„Toubab“ werden Weiße im westafrikanischen Senegal genannt: „Ihr fallt auf als Weiße und werdet erleben, dass Kinder weinen, wenn sie euch sehen“, bereitet Alexandra Keller auch auf angespannte Situationen vor. Die Leiterin des Referats Weltfreiwilligendienste im Diözesanverband Bamberg des BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) kennt den Senegal aus eigener Anschauung. Besonders das Bistum Thiès, das seit Jahren eine Diözesanpartnerschaft mit Bamberg pflegt. Alexandra Keller findet aufmerksame Zuhörer: 19 junge Leute, die sich mit ihr und vier weiteren BDKJ-Referenten im Diözesanhaus Vierzehnheiligen auf ihren einjährigen Auslandseinsatz vorbereiten. Zielländer sind eben der Senegal, aber auch Bolivien, Indien, Peru und Tansania.

Marcel will Abstand gewinnen

Besonders aufmerksam lauschen Marcel Wegmann aus Bamberg und Franziska Helmert aus Unteroberndorf den afrikanischen Erzählungen.
Neben Erlebnissen im Senegal hat Alexandra Keller auch Erfahrungen aus Tansania mitgebracht. Und genau dorthin wollen der 18-jährige Marcel und die 19-jährige Franziska, die gerade ihr Abitur gemacht haben. „Ich will Abstand gewinnen vom Schulsystem und praktische Erfahrungen sammeln“, begründet Marcel seinen Drang in die Welt. Franziska nickt zustimmend: „Nach diesem Jahr in Tansania überlege ich, was ich machen soll.“
Der Freiwilligendienst „weltwärts“ macht dieses Ausloten möglich. Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul startete 2007 mit „weltwärts“. Seitdem werden junge Menschen über anerkannte Entsendeorganisationen wie dem BDKJ an Einsatzstellen in aller Welt entsandt.

Keine Touri-Streifzüge

Marcel und Franziska sind sich darüber im Klaren, dass sie nicht für touristische Streifzüge via Serengeti, Kilimandscharo oder Sansibar im ostafrikanischen Tansania unterwegs sein werden. „Wir arbeiten in einem Waisenhaus in Rulenge“, berichten die beiden. In diesem ländlichen Ort der Diözese Rulenge-Ngara im Nordwesten Tansanias erwarten sie pflegerische Tätigkeiten, Mithilfe bei der Freizeitgestaltung und vor allem das Bedürfnis nach emotionaler Zuwendung. Die jungen Leute pauken schon einmal die Landessprache Kisuaheli: „Das ist aber schwer nur aus Büchern und allein“, stöhnen sie auf.  Doch die Freude auf neue Ufer überwiegt: „Meine Freunde sind begeistert, dass ich das mache“, lacht Franziska. „Alle wollen eine Postkarte, haben aber selber nicht den Mut, in ein Entwicklungsland zu gehen.“

„Etwas Sinnvolles tun“    

Marcel und Franziska haben aus Stadt und Landkreis Bamberg fünf weitere Mitstreiterinnen gefunden. Auch sie wurden auf das „weltwärts“-Programm aufmerksam, als sie nach einer Möglichkeit des Auslandseinsatzes suchten. Kathrin Jakob (Frensdorf), Lydia Turban (Bamberg) und Katja Willner (Gundelsheim) haben sich für Peru entschieden: „Um eine andere Welt kennenzulernen und etwas Sinnvolles zu tun“, erklärt die 18-jährige Kathrin.
 „Jetzt bin ich frei zu entscheiden, so etwas geht nie wieder“, ist sich Lydia (17) sicher. Auch Katja (18) meint: „Wenn nicht jetzt nach dem Abitur, wann dann?“
Wie ihre „weltwärts“-Kameraden Marcel und Franziska sind sich die drei jungen Damen noch nicht darüber im Klaren, welchen Weg sie nach dem G8-Abitur eigentlich einschlagen sollen. Da wollen sie lieber erst persönliche Grenzen und Fähigkeiten testen, bevor sie mit einem Studium oder einer Ausbildung beginnen. Ihr Entschluss, für ein Jahr nach Peru zu gehen, kommt nicht von ungefähr: Die Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen sind schon seit den 1930er Jahren im lateinamerikanischen Peru vertreten. Sie unterhalten dort Projekte wie Schulen, Kindergärten, Waisenhäuser oder Straßenkinderhilfen. „Die peruanischen Franziskusschwestern wollen mitentscheiden“, begründet Alexandra Keller die derzeitige Unwägbarkeit, in welcher Einrichtung konkret Kathrin, Lydia und Katja eingesetzt werden.

Arbeiten im Altenheim

   Genaueres wissen Lucia Eisentraut (Heiligenstadt) und Anoushka Mester (Stegaurach): Die beiden 18-Jährigen werden im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu in einem Altenheim arbeiten. Auch dort – in Kotagiri – haben die Franziskusschwestern eine Niederlassung. „Ich habe gezielt nach Indien für einen Einsatz gesucht“, so Anoushka, „da ist eine ganz andere Kultur, einfach spannend.“  Lucia pflichtet ihr bei: „Amerika interessiert mich nicht. Vielleicht werde ich nach dem Erleben der Armut in Indien hier zufriedener werden“, erhofft sie sich von ihrem Aufenthalt in der Ferne.
Nach einem ersten Seminar in Würzburg Anfang Juli büffeln die Freiwilligen nun in Vierzehnheiligen.

Anfang September geht es los

Entwicklungspolitik, Klimakonferenzen, Fairer Handel, Nachhaltigkeit, Mikrokreditwesen, Umgang mit Ressourcen wie Wasser, Länderkunde, Kulturstandards: Das behandelte Themenspektrum ist breit. Die jungen Leute sind mit Feuereifer dabei und können es kaum abwarten, bis es Anfang September in den Fliegern weltwärts geht.

Autorin: Marion Krüger-Hundrup