Brüssel - Mit großen Augen blickt das flauschige Robbenbaby in die Kamera. Wenige Sekunden später hängt es mit zertrümmertem Schädel am Anlandehaken eines Jägers. Blut färbt das Packeis rot, als dem Tier das Fell abgezogen wird. Es sind diese entsetzlichen Fernsehbilder, die die Europäische Union zu ihrem Schritt bewogen hat: Ab 2010 gilt in der EU ein Handels- und Einfuhrverbot von Robbenprodukten. Das Europaparlament verabschiedete gestern ein entsprechendes Gesetz. Die Zustimmung der Mitgliedsstaaten gilt als gesichert. 

Robbenfell bringt Jägern und Händlern viel Geld ein

Sie zieren Mäntel und Mützen – die weichen Felle von Sattelrobben erzielen auf den internationalen Märkten horrende Preise. Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes ließ die verstärkte Nachfrage aus Russland und China den Preis für ein Robbenfell von rund acht Euro im Jahr 2000 auf 68 Euro im letzten Jahr ansteigen.
Für die Jäger in Kanada, Grönland und Namibia ist das ein lohnendes Geschäft. Allein die Importe aus Kanada erreichen in der EU jährlich ein Volumen von 4,2 Millionen Euro. Die Reste der toten Tiere werden ausgeschlachtet und verscherbelt – auch in Europa. So landet Robbenfleisch im Supermarkt, Öle werden zu Gesundheitspillen und Fette zu Schuhcreme weiterverarbeitet.

Vor dem Beschluss wurde lange diskutiert

Doch damit ist ab dem kommenden Jahr Schluss, denn die EU schiebt der kommerziellen Robbenjagd einen Riegel vor. Die Produkte dürfen dann in der EU weder importiert, vermarktet noch produziert werden.
Dem gestrigen Beschluss war eine langwierige Debatte vorausgegangen. Ursprünglich wollte die im Plenum für das Thema zuständige Abgeordnete, die britische Liberale Diana Wallis, weniger strikte Regeln. Sie sprach sich nicht für ein Verbot aus, sondern wollte für Produkte das Etikett „nach tierschutzkonformen Methoden gejagt“ einführen. Da sich dies auf den Eisschollen jedoch nicht kontrollieren lässt, plädierte das Plenum für ein vollständiges Verbot. Nach Angaben der kanadischen Tierschutzgesellschaft Humane Society International rettet das gestrige Votum in diesem Jahr rund 250.000 Jungrobben das Leben. 

Autor: Hanna Roth