Barbara hat sich heute in der Pause eine Tüte Chips gekauft. Ausnahmsweise. "Damit unterstütze ich doch auch eine gute Sache", sagt sie und grinst. "Das ist nämlich ein fair gehandeltes Produkt!", weist die Schülerin der Graf-Stauffenberg-Realschule auf das Label der Tüte hin. Gekauft hat sie die Knabberei an einem Stand, der in der Schulaula steht. Auch ausnahmsweise. Zumindest vorerst. Denn neben den obligatorischen Pausensnacks wie "Leberkäs-Brötla" und "Laugenbrezen" im Kiosk bieten Schüler heute Produkte an, die aus dem Eine-Welt-Laden in Bamberg stammen. "Wir waren gestern dort und haben selbst die Ware ausgesucht, die wir an unserer Schule verkaufen wollen", erklärt Jumana, die heute hinter der Ladentheke steht.

Ganz nach Schülergeschmack

Die Auswahl ist ganz auf den Geschmack von Schülern abgestimmt. Neben den erwähnten Chips gibt es Schoko-Osterhasen, Gummibärchen, kleine Schoko-Täfelchen, Müsliriegel, aber auch Orangensaft. Und zwar fair gehandelten und konventionellen. Beide Sorten werden "verdeckt" verkostet. Gerade probiert Studienrätin Andrea Welscher. "Der schmeckt eindeutig besser!", sagt sie zum Schüler, der anerkennend nickt. Sie hat sich für das Fairtrade-Produkt entschieden. Puh!

Aktion im Bildungsbereich

Auch Jumana freut's. Die 16-Jährige will mit einigen ihrer Mitschülern das Projekt "Fairtrade-School" in Angriff nehmen. Ein Projekt, das Studienrat Christian Hubel im Ethikunterricht vorgestellt hat und eng mit der Kampagne verbunden ist, an der sich auch die Stadt Bamberg beteiligt. "Fairtrade-Town" nennt sie sich. Mit ihrem heutigen Einsatz helfen die Schüler also auch ihrer Stadt. Denn für das Siegel "Fairtrade-Town" braucht es unter anderem dokumentierte Aktionen im Bildungsbereich.
In Bamberg haben laut TransFair, dem Verein zur Förderung des fairen Handels und Initiator der Kampagne, bislang noch drei weitere Schulen ihren Beitrag dazu geleistet: das Clavius-Gymnasium, die Maria-Ward-Schulen und das Eichendorff-Gymnasium.
Die Realschüler der Graf-Stauffenbergschule zum Beispiel führten neben Recherchearbeiten im Vorfeld und der heutigen Verkaufsaktion noch eine Umfrage unter Mitschülern durch. "Was wisst ihr über Fairtrade?" "Was haltet ihr von Fairtrade?" Das sind nur einige der Fragen, mit denen die Ethik-Arbeitsgruppe ihre Mitschüler konfrontierten. Das Ganze wurde auf Video festgehalten.
"Na ja, nicht jeder lässt sich gleich von der Idee begeistern", sagt Jumana dazu. Sie ist sich aber sicher, dass ihre Gruppe das noch schaffen wird. "Die müssen sich halt mal unsere Infotafeln anschauen", meint die 16-Jährige und zeigt hinter sich. Dort gibt es schon viel über die Fairtrade-Bewegung zu lesen. "Und wenn ich weiß, dass ich zum Beispiel mit zwei Cent mehr für ein Produkt verhindern kann, dass in Asien oder Südamerika Kinder in die Prostitution gezwungen werden", sagt sie, "dann bin ich vielleicht auch einmal bereit, etwas mehr hinzublättern."

Multiplikatorin vor Ort

Unterstützt wird Jumana und ihre Mitschüler von Diana Stanke. Die ehemalige Studienrätin ist heute als Multiplikatorin für TransFair vor Ort. Sie hilft unter anderem Lehrern und Schülern, damit aus kleinen Projekten vielleicht einmal etwas Großes wird. Vielleicht einmal die Anerkennung zur ersten Fairtrade-Schule Bambergs. Mit ihren Aktionen nehmen die Schüler auch gleichzeitig am bundesweiten Wettbewerb "Fairste Klasse gesucht!" teil. Beim Schülerwettbewerb des Fair Trade e. V. winkt den Gewinnern immerhin ein Preisgeld von bis zu 2000 Euro.
Barbara, das Mädchen mit den Chips, muss man jedenfalls nicht mehr vom Sinn und Zweck einer solchen Kampagne überzeugen. "In vielen Ländern können Kinder nicht zur Schule gehen", empört sie sich. "Die müssen nämlich ganz hart arbeiten. Und dann bekommen die auch noch so gut wie nichts dafür. Nur, damit unser Zeugs möglichst billig sein kann. Das ist doch blöd!" Ihre Freundinnen pflichten ihr bei.
Die Pause ist jetzt vorbei, der Stand geschlossen. Die Mädchen werden ihre Chips- und Gummibärchen-Tüten mit nach Hause nehmen. Und vielleicht drücken ja ihre Eltern - ausnahmsweise - ein Auge zu, dass sie sich heute in der Schule mit Naschereien eingedeckt haben. Und vielleicht kommt ja so der ein oder andere auch auf den Geschmack. Auf den Geschmack von fair gehandelten Produkten.