"Ich habe gelernt, dass man nie zu klein dafür ist, einen Unterschied zu machen." Das sagt Greta Thunberg. In Zeiten der Fridays-for-Future-Bewegung wird sehr deutlich: Viele Jugendliche wollen Dinge anders machen. Sie wollen sich mitteilen, sich politisch engagieren, ihrer Sorge um die Zukunft Ausdruck verleihen und von der Politik gehört werden.

Jetzt verschafften sich Bamberger Schülerinnen und Schüler des Franz-Ludwig-Gymnasiums Gehör bei hochkarätigen Politikern. Sie luden zu einer Podiumsdiskussion mit SPD-Bundestagsmitglied Martin Schulz ein. Außer dem ehemaligen Kanzlerkandidaten folgten auch die Bundestagsmitglieder Andreas Schwarz (SPD) sowie der stellvertretende Landrat Johann Pfister (Bamberger Bürgerblock) der Einladung in das Franz-Ludwig-Gymnasium Bamberg.

Dafür erarbeiteten 30 Schülerinnen und Schüler der elften Jahrgansstufe Themenbereiche und Diskussionsfragen in vorbereitenden Workshops der Veranstaltungsreihe "Politik zum Anfassen". Unterstützung erhielten die Jugendlichen von Lisa-Maria Graf und Benedikt Martin vom Verein Innovative Sozialarbeit (Iso e.V.) und der Koordinierungsstelle Bamberg Land für das Bundesprogramm "Demokratie leben!"

Das Projekt möchte Jugendlichen Einblicke in die Politik geben und ihr Engagement in diesem Bereich fördern, zusammen mit den Schulen. Dazu kommen regelmäßig Politiker mit Schülern zusammen, um gemeinsam über Fragen und Themen zu sprechen, die die Jugendlichen bewegen.

So auch in der Aula des Franz-Ludwig-Gymnasiums, in der sich die Jugendlichen drängten. Schulleiter Rainer Herzing stellte in seiner Begrüßung mit Begeisterung fest, dass die Sitzgelegenheiten nicht ausreichten und zusätzliche Stühle organisiert werden mussten.

Freiheit oder Sicherheit? Entweder - oder?

Freude über das breite politische Interesse zeigte auch Martin Schulz und fügte seinen Begrüßungsworten hinzu: "Demokratie ist ein hohes Gut, das aber auch Zeit braucht, um sein Potenzial auszuschöpfen." In diesem Sinne wurde eine Stunde mit einer umfangreichen Bandbreite an aktuellen politischen Themen gefüllt. Von einfachen Fragen wie: "Wenn Sie die Kanzlerwahl gewonnen hätten, wie würde Deutschland unter Ihnen als Kanzler jetzt aussehen?", über politiktheoretische Diskussionen wie: "Freiheit vs. Sicherheit - wie stehen Sie zu diesem Gegensatz?" bis hin zu kontroversen Themen, wie der Legalisierung von Cannabis bewiesen die Schülerinnen und Schüler Diskussionsfreudigkeit, mitreißendes Engagement und umfangreiches politisches Interesse.

Nach der Vorführung eines selbst gedrehten Kurzfilms, den die Jugendlichen in Zusammenarbeit mit Rahel Metzner im Rahmen des Iso-Projekts "AHA! - Tutorialclips von Jugendlichen für Jugendliche" zum Thema Plastikflut erstellt hatten, begab sich die Diskussionsrunde in eine facettenreiche Klimadebatte.

Klimadebatte war auch Thema

Besonders angeregt war die Diskussion zum Thema Streikverbot für Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Fridays-for-Future-Bewegung. Im Sinne eines ganzheitlichen Austauschs richtete Martin Schulz zum Abschluss des Podiumsgesprächs die Frage nach der jugendlichen Position zur Einführung eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres an die jungen Mitdiskutierenden. "Zwang ist nie eine gute Lösung" war die beinahe einstimmige Quintessenz der sehr souveränen und divers argumentierten Antworten. Der Stellvertreter des Bamberger Landrats, Johann Pfister, lobte die Fragen der Jugendlichen als "hochinteressant" und auch Andreas Schwarz zollte den jungen Leuten mit den Worten "eine Sternstunde an Fragen" Respekt. Martin Schulz fügte hinzu: "Eine gute Veranstaltung. Die Fragen waren sehr zielgerichtet und präzise formuliert."