Was dürfen die Besucher des Europäischen Museums für modernes Glas in Rödental erwarten? Welche Objekte werden hier gezeigt, Flaschen, Gläser, Vasen? Diese Fragen stellten sich viele Schülerinnen der 8b, Maria-Ward-Realschule, vor der Fahrt nach Rödental.
Beim Betreten des lichtdurchfluteten Raumes fällt sofort die moderne Einrichtung mit dem überdimensionalen Kronleuchter auf, dessen asymmetrisch herunterfallende Glastropfen, gehalten an dünnen Seilen, eine Kuppel bilden und bei Beleuchtung an viele Sternschnuppen erinnern.
Darunter eine weiße Glasperlenkette mit einem Durchmesser von zweieinhalb Metern, deren Kugeln so groß wie Handballbälle an einer Schnur aufgereiht, das Ende der Erdscheibe zu erkennen gibt. Will sie uns die Grenzen aufzeigen? Die Kunstwerke im Erdgeschoss - gehalten in verschiedenen Farben und Formen - verleihen dem Raum eine gewisse Ästhetik.
In den ersten Minuten bemerken wir schon die Stille auf der 1260 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche.


Eine ziemlich heiße Kunst

Gabriele Ketteler, begeisterte Museumsführerin, stellt das Haus vor, rät, nur mit den Augen die Objekte zu streicheln, und informiert uns über die Entstehungsgeschichte des modernen Gebäudes: 1977 wurde der Coburger Glaspreis erstmals ausgeschrieben. Viele Künstler stellten ihre Objekte zur Schau, einige dieser Exponate wurden vom Museum angekauft und bildeten so den Grundstock für das Europäische Museum für Modernes Glas.Weitere erfolgreiche Wettbewerbe folgten. Otto Waldrich finanzierte den Museumsneubau, der 2008 öffnete.
Ein Körbchen, gefüllt mit Glaslollis und Grundmaterialien dafür, stellt uns Maria Kemmer im Erdgeschoss vor und erklärt die verschiedenen Glastechniken, die in die interessante Welt der Künstler und deren Ideen führt: Das Arbeiten mit Glas wird heutzutage als moderne Kunst bezeichnet, da die Werke sehr abstrakt und außergewöhnlich sein können.


Bei 1245 Grad geht's rund

Glas wird aus einer Mischung von Gesteinen wie Sand, Soda, Pottasche, Kalk und Natriumcarbonat hergestellt. Durch das Erhitzen der Materialien kann es ab 1000 Grad verformt werden und ab 1400 Grad schmilzt es. Bei etwa 1245 Grad hat das erhitzte Gestein die Konsistenz von dickflüssigem Honig und kann in die gewünschte Form gebracht werden.


High Heels mit doppelter Täuschung

Eine Glastreppe führt uns ins Obergeschoss zum Lampenglasstudio und zur Sonderausstellung "Schein & Sein". Gabriele Ketteler erklärt den staunenden Schülerinnen, dass viele Exponate dieser Sonderausstellung aus einem Material gefertigt sind, das unsere Wahrnehmung täuscht. Der Künstler möchte sein Material als ein anderes erscheinen lassen: So wird eine weiße Jacke aus 8000 Glasstäbchen ausgestellt. Wie Eiszapfen, abstoßend kalt, aber dennoch anziehend, wirkt dieses Objekt. "Kann das Top aus Glas auch angezogen werden? Sind der Mantel aus Baumrinde und die dazu passenden Schuhe echt?" Fragen, die erstaunen. Einzigartig und verfremdend, gleichzeitig außergewöhnlich wirken diese Exponate und zeigen auch die Kurzlebigkeit der Mode ...
Jetzt dürfen wir ran: Offenes Feuer zischt, wird mit Sauerstoff zur Gasflamme entfacht, bunte Glasstäbe liegen zum Aufwärmen auf einer beheizten Stange. Es klebt und tropft. "Das überfordert mich, man muss gleichzeitig zittern und drehen", mit leiser, aber betonender Stimme versucht eine Schülerin eine Glasperle zu drehen. Gar nicht so einfach, eine Kugel aus zweifarbigem Glas zu erstellen! Dazu bedarf es viel Übung, aber irgendwann hat man den Dreh raus, meint Rebekka Gutgesell, die Künstlerin aus Lauscha, die den Schülerinnen beim Fertigen ihrer Unikate zur Seite steht.


Der Ausflug hat sich gelohnt!

Eine halbe Stunde aufgeregtes Warten - dann darf jede Schülerin ihr ersehntes Kunstwerk bestaunen und mitnehmen. Der Ausflug hat sich gelohnt!