Wie war es? „Unglaublich, einfach unglaublich.“ Jasmin Schmitt ist gerade mal 14,  aber schon um die halbe Welt gereist: Zehn Tage war sie im Ferienlager in Peking.
Auch fünf Wochen nach ihrer Rückkehr ist das Mädchen, das auf das Bamberger E.T.A.-Hofmann-Gymnasium geht, noch immer   fasziniert von ihren Erlebnissen. Man kommt eben nicht jeden Tag mit 153 anderen Jugendlichen aus aller Welt ins Sommercamp der „Beijing Foreign Studies University“.
Unter dem Motto „Du und ich in Peking“ haben die Konfuzius-Institute weltweit eingeladen, China – ganz besonders Peking – näher kennenzulernen. Jasmin Schmitt brauchte nicht lange zu überlegen. Seit einem Jahr lernt sie neben Englisch und Latein auch Chinesisch.
Anfangs hatte sie die Idee ihrer Mutter gar nicht so begeistert, aber nach der ersten Schnupperstunde fand sie „das total Andere“ an dieser Sprache faszinierend.
Vor der Reise waren „viel Geduld“ und viele Vorbereitungen nötig: Schulbefreiung, Motivationsschreiben, um zugelassen zu werden, Ideen für kulturelle Beiträge in China, Visumsantrag, Genehmigung für Ton- und Bildaufnahmen, Flugtickets und „genügend Zeit, um sich über das Land zu informieren“. Wichtigste Voraussetzung: interessiert und engagiert zu sein. „Außerdem durfte man nicht chinesischer Herkunft sein und auch noch nie in China gewesen sein“, erklärt Jasmin. Ihrer Lehrerin Zou Lan hat sie diese Reise  zu verdanken: „Sie war überzeugt davon, dass ich für dieses Camp sehr geeignet bin und brachte mich überhaupt erst auf die Idee zur Teilnahme.“
Mit grandiosen Erlebnissen, wie Jasmin es für sich einschätzt, kam die Ebelsbacher Jugendliche heim aus dem bevölkerungsreichsten Land der Erde. Die  Sprachassistentin der Uni Peking, Fu Zhiyu, zeigte den Jugendlichen  Land und Leute. Nicht nur die berühmte chinesische Mauer – auch den „Platz des himmlischen Friedens“ direkt vor den Südeingangstoren der Verbotenen Stadt. „Es ist wirklich gigantisch“, erinnert sich Jasmin. „Leider konnte man die Häuser und Tempel innen nicht näher besichtigen.“ Die für sie schönste Sehenswürdigkeit war der Himmelstempel. „Einfach überwältigend: das Farbspiel, die ganze Struktur der Gemälde und die Formen des Himmelsgewölbes.“

Regen, Regen, Regen …

Ein Land der Superlative auch im Blick auf das Klima: Bevor Jasmin und die anderen zur chinesischen Mauer fuhren, fing es an zu regnen. „Anfangs war eigentlich jeder froh über den willkommenen Regen, aber als es einfach nicht aufhörte, und das Wasser auf der Straße stehen blieb und so hoch gestiegen ist, dass man von Haus zu Haus schwimmen konnte, war der Spaß dann doch vorbei.“ Gefährlich war’s nicht. „Aber trotzdem war es sehr ungewöhnlich, denn nicht mal ein Regenschirm hat etwas genutzt.“ Wenigstens etwas Gutes hatte die Sache: Der Smog war weg und  „auch der Himmel war zu sehen. Sonst war immer alles grau und neblig-staubig.“
Freilich, wer in China ist, muss Chinesisch lernen. Lehrer waren  die „Crème de la Crème“ der Studenten. Es ging um alltägliche Dinge wie Einkaufen, Hobbys, Meinung ausdrücken oder sich vorstellen. Und in drei Workshops durften sich die Jugendlichen im traditionellen chinesischen Malen, in Maskenmalerei und Kalligraphie üben. „Ich persönlich fand die Maskenmalerei am interessantesten“, sagt Jasmin Schmitt. Immerhin unterrichtete  ein professioneller Maskenmaler der chinesischen Staatsoper. „Er erläuterte, welche Bedeutung Formen, Farben oder Symbole in einer Maske haben, und nach welchen Regeln geschminkt wird.“
Programmpunkte bei „Hopping and dancing China“ waren der beliebte Federfußball, der Fächertanz oder der Bambustanz. „Dafür brauchte man neben Tänzern, die rhythmisch durch die Bambusstangen auf dem Boden hüpfen mussten, auch Leute am Rande“, erklärt Jasmin. „Somit waren alle eingebunden, jede einzelne Person war wichtig, und jeder musste auf jeden eingehen  um einen lebensfähigen Parcours zu haben.“ Das Erlebnis verstärkte das Gemeinschaftsgefühl auch unter den Nationen. „Die anfänglichen Berührungsängste waren bald vorbei, denn wir alle merkten, dass wir, egal woher wir kommen, egal welche Sprache wir sprechen, und egal wie wir aussehen oder welche Religion wir haben, Freunde sind – verbunden durch die chinesische Sprache und Tradition.“ Jeder durfte seine Kultur vorstellen. Die Malaysier zeigten ihr Spiel Congkak, die Tschechen präsentierten ein Volksmärchen („Die große Rübe“), die Hawaiianerinnen glänzten mit einem Hula-Tanz. „Wir präsentierten neben einem Franken-Quiz, pantomimischen Vergleichen zwischen Chinesen und Deutschen auch das allseits bekannte und eingängige ,Fliegerlied‘, bei dem bald alle mittanzten.“
Spannend für Jasmin waren die Speisen und Getränke: „Ich habe fast alles durchprobiert.“ Baozi (Hefeteigbällchen mit Fleischfüllung) ebenso wie Jiaozi (Teigbällchen gefüllt mit Fleisch und Gemüse), Zhajiangmian (Pekinger  Nudelspezialität), Laobing (Teigfladen mit Salatbeilage) oder die kalte Nudelspeise Liangbanmian. „Da die Chinesen sehr gastfreundlich und verständnisvoll waren, haben sie extra für uns auch Pommes oder Pizza gemacht.“ Ein Glanzlicht  war der Besuch im Restaurant Quanjude, spezialisiert auf Peking-Ente. „Die noch ganze, aber schon fertig zubereitete Ente, wird dem Gast vorgeführt und vor seinen Augen in mundgerechte Stücke geschnitten, die anschließend in eine Art hauchdünnen Pfannkuchen mit spezieller Soße und Lauchzwiebeln gelegt, zusammengeklappt und gegessen wird.“ Jasmin resümiert: „Leider waren zehn Tage viel, viel zu kurz um jeden genauer kennenzulernen.“ Sie wird das Camp „in wunderbarer Erinnerung behalten, denn es war einfach unglaublich. Worte können nicht beschreiben, was ich gelernt habe“.

Autor: Ralf Naumann