Coburg - „Wenn du mit dem Zug fahren willst, gehst du einfach auf Google und gibst Deutsche Bahn ein“, erklärt die Schülerin Wiebke Barnickel (15) der Seniorin Edeltraut Stedtler-Paulo (78) den ersten Schritt, wie sie zu ihrer Abfahrtszeit  am Coburger Bahnhof kommt. Die beiden Frauen nehmen an dem Projekt „Fit am PC“ teil, das seit Januar an der Realschule Co I installiert ist.
Jutta Weigand vom AWO-Mehrgenerationenhaus kam auf die Idee, dass Senioren den Umgang mit dem Computer lernen könnten. Schnell fand sie mit der Realschule Co I einen Kooperationspartner. Und das Projekt ist erfolgreich: „Wir haben schon Anfragen von Schülern für das nächste Schuljahr“, freut sich die Konrektorin Luise Pannek.


Jung und alt forschen zusammen

Alle 14 Tage treffen sich Schüler und Schülerinnen der neunten Klasse für eine Stunde mit den Seniorinnen und Senioren des AWO-Mehrgenerationenhauses und arbeiten im Verhältnis 1:1 mit ihnen am Computer.
An einem solchen Projekt zeigt auch die Stadt Coburg Interesse: im Sommer soll das „Digitale Stadtgedächtnis“, eine neue Internet-Plattform, online gehen. Kerstin Lindenlaub vom Online-Management der Stadt Coburg ist deswegen mit vor Ort. „Wir wollen die Erinnerungen der Coburger in den Kontext der Stadt stellen“, sagt sie. „Die älteren Coburger haben die längsten Erinnerungen und Zeitzeugen sind derzeit sehr wichtig.“

Schüler zeigen Senioren Tricks und Klicks

Begeistert zeigt sich Luise Pannek von dem Synergie-Effekt, der dadurch entsteht: „Dass die Schüler so mitarbeiten, finde ich toll, das habe ich mir am Anfang nicht so vorstellen können“, sagt sie. Die Schüler geben ihre PC-Kenntnisse an die Senioren weiter und lernen im Gegenzug Geschichte, wie sie nicht unbedingt in Schulbüchern zu finden ist.
Auch zugereiste Bürgerinnen und Bürger und junge Leute dürfen sich eingeladen fühlen, an dem digitalen Stadtgedächtnis mitzuarbeiten: Sie können ihre eigenen Erinnerungen zu Ereignissen oder Orten ab Sommer selbst online stellen, wenn sie sich über die Eingabemaske einwählen. Die Texte werden vor der Veröffentlichung von der Stadt gegengelesen.

Schüler und Senioren lernen Selbständigkeit

Die Internet-Plattform, von der im Moment eine Arbeitsversion existiert, wird hauptsächlich aus einem Zeitstrahl bestehen, auf dem bestimmte, historische Begebenheiten wie zum Beispiel der Besuch Martin Luthers auf der Veste markiert sind. Dazu wird es entsprechend Fotos, Detailansichten und Artikel zum  Herunterladen geben.
Edeltraut Stedtler-Paulo weiß jetzt, wie sie  selbst die Abfahrtszeit eines Zuges am Coburger Bahnhof recherchieren kann. Und das ist ihr auch wichtig: „Ich möchte selbstständig bleiben und den Umgang mit dem PC lernen. Die Geduld der jungen Menschen im Projekt wird schon sehr gefordert, und ich finde es toll, was sie so alles beherrschen.“ Auch ihre Partnerin Wiebke Barnickel findet das Projekt spannend: „Ich habe spontan ja gesagt, als ich gefragt wurde, ob ich hier mitmache. Schön ist, dass wir uns unterhalten und den Senioren etwas beibringen können. Sonst bekommen ja wir hier immer etwas beigebracht.“

Kontakt

Wer Interesse hat, an dem Projekt „Fit am PC“ und dem digitalen Stadtgedächtnis mitzuwirken, egal ob jung oder alt, kann sich bei Jutta Weigand im AWO-MGH, Telefonnummer 09561/94415, melden.

Autor: Elisabeth Niestroy