Ihr Werkzeug waren ihre Finger: Mindestens acht Doppel-Schulstunden, also umgerechnet 720 Minuten, haben die Elftklässler des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums nämlich gezupft – und zwar Kunstwerke aus ungewöhnlichem Material: Schaumstoff. Drei von ihnen – Laura Martin, Johannes Renk und Annabelle Bayer – wurden dafür jetzt sogar ausgezeichnet.
Die drei belegten nämlich die drei ersten Plätze beim Wettbewerb „vorwärts – rückwärts – seitwärts – quer“, den das Institut für Kunsterziehung der Universität Regensburg und der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg ausgeschrieben hatten. Damit haben sie sich gegen 220 weitere Teilnehmer durchgesetzt.

Mal etwas anderes machen

„In der elften Jahrgangsstufe beschäftigt man sich mit dem Thema Körper. Wir haben uns mit der menschlichen Figur befasst“, erklärt die Kunstlehrerin der drei, Silke Weber, wie es zu den Kunstwerken kam.
Natürlich hätten die Schüler diese auch aus Ton anfertigen  oder sich in Zeichnungen oder Gemälden mit dem Thema befassen können. „Aber ich wollte einfach mal etwas anderes machen“, erklärt die Kunsterzieherin.
Die Schüler hatten also die Aufgabe, aus einem Schaumstoff-Quader mit den Maßen 20x20x40 Zentimeter einen Körper zu zupfen. „Einer von uns stand Modell – und der andere zeichnete die Figur dann nach. Nach dem Vorzeichnen haben wir verschiedene Skizzen  gemacht und sie dann mit Leuchtstiften auf den Schaumstoff übertragen“, erklärt Laura Martin. Die Herausforderung bei dem Material: „Wenn etwas weggezupft ist, ist es eben weg. Bei Ton kann man in so einem Fall immer wieder etwas dran machen, aber hier nicht. Da waren manche Schüler schon verzweifelt“, erinnert sich Silke Weber mit einem Lächeln.
Und Laura ergänzt: „Ich war manchmal kurz davor, das Ding in den Müll zu schmeißen.“ Johannes – der einzige Junge, dessen Kunstwerk ausgezeichnet wurde – ist an diese Aufgabe herangegangen, wie er an jede Aufgabe herangeht – egal, in welchem Fach: „Wenn ich etwas mache, dann soll es auch gut werden“, erklärt er seinen Anspruch.

Material ist besonders

Silke Weber hat aus den Kunstwerken ihrer Schüler acht ausgewählt, die sie bei dem Wettbewerb eingereicht hat. Gewonnen haben die von Laura, Johannes und Annabelle.
„Wir wurden im Unterricht mal ausgerufen“, erinnert sich Laura daran, wie sie von ihrem Erfolg erfahren haben. Dann hat es jeweils eine Urkunde und 150 Euro gegeben, was die drei persönlich bei der Preisverleihung in Regensburg entgegengenommen haben.
„Wir nehmen schon immer wieder an Kunstwettbewerben teil. Aber  das ist das erste Mal, dass wir bei einem so großen Wettbewerb gleich so erfolgreich waren. Das ist ganz toll“, freut sich Schulleiterin Renate Leive. Das Thema des Wettbewerbs, sich mit der dreidimensionalen Gestaltung einer menschlichen Figur zu beschäftigen, habe genau zu dem gepasst, was die Schüler gemacht haben, erklärt sich Silke Weber, warum man sich an dem Wettbewerb beteiligt hat.
Ausschlaggebend für den Erfolg, glaubt sie,war wohl das ungewöhnliche Material.
Die anderen Teilnehmer haben meist alle mit Ton gearbeitet, weiß sie – und schließlich heißt es auch in dem Flyer, in dem der Wettbewerb ausgeschrieben wurde: „Du kannst zwischen vielen Materialien wählen, wie zum Beispiel Ton, Gips, Draht, Holz oder Papier und Kleister. Denke aber auch mal quer und erfinde etwas Neues, noch nicht Gesehenes.“ Renate Leive wertet den Erfolg deshalb nicht nur als den der Schüler, sondern auch als den von Silke Weber: „Das zeigt, dass wir eine engagierte und kreative Kunstlehrerin haben, die nicht nur mit den gängigen Materialien arbeitet.“
Zumindest Laura und Annabelle wollen später gerne auch beruflich einen künstlerischen Weg einschlagen: „Ich möchte Architektur studieren“, weiß Annabelle schon genau. Laura könnte sich vorstellen, Kunst zu studieren – „Lehramt wahrscheinlich“, ergänzt sie.

Autorin: Corinna Igler