von unserem Korrespondenten Henry Stern

München — Vor dem Hintergrund andauernden Ärgers von Eltern, Schülern und Lehrern über das achtjährige Gymnasium (G 8) in Bayern fordert nun auch der Bayerische Philologenverband (bpv), die Gymnasialzeit grundsätzlich wieder auf neun Jahre zu verlängern. Für besonders gute Schüler soll es aber an allen Schulen die Möglichkeit geben, das Abitur bereits nach acht Jahren zu erreichen.
Deshalb könne auch nicht von einer Rückkehr zum alten neunjährigen Gymnasium die Rede sein, sagte Verbandspräsident Max Schmidt in München: "Wir sehen die Möglichkeit und die Notwendigkeit, beide Dauern anzubieten." Rund ein Drittel der Gymnasiasten sei gut genug, die Schule in acht Jahren zu schaffen.
Diesen Schülern könnte angeboten werden, etwa in der neunten und elften Klasse am Nachmittag zusätzlichen Förderunterricht zu bekommen, um so die zehnte Klasse überspringen zu können.

Überspringen statt Wiederholen

Damit werde das viel kritisierte "Flexijahr" vom Kopf auf die Füße gestellt, erklärte Schmidt: Statt schwächeren Schülern ein "begleitetes Wiederholen" zu ermöglichen, sollen gute Schüler künftig "unterstützt überspringen". Schmidt machte keinen Hehl daraus, dass er das von Schulminister Ludwig Spaenle (CSU) bis zuletzt verteidigte "Flexijahr" für gescheitert hält.
Gleichzeitig baut der Philologenverband mit seinen Vorschlägen der CSU-Staatsregierung aber auch eine gangbare Brücke zurück zum G 9: "Wir denken das G 8 vom G 9 her", wirbt Schmidt für sein Konzept. Und: "Wir brauchen eine Weiterentwicklung des Gymnasiums."

Lehrplan entzerren

Konkret soll der Lehrplan "entzerrt" werden. Vor allem in der Mittelstufe soll es so eine Entlastung der Schüler mit maximal noch 32 statt derzeit bis zu 36 Wochenstunden geben. In der Unterstufe soll die Stundentafel dagegen weitgehend unverändert vom G 8 übernommen werden. Die Oberstufe soll zu einer "Qualifikationsphase" mit der Möglichkeit stärkerer "Profilbildung" ausgebaut werden.
Noch vor der Sommerpause möchte der Verband einen "Schulkongress" veranstalten, um einen möglichst breiten Reform-Konsens zu erreichen. Die politische Debatte über die Gymnasialreform dürfte allerdings deutlich schneller Fahrt aufnehmen - unter anderem, weil schon im Juni das G 9-Volksbegehren der Freien Wähler anstehen könnte.
Die zeigten sich am Mittwoch bereits gesprächsbereit: Der vorgelegte Vorschlag unterscheide sich nur "in Marginalien" von den eigenen Forderungen, sagte der FW-Bildungsexperte Günther Felbinger. "Jetzt sei die CSU am Zug.
Dort tut man sich allerdings noch schwer mit dem drohenden Kurswechsel: In einer Sitzung der Landtagsfraktion gab es dem Vernehmen nach heftige Kritik an einer noch vor der Landtagswahl von der CSU kategorisch ausgeschlossenen neuen Schulreform. Finanzminister Markus Söder soll zudem eine Reform abgelehnt haben, "die erneut mehr Lehrer und weniger Schüler bringt".