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Aktiv im Alter

Hilfe bei Pflegebedürftigkeit

Ein Pflegefall in der Familie stellt die Beteiligten oft vor große Herausforderungen
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Foto: Halfpoint - stock.adobe.com
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Pflegebedürftigkeit kann sowohl plötzlich und unerwartet eintreten als auch ein schleichender Prozess sein. Wer bei seinen Eltern, Großeltern oder anderen Angehörigen den Eindruck verspürt, dass Hilfe im Alltag nötig ist, sollte in jedem Fall aktiv handeln. Egal, ob die Pflegebedürftigkeit stark oder gering ausgeprägt ist - durch entsprechende Unterstützung kann der Alltag für alle Beteiligten erheblich verbessert werden. Deswegen sollte man nicht zögern und einen Antrag auf Pflegeleistungen stellen.

Pflegegrad beantragen

Einen Antrag auf Pflegeleistungen stellt man bei der Pflegekasse, die der Krankenkasse angegliedert ist. Der Antrag muss von jemandem ausgefüllt werden, der dazu bevollmächtigt ist; ob das jemand aus der Familie oder dem Bekanntenkreis ist, spielt keine Rolle. Wer sich zuvor informieren möchte, kann eine Liste bei der Pflegekasse beantragen, über die man die jeweiligen Leistungen und Angebote vergleichen kann - diese ist natürlich auch im Internet abrufbar. Nach dem Eingang des Antrags erhält man einen Termin zur Beratung, welche innerhalb von zwei Wochen nach Antragstellung erfolgen muss. Diesbezüglich bekommt man einen persönlichen Pflegeberater zugewiesen.

In einem weiteren Schritt wird der medizinische Dienst der jeweiligen Krankenversicherung beziehungsweise ein Gutachter beauftragt, um die Pflegebedürftigkeit zu prüfen. Bei privat Versicherten wird diesbezüglich der medizinische Dienst Medicproof beauftragt. Bei der Bedürftigkeitsprüfung sollte neben der betroffenen Person auf die zuständige Pflegeperson dabei sein. Im Hinblick auf die Pflegeleistung sollte man sich natürlich damit auseinandersetzen, für welche Art von unterstützender Pflege der Antrag gestellt wird.

Pflege zu Hause

Die Möglichkeiten hinsichtlich der Versorgungsform lassen sich grob in drei Varianten einteilen: die Pflege zu Hause, die Pflege im Heim oder alternative Wohnformen. Wer zu Hause in einem vertrauten und familiären Umfeld gepflegt werden möchte, hat verschiedene Leistungsmöglichkeiten durch die Pflegeversicherung. Wer sich beispielsweise durch Angehörige persönlich pflegen lässt, erhält das Pflegegeld. Dieses wird direkt an die pflegebedürftige Person gezahlt. Wenn die Pflegeperson wegen Urlaub oder Krankheit die Pflege nicht durchführen kann, besteht für maximal sechs Wochen pro Kalenderjahr der Anspruch auf Verhinderungspflege.

Eine andere Möglichkeit ist, dass der ambulante Pflegedienst zu einem nach Hause kommt - beispielsweise der Pflegedienst der Diakonie. Es gibt natürlich auch Kombinationsleistungen, bei denen Pflegegeld und ambulante Pflege gleichzeitig beansprucht werden können. Dementsprechend wird die Summe des Pflegegeldes angepasst und variiert. Eine weitere Lösung ist die Einstellung einer selbstständigen Pflegekraft. Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 bis 5 haben einen Anspruch darauf. Die Einzelpflegekraft wird dann durch entsprechende Pflegesachleistungen finanziert. Des Weiteren kann Anspruch auf eine teilstationäre Versorgung in Tages- oder Nachtpflege bestehen.

Über diese Angebote hinaus gibt es beispielsweise die Möglichkeit für Angehörige, an Pflegekursen teilzunehmen, die unentgeltlich besucht werden können. Zudem gibt es auch das Pflegeunterstützungsgeld. Dieses kann man beantragen, wenn Beruf und Pflege unter einen Hut gebracht werden müssen. Die Pflegeversicherung übernimmt beispielsweise auch die Kosten von Pflegehilfsmitteln wie notwendige Geräte oder Sachmittel zur häuslichen Pflege. Wer die häusliche Pflege in Betracht zieht, sollte sich darüber im Klaren sein, dass Pflegebedürftige sogar einen Zuschuss zur Wohnungsanpassung von bis zu 4000 Euro erhalten, um die häusliche Pflege zu ermöglichen.

Vollstationäre Pflege im Heim

Wer sich für eine vollstationäre Pflege im Heim entscheidet, erhält von der Pflegeversicherung eine Pauschale, die sich am jeweiligen pflegebedingten Aufwand orientiert. Die maximalen Leistungen pro Monat sind von Pflegegrad 1 bis Pflegegrad 5 gestaffelt. So kann jemand mit Pflegegrad 2 beispielsweise maximal 770 Euro pro Monat für die vollstationäre Versorgung erhalten. Personen mit Pflegegrad 5 erhalten maximal 2005 Euro.

Der Zuschuss der Pflegeversicherung reicht natürlich nicht aus, um den Pflegeaufwand im Heim zu zahlen. Die betroffene Person muss einen eigenen Anteil leisten. Seit dem Jahr 2017 gibt es einen einrichtungseinheitlichen Eigenanteil - dieser variiert von Einrichtung zu Einrichtung. Der Clou: Betroffene mit Pflegegrad 5 zahlen den gleichen Eigenanteil wie Betroffene im zweiten Pflegegrad. In der vollstationären Pflege fallen neben den Kosten für Unterbringung und Verpflegung allerdings noch mehr Kosten an. Dazu zählen beispielsweise berechenbare Investitionskosten der Einrichtung wie neue Anschaffungen oder die Gebäudemiete, die auf die Pflegebedürftigen umgelegt werden können. Auch besondere Komfortleistungen müssen aus eigener Tasche finanziert werden.

Manche Menschen sind nur für einen bestimmten Zeitraum auf eine vollstationäre Pflege angewiesen - beispielsweise nach einer schweren Operation. In diesem Fall bietet sich die Kurzzeitpflege an. Die Kurzzeitpflege kann in einer vollstationären Pflegeeinrichtung stattfinden.

Bei Pflegeeinrichtungen wird zwischen verschiedenen Heimtypen differenziert. Man unterscheidet zwischen Altenwohnheim, Altenheim und Pflegeheim. Ersteres sind Heime mit kleinen Wohnungen, in denen sich die Bewohner zum größten Teil selbst versorgen können. Altenheime gewährleisten im Vergleich dazu pflegerische sowie hauswirtschaftliche Betreuung. Doch auch hierbei gibt es kleine Wohnungen oder Apartments. Pflegeheime haben Einzel- oder Doppelzimmer, in die man eigene Möbelstücke mitnehmen kann. In Pflegeheimen erfolgt eine umfassende Pflege und Betreuung der Bewohner.

Die meisten Heimeinrichtungen bieten oft eine Kombination aus diesen drei Typen an. Egal für welche Einrichtung man sich jedoch entscheidet: Ein Heim ist immer eine enorme Unterstützung. Zum einen für Bewohner, zum anderen für Angehörige, die sich keine Sorgen mehr machen müssen und im Alltag entlastet werden..Melissa Hiller