Berlin - „Das glaubt mir ja keiner!“ Margarethe Frederichs war völlig begeistert. Als einzige bekam die Paderbornerin am Samstag ein Autogramm von der gut gelaunten Bundeskanzlerin. „Jetzt hat sich das Bürgerfest in Berlin erst recht gelohnt“, sagte die Leiterin einer Grundschule. Die Hauptstadt-Party zum 60. Jahrestag des Grundgesetzes am Samstag kam an, sie war bis in die späten Abendstunden ein Publikumsmagnet.

Eine halbe Millionen Menschen mehr als erwartet

Rund 750.000 statt der erwarteten 250.000 Menschen feierten bei strahlendem Sonnenschein ausgelassen das runde Staatsjubiläum. Die schiebenden und swingenden Menschenmassen zwischen Brandenburger Tor und Kleinem Stern ließen Erinnerungen an das Fußball-Sommermärchen vor drei Jahren wach werden.
„Sonne satt, Unterhaltung pur und eine Zeitreise durch 60 Jahre Bundesrepublik, was will man mehr?“, sagte ein junger Hamburger.

Auch in der Ex-Hauptstadt feierten Menschen das Grundgesetz

Diese Zeitreise konnten Interessierte aber nicht nur an der Spree, sondern auch am Rhein unternehmen. Mit einem großen Fest und der „Langen Nacht der Demokratie“ erinnerte die frühere Bundeshauptstadt Bonn an die Verkündung des Grundgesetzes vor 60 und den Fall der Mauer vor 20 Jahren – „fröhlich, rheinisch und ohne Pathos“, wie Bürgermeister Helmut Joisten bei der Begrüßung versprach. Rund 100.000 Menschen nutzten die Gelegenheit, um einen Blick ins einstige Machtzentrum der Bundesrepublik zu werfen.

Das Bundekabinett lauschte Beethoven

In Berlin ließen sich den musikalischen Höhepunkt des Tages auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Mann Joachim Sauer nicht entgehen. Die Staatskapelle Berlin spielte unter Leitung von Daniel Barenboim Beethovens Neunte. Ihnen lauschten auf der Ehrentribüne auch das halbe Bundeskabinett und zahlreiche Bundestagsabgeordnete. Kurz vor Beginn erschien der soeben im Amt bestätigte Bundespräsident Horst Köhler. Riesen-Beifall und Bravo-Rufe brandeten auf, als er winkend neben Merkel Platz nahm.

Was macht eigentlich ein Bundesrichter?

Neben Unterhaltung wurde am 60. Jahrestag des Grundgesetzes Information groß geschrieben. Die Verfassungsorgane hatten sich einiges einfallen lassen, um die Demokratie „unter das Volk zu bringen“. Im Zelt des Bundestages war ein kleiner Plenarsaal nachgebaut.  Im Zelt des Bundesverfassungsgerichts plauderten Bundesrichter aus ihrem Berufsalltag. 

Die Bundesländer zeigten sich von ihrer leckersten Seite

Auf der Straße des 17. Juni präsentierten sich die 16 Bundesländer mit kulturellen Highlights, Ministerien und Verbände luden zu einem Blick hinter die Kulissen ein. Aufgetischt wurden regionale Köstlichkeiten – vom bayerischen Leberkäs’ über Bremer Meeresfrüchte bis zu Flammkuchen aus dem Saarland.   Moderator Thomas Gottschalk plauderte mit Prominenten aus Kultur und Sport über 60 Jahre Bundesrepublik. Bei seiner Kollegin Sandra Maischberger bekannte Fußballidol Uwe Seeler, was ihn mit Deutschland verbindet. Für ihn bedeute es „Heimat, Geborgenheit und Sicherheit“.  Frauenrechtlerin Alice Schwarzer fiel „Schwarzbrot, Leberwurst und der Rhein“ ein.