Es ist schon eine lieb gewordene Tradition: Erzbischof Prof. Ludwig Schick empfing zum elften Mal Schülerinnen und Schüler der Graf-Stauffenberg-Wirtschaftsschule Bamberg mit dem Leiter der Schule, Oberstudiendirektor Martin Mattausch, und dem katholischen Religionslehrer der Klasse, Ralph Olbrich. Diesmal durften die Schüler der Klasse 10 a dem Erzbischof Löcher in den Bauch fragen. Und die Schüler waren dabei durchaus auch kritisch unterwegs: "Was ist für Sie der Sinn des Lebens?" "Gibt es ein Leben nach dem Tod?" "Wie ist Ihre Meinung zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche?" "Welchen Sinn sehen Sie im Christentum?" "Hatten Sie einmal Zweifel an Ihrem Beruf?" Viele solcher Fragen prasselten auf den Erzbischof ein, der den jungen Leuten aber bereitwillig Einblicke in seine Biographie und seine Überzeugungen gewährte. So überraschte er die Jugendlichen damit, dass "Erzbischof" gar nicht sein ursprünglicher Berufswunsch gewesen wäre, sondern dass er zunächst ein Medizinstudium begonnen hatte, ehe er verstärkt den Wunsch verspürte, "mehr" für die Menschen tun zu wollen und beschloss, Priester zu werden. Seit 2002 ist Ludwig Schick Erzbischof von Bamberg.
Viel Zeit nahm sich der Erzbischof vor allem für die Beantwortung der Fragen nach dem "Sinn des Lebens", dem Leben nach dem Tod und der Frage, ob es tatsächlich eine Hölle gibt. Auch hier erstaunte der Oberhirte seine Zuhörerschaft: Es gibt keinen Sinn des Lebens - er muss "by doing" gefunden werden, von jedem einzelnen Menschen für sich. Sein persönlicher Sinn des Lebens bestehe darin, dass er "versucht zu lieben", sich auf andere Menschen einzulassen, die Liebe zu Gott und den Menschen zu praktizieren und im Leben zu verwirklichen. "Danach geht es weiter - in ewiger Liebe und ohne Enttäuschungen", schloss er den Bogen zu den Fragestellungen nach dem Leben nach dem Tod. "Trotzdem gibt es eine Hölle - ich glaube allerdings, dass nicht allzu viele Leute drin sind", fügte der Erzbischof hinzu.
Für ihn erleben viele Menschen bereits in diesem Leben die Hölle, weshalb man ihnen mit dieser Vorstellung keine Angst machen sollte. Nur wer sich selbst komplett der Welt und dem Himmel verweigert, ist in der Hölle. Für ihn ist also die Hölle eine "Einladung zum Himmel".
Kann und darf ein Erzbischof eigentlich Zweifel am Glauben und an der Religion haben? Der Erzbischof antwortet ermutigend: Ja - denn Zweifel gehören zum Leben. Er selbst bekommt Zweifel bei Naturkatastrophen oder persönlichen Schicksalsschlägen. So sollen auch die jungen Menschen unbedingt zweifeln, denn durch das Zweifeln wird man reifer, zweifeln bringt die Menschen weiter. "Der Zweifel ist eine Triebfeder, die in die Tiefe führt", so der Erzbischof. Aus dem Zweifel darf jedoch keine Verzweiflung werden.
Angesprochen auf die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, antwortete Erzbischof Schick klar und unmissverständlich, dass er diese Fälle verurteilt und dass unbedingt alle Fälle aufgeklärt werden müssen sowie intensivere Präventionsmaßnahmen ergriffen werden sollten.
Die Jugendlichen waren auch darüber erstaunt, dass sie über Twitter und Facebook weiterhin mit dem Erzbischof in Kontakt stehen können.