Statt Freistunde und Deutschunterricht stand für die Klasse 6f des Dientzenhofer-Gymnasiums (DG) an einem Vormittag im März etwas ganz anderes auf dem Stundenplan: Die Schüler nutzten die Zeit, um gemeinsam mit ihrer Lehrerin Claudia Losgar Spenden der gesamten Schulgemeinschaft des DG für die Initiative "Bamberg hilft Ukraine" auf dem Gelände der Lagarde-Kaserne abzugeben und bei deren Sortierung zu helfen.

Bereits eine Woche zuvor hatte der Arbeitskreis "Schule ohne Rassismus- Schule mit Courage" mit Durchsagen und Elternbriefen auf die Spendenaktion "Schulpaket" der Klasse 6f aufmerksam gemacht. Im gesamten Schulhaus stellten die Schüler selbst gestaltete Spendenboxen aus gelbem und blauem Papier, den ukrainischen Nationalfarben, auf. Das Echo war riesig. Neben 16 Schulranzen wurden viele weitere Schulsachen gespendet, die es aus dem Kriegsgebiet nach Bamberg geflüchteten Kindern ermöglichen, ein bisschen (Schul-)Alltag erleben zu dürfen. "Ohne Spenden hätten sie es wesentlich schwerer, hier anzukommen", bringt es Julius aus der 6f auf den Punkt.

Spenden sortieren und Pakete packen

Die Schüler brachten die Spenden zur Lagarde-Kaserne, dem Spenden-Sammelpunkt der Stadt Bamberg, um dort die Materialien zu sortieren und Pakete für die Geflüchteten zu packen. Die gespendeten Schulranzen waren randvoll mit Heften, Stiften, Malbüchern, Spielen und auch Kuscheltieren gefüllt. Die Idee, schulische Inhalte mit einer Spendenaktion zu verknüpfen, hatte Lehrerin Claudia Losgar. "Als Lehrer steht man ja nicht nur zur Vermittlung von schulischen Inhalten in Kontakt mit den Kindern, sondern bespricht auch die Themen, die uns alle im Augenblick berühren", erklärt sie ihr Engagement. Auch Katharina Breinbauer, Initiatorin von "Bamberg hilft Ukraine", begrüßt es, "dass wir Aktionen wie diese zusammen mit Schulen machen können". Es seien bereits viele Geflüchtete aus der Ukraine in Bamberg angekommen und das werde auch noch länger so bleiben.

Krieg und Flucht greifbarer machen

"Es ist uns ein Anliegen, die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren. Deshalb ist es auch wichtig, mit Schulklassen darüber zu sprechen, was der Krieg für die Menschen aus der Ukraine überhaupt bedeutet. Durch konkrete Aktionen wie das Sammeln von Spenden oder das Packen von Hilfsgütern können wir so abstrakte Themen wie Krieg und Flucht für die Schüler greifbarer machen und ihnen gleichzeitig die Möglichkeit geben, zu helfen", so Katharina Breinbauer. Gemeinsam mit einer Kollegin und Hund Theo empfing sie die Schüler herzlich und gab ihnen zunächst eine Einweisung in die Vorgehensweise und die Entstehung der Initiative "Bamberg hilft Ukraine". Daraufhin teilten sich die Schüler auf und legten los. Während sich eine Gruppe um Schlafpakete mit Decken und Kissen kümmerte, sortierte die zweite Kleidung und eine dritte Schulsachen. Für Neugier sorgte eine große Spende der Feuerwehr aus dem Landkreis. Neben Stiefeln wollten auch Jacken und Helme sorgfältig sortiert, eingepackt und auf Paletten verladen werden. Noch in der gleichen Woche sollten diese in der Ukraine eingesetzt werden.

Auch in Deutschland etwas bewirken

Trotz des scheinbaren Chaos fanden die Schüler schnell die richtigen Kartons zum Sortieren. Im Vergleich zum zeitlichen Aufwand der Ehrenamtlichen vor Ort seien drei Stunden nur ein kleiner Beitrag, um für die Geflüchteten Hilfsgüter zusammenzustellen, sind sich die Sechstklässler einig. "Aber wir, die Klasse 6f, unterstützen die freiwilligen Organisatoren sehr gerne, weil die gespendeten Schulsachen und viele Hände benötigt werden." Schülerin Luzia ergänzt nach der tatkräftigen Aktion: "Die Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, brauchen die gespendeten Dinge viel dringender als wir. Mit Spendenaktionen oder unserer Hilfe hier beim Sortieren der Sachen können auch wir in Deutschland etwas bewirken und dazu beitragen, dass es anderen Menschen ein bisschen besser geht." Auch Lenja aus der 6f findet es super, dass ihre Schule die Initiative "Bamberg hilft Ukraine" unterstützt. "Wir würden uns auch freuen, wenn ein Kind aus der Ukraine in unsere Klasse käme und es auf jeden Fall gut aufnehmen", so die Sechstklässlerin.

Von der Klasse 6f des Dientzenhofer-Gymnasiums und Claudia Losgar