Bamberg -  Allein in Bamberg demonstrierten  rund 700 junge Menschen.  In Würzburg versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 1500 Schüler, Studierende und auch Elternvertreter aus der Stadt und dem Umland. In Nürnberg beteiligten sich etwa 1000 junge Leute an dem  Bildungsstreik. Auch in Bayreuth gab es organisierten Protest.

Schüler protestierten trotz angedrohter Strafen

In Bamberg zogen Studierende und Schüler in einem langen Zug durch die Innenstadt. Bei einer Kundgebung   lobte die Grünen-Bundestagskandidatin Lisa Badum   den Mut der Schüler, die sich trotz angedrohter Repressalien wie Verweisen dem Streik angeschlossen hätten. Sie bezeichnete  es als eine Beschneidung der Freiheit von Schülern, dass Schulen wie das Clavius-Gymnasium einfach verschlossen gewesen seien und die Schüler so keine Möglichkeit gehabt hätten, sich dem Streik spontan anzuschließen. 

Verschärfte Verweise

Bei manchem Schulleiter war der
Streik auf wenig Unterstützung gestoßen. „Wir haben gehört, dass einigen Schülern verschärfte Verweise angedroht wurden, wenn sie zu der Demo kommen“, sagte Studierendenvertreter Claas Meyer in Würzburg. Dennoch blieben  in  Klassenräumen und Hörsälen Stühle leer. „Es kann einfach nicht sein, dass so viele Menschen von der Politik überhaupt nicht registriert werden“, sagte der 15-jährige Schüler Max Weiß, der die Demo in Nürnberg mitorganisiert hatte.

Mehr Mitbestimmungsrecht, weniger Studiengebühren

Das Bündnis Bildungsstreik forderte in bundesweit 70 Städten umfassende Bildungsreformen, darunter mehr Mitbestimmungsrechte für Schüler, die Abschaffung der Studiengebühren und eine Änderung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge.  „Freie Bildung für alle“ und „Bildung statt Banken“ hatten die Münchner Demonstranten auf ihre Banner geschrieben. Rund 3500 Menschen zogen dort nach Polizeiangaben durch die Stadt. Bei einer Kundgebung gab Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) zu, einige der Forderungen durchaus nachvollziehen zu können. So sei es tatsächlich wichtig, mehr Lehrer einzustellen, die Ganztagsschule auszubauen und bessere Chancen für Migranten zu schaffen – an allen Punkten arbeite die Staatsregierung derzeit. Nicht verstehen allerdings könne er den Wunsch nach einer „Einheitsschule“. Er sei ein Vertreter des „vielgliedrigen Schulwesens“.

Teile der Politik wollen etwas tun

Unterstützt werden die jungen Leute von Gewerkschaften, SPD und Grünen. Die Landtags-SPD kündigte für heute im Landtag einen Dringlichkeitsantrag zum Thema „Bildungsstreik“ an. Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) betonte, dass die Forderungen der Schüler im Kern mit denen der Lehrer übereinstimmten. 

Autoren: Leopold Teuscher, Otto Lapp, Deutsche Presse-Agentur