Berlin - Fast unbewegt nahm der Berliner Gastwirt das Urteil entgegen. Drei Jahre und fünf Monate muss der 28-Jährige ins Gefängnis, weil er schuld ist am Tod des Schülers Lukas nach einem Tequila-Wetttrinken, urteilte das Berliner Landgericht am Freitag. Der Kneipier hatte schon vor dem Urteil sein Gesicht hinter einer Zeitung versteckt und wollte nicht gesehen werden. Das Gericht fand klare Worte: „Der Angeklagte trägt die Verantwortung dafür, dass der Junge gestorben ist“, sagte der Vorsitzende Richter Peter Faust. Körperverletzung mit Todesfolge und unerlaubten Ausschank von Hochprozentigem an Minderjährige legte das Gericht ihm zur Last. Der Wirt habe gewusst, dass der Junge keine Chance hatte zu gewinnen, sagte der Richter.
Dass Lukas bei dem Trinkgelage habe sterben können, war vorhersehbar.

45 Tequila in 60 Minuten

Mindestens 45 Gläser Tequila stürzte der 16-Jährige in knapp einer Stunde im Februar 2007 im Lokal „Eye-T“ in Berlin-Charlottenburg herunter. „Saufen, bis einer aufgibt“, lautete das Motto der Wette mit dem Wirt. Sie endete, als der Schüler ins Koma fiel. Daraus erwachte er nicht wieder. Rund vier Wochen später starb Lukas.
Selbstgefährdung bis hin zur Selbsttötung und die Mitwirkung daran an sich seien nicht strafbar, argumentierte Faust im Blick auf den Konsum von Alkohol, Zigaretten und Drogen. Der Fall von Lukas liege aber anders. Lukas als trinkgewohnter Junge sei körperlich und psychisch fit gewesen und davon ausgegangen, dass er das Trinkduell gewinnt. Aber es war kein fairer Kampf, sagte Richter Faust. Der Wirt habe mindestens 10 Gläser Wasser getrunken. Wegen der Täuschung habe der Jugendliche keine Chance gehabt, sein Risiko einzuschätzen. Daher muss das selbstschädigende Verhalten laut Urteil dem Wirt zugerechnet werden.

Diskussion um Flatrate-Partys

Der Fall hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Diskutiert wurde danach auch über Strategien gegen das massive Alkoholtrinken von Jugendlichen und über sogenannte Flatrate-Partys, bei denen billig und fast unbegrenzt Hochprozentiges ausgeschenkt wird.
Als Lukas nicht mehr konnte, hatte der Wirt das Lokal gut gelaunt verlassen und war zu seiner Freundin gegangen. Den Jungen hatte er bei den jüngeren Stammgästen liegen gelassen, die bei dem Kampftrinken ausgeschenkt oder serviert hatten. Einer von ihnen hatte zum Scherz auf den Körper von Lukas geschrieben, „du hast verloren – 44:45“. Erst als der Gymnasiast blau angelaufen war, bemerkten die jungen Leute den Ernst der Situation und alarmierten den Notarzt. Als der Arzt eintraf, war der Junge mit 4,4 Promille klinisch tot.

Autor: Cornelia Herold, DPA