höheren Ebenen. Doch dafür muss bereits eine geschlossene Fläche vorhanden sein, auf der in die Höhe gebaut wird. Gartenplättchen in einer nächsten Etage dürfen keine Lücken überbauen oder ins Nichts hinausragen.  

Entfernte Verwandtschaft zu Azul

Nach sechs Zügen ist jede Laterne einmal bewegt worden und die Runde ist zu Ende. Die Laternen werden zurückgestellt, neue Plättchen ausgelegt, und die Gartenarchitekten dürfen weiter knobeln. Jedes platzierte Plättchen wird sofort gewertet und der Marker auf dem Rundenplan weitergezogen. Sind alle Runden gespielt, folgt die Endwertung Reihe für Reihe, die erzielten Punkte lassen sich auf dem Gartenplan ablesen.

An diese Stelle passt der Hauptkritikpunkt an Miyabi: Warum Haba, das doch in der Regel durch wertiges Material glänzt, hier an den Gartenplänen gegeizt und diese Tableaus nur auf Papier gedruckt hat, ist ein Rätsel. Die Gartenpläne sind die Grundlage von Miyabi, aus stabilem Karton hätte sie hier schon sein sollen.

Ansonsten ist Miyabi eine wahre Freude für Freunde von Legespielen. Die ein, zwei oder drei Kästchen großen Legeplättchen und dazu die Eckplättchen geben einigen Raum zum Tüfteln. Eine entfernte Verwandtschaft zu Azul ist tatsächlich erkennbar. Das Bauen in die Höhe ist eine weitere Herausforderung, die es zu meistern gilt, denn gerade hierbei lassen sich viele Punkte erringen. Die Anleitung ist vorbildlich aufgebaut, die Regeln sind schnell verstanden. Die kleinen farbigen Holzlaternen, die als Erinnerungsstütze dienen, sind ein Augenschmaus. Die restliche Gestaltung hält nicht ganz das, was das bunte Cover verspricht und fällt eher in die Kategorie nüchtern-zweckmäßig.

Infos und Fazit

Die bereits enthaltenen Erweiterungen und optionalen Regelergänzungen sind, wie es sich für einen japanischen Garten ziemt, zwar auf den ersten Blick minimalistisch, wirken sich auf den Spielablauf so stark aus, dass neue Reize in die Gartenplanung Einzug erhalten. Damit ist langfristiger Spielspaß garantiert.

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Wir ordnen Miyabi in Hinblick auf Schwierigkeitsgrad, Wiederspielreiz und Spaßfaktor ähnlich ein wie den ebenfalls von uns getesteten Legespiele Akropolis und Cascadia. Die dünnen Tableaus sorgen zwar für eine Abwertung, die beiliegenden Erweiterungen gleich diese Materialschwäche aber wieder aus.

  • Infos zu Miyabi im Überblick:
    • Alter: ab 10 (Verlagsangabe: ab 8)
    • Dauer: 30 Minuten
    • Spieler: 2 bis 4
    • Verlag: Haba
    • Autor: Michael Kiesling
  • Pro:
    • Gartenthema schöne Idee
    • Erweiterung inklusive
    • Dreidimensionales Bauen
  • Contra:
    • zu dünne Spielertableaus
    • kaum Interaktion
  • Redaktionswertung: 8 von 10 Punkten

Fazit: Gartenfreunde kommen bei "Miyabi" trotz kleinerer Schwächen voll auf ihre Kosten: ein echter Tipp für Legespiel-Fans mit dem grünen Daumen.

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Transparenzhinweis: Für das Testen des Spiels hat uns der Verlag ein Rezensionsexemplar ohne weitere Auflagen zur Verfügung gestellt.

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