Berlin
Förderung für Familien

Studie zeigt: Das machen Eltern mit dem Kindergeld wirklich

Verschwenden Eltern das Kindergeld und andere Transferleistungen für das eigene Vergnügen? Mit diesem Vorwurf beschäftigt sich eine aktuelle Studie und zeigt, was tatsächlich mit diesem Geld passiert.
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  • Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt: Eltern geben Familienleistungen nicht sinnlos aus
  • Sie wendet sich gegen Vorwürfe, Kindergeld fließe in Alkohol oder Zigaretten
  • Außerdem verknüpft die Studie ihre Ergebnisse mit einer konkreten politischen Forderung

Eltern geben Kindergeld für Alkohol und Zigaretten aus - Vorurteil oder Wahrheit?

In Deutschland herrscht ein generelles Misstrauen gegen finanzielle Transferleistungen für Familien. Oft werden Vorwürfe laut, Eltern würden Geldleistungen wie Landeserziehungsgeld und Kindergeld für größere Fernseher, Alkohol oder Zigaretten ausgeben.

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung hat untersucht, was an diesen Vorwürfen dran ist. Das Ergebnis der Studie: Transferleistungen wie Kindergeld kommen bei Kindern sehr wohl an. Ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sowie ihre Lebenssituation verbessern sich.

Die Studie hat zwei Leistungen betrachtet: Landeserziehungsgeld und Kindergeld. Die Auswirkungen über einen Zeitraum von über 25 Jahren wurde beobachtet und bewertet. In Bezug auf das Kindergeld macht die Studie ganz konkrete Aussagen zur Auswirkung von mehr Kindergeld auf das Verhalten von Eltern.

Pro 100 Euro Kindergeld mehr passiert laut der Studie folgendes:

  • Eltern geben 14 Euro davon für Miete aus, das entspricht im Schnitt zwei Quadratmetern Wohnfläche
  • Kinder unter 6 nehmen mit einer um 8 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit am Kinderturnen teil
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder Musikerziehung außerhalb der Schule genießen, steigt zwischen 7 und 11 Prozent, je nach Alter der Kinder
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder Betreuungsangebote wie Kita oder Hort wahrnehmen, steigt um 5 Prozent, seit 2000 sogar um 10 Prozent.

Was die Studie aber auch zeigt, ist: Die Ausgaben für Unterhaltungselektronik, Alkohol oder Zigaretten steigt nicht, beziehungsweise nur in äußerst geringem Umfang. Bis 2007 stieg pro 100 Euro Kindergeld der Konsum von Zigaretten bei Männern zwar um 4 Zigaretten pro Monat, seit 2008 ist dieser Effekt aber laut der Studie nicht mehr festzustellen.

Beim Landeserziehungsgeld sieht das Ergebnis der Studie ähnlich aus: Auch hier ist kein Effekt auf den Konsum von Alkohol oder Zigaretten feststellbar. Der Unterschied zum Kindergeld ist hier, dass Eltern sich durch die Transferleistung Zeit erkaufen. Sie arbeiten weniger und gleichen den Einkommensverlust durch das Landeserziehungsgeld aus.

Dies ist auch in der Leistung angelegt - es gibt für den Elternteil, der das Geld erhält, eine Obergrenze an Arbeitsstunden pro Woche. Eltern sollen so die Möglichkeit erhalten, mehr Zeit für die Erziehung ihrer Kinder aufbringen zu können.

Die Autoren der Bertelsmann-Studie weisen im Fazit ihrer Studie deutlich darauf hin, dass der weit verbreitete Vorwurf, Eltern würden Transferleistungen für Rauschmittel ausgeben, anstatt sie Kinder zugute kommen zu lassen, übertrieben ist, beziehungsweise an Einzelfällen orientiert ist.

Im Gegenteil: Die Studie zitiert andere Erhebungen, wonach Eltern zuerst beim eigenen Konsum sparen, wenn das Geld knapp wird, anstatt bei den Kindern.

Studie: Geld kommt bei Kindern an

Die Hauptaussage der Studie ist, dass Geldtransferleistungen sehr wohl bei den Kindern ankommen und auch eine höhere Effektivität als Sachleistungen haben. An diesen Leistungen, wie etwa dem Teilhabepaket, das unter der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen eingeführt wurde, kritisieren die Autoren der Studie, dass hier bis zu 30 Prozent der Leistungen für Verwaltung und Bürokratie aufgewendet werden, anstatt direkt bei Familien anzukommen.

Außerdem schlagen die Autoren der Studie ein "Teilhabegeld" vor: Dieses würde nach ihrer Vorstellung bisherige Leistungen wie Kindergeld, Kinderzuschlag und Leistungen des Teilhabepakets, etc. bündeln.

Das fordert die Bertelsmann-Studie

Die Autoren schreiben: "Es gewährt allen jungen Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft die finanziellen Mittel, die heute für gutes Aufwachsen, Bildung und Teilhabe notwendig sind. Dazu müssen die Bedarfe von Kindern und Jugendlichen systematisch erhoben werden, denn solche Daten liegen in Deutschland bisher nicht umfassend vor. Das Teilhabegeld (...) vermeidet damit Bürokratie, Schnittstellenprobleme und Stigmatisierung. Mit steigendem Einkommen der Eltern wird es abgeschmolzen, so dass gezielt arme Kinder und Jugendliche unterstützt werden."

Von
Bis
1. Kind
2. Kind
3. Kind
4. Kind
01.01.1975
31.12.1977
25.56 €
35.79 €
61.36 €
61.36 €
01.01.1978
31.12.1978
25.56 €
40.90 €
76.69 €
76.69 €
01.01.1979
30.06.1979
25.56 €
40.90 €
102.26 €
102.26 €
01.07.1979
31.01.1981
25.56 €
51.13 €
102.26 €
102.26 €
01.02.1981
31.12.1981
25.56 €
61.36 €
122.71 €
122.71 €
01.01.1982
30.06.1990
25.56 €
51.13 €
112.48 €
122.71 €
01.07.1990
31.12.1991
25.56 €
66.47 €
112.48 €
122.71 €
01.01.1992
31.12.1995
35.79 €
66.47 €
112.48 €
122.71 €
01.01.1996
31.12.1996
102.26 €
102.26 €
153.39 €
178.95 €
01.01.1997
31.12.1998
112.48 €
112.48 €
153.39 €
178.95 €
01.01.1999
31.12.1999
127.82 €
127.82 €
153.39 €
178.95 €
01.01.2000
31.12.2001
138.05 €
138.05 €
153.39 €
178.95 €
01.01.2002
31.12.2008
154.00 €
154.00 €
154.00 €
179.00 €
01.01.2009
31.12.2009
164.00 €
164.00 €
170.00 €
195.00 €
01.01.2010
31.12.2014
184.00 €
184.00 €
190.00 €
215.00 €
01.01.2015
31.12.2015
188.00 €
188.00 €
194.00 €
219.00 €
01.01.2016
31.12.2016
190.00 €
190.00 €
196.00 €
221.00 €
01.01.2017
31.12.2017
192.00 €
192.00 €
198.00 €
223.00 €
01.01.2018
31.12.2018
194.00 €
194.00 €
200.00 €
225.00 €


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